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Reise nach Schweden: mentale Grenzen überschreiten

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Dorf in Schweden
Idylle in einem schwedischen Dorf

Wir sind begeisterte Schwedenfahrer. 16 Mal bin ich bisher mit meiner Frau dort gewesen. Studienreisen und andere Anlässe haben mein eigenes Reise-Konto sogar noch höher steigen lassen. Auch im übrigen Skandinavien fühlen wir uns außerordentlich wohl. Oft werden wir gefragt, was uns so sehr an Schweden anzieht. Neben all den landschaftlichen Vorzügen ist es die nordische Mentalität, die ein Rundum-Wohlfühlpaket verspricht. Und das spürt man bereits, wenn man die Grenze zu Dänemark überschreitet. Und damit bin ich schon mitten in der Thematik der Blogparade über Grenzen – physische und mentale – von Janett, der Gründerin des Blogs Teilzeitreisender.de.

An der dänischen Grenze

Seitdem Dänemark und Schweden den Landweg über die Brücken am Öresund und den Großen Belt möglich gemacht haben, wählen wir regelmäßig diese Route auf die skandinavische Halbinsel. Immer halten wir kurz vor oder hinter der dänischen Grenze (je nach Fahrtrichtung) im Scandinavienpark, einem riesigen Einkaufzentrum und Autohof bei Flensburg, um zu tanken, die Beine zu vertreten, einen Cappuccino zu trinken oder vielleicht noch einige letzte Besorgungen zu machen.

Das ist ein Ritual (auf das wir in diesem Jahr beinahe verzichten hätten müssen). Und mit ihm überschreiten wir auch eine innere Grenze. Hier beginnt mental der Urlaub und hier endet auf dem Rückweg die Zeit der Besinnung und der Entschleunigung. Dies macht sich bereits unweigerlich auf der Autobahn bemerkbar. Insbesondere auf dem Rückweg ist der Kulturschock eindringlich. Unmittelbar an der Grenze scheint jeder Autofahrer seine entspannte Fahrweise gegen den Bleifuß eingetauscht zu haben. Es wird gedrängelt, aufgeblendet, gehupt und mit nicht angemessener Geschwindigkeit überholt. Auch ich kann mich diesem Rhythmus nicht ganz entziehen und beobachte, wie ich nach und nach aggressiver und forscher unterwegs bin. Eine Frage der unterschiedlichen Mentalität? Vielleicht, aber zumindest ein Ergebnis jahrzehntelang verfehlter Verkehrspolitik. Wann kommt endlich das Tempolimit auf deutschen Autobahnen?

Das Ideal der heilen Welt

Doch da ist noch viel mehr, was Skandinavien und insbesondere Schweden so anders erscheinen lässt. Schweden haftet der Mythos der heilen Welt einer Astrid Lindgren an. Auch wenn dieser in den letzten Jahren gerade in den wenigen Großstädten wie Stockholm, Göteborg und Malmö einige Risse bekommen hat, so ist er doch bei der Reise durch dieses liebenswerte Land noch immer allgegenwärtig. Man spürt ihn in den Städten, auf dem Lande, auf den Straßen, beim Einkaufen und im Umgang der Menschen miteinander.

Ein Hauch dieser Atmosphäre umgibt uns bereits beim Überschreiten der dänischen Grenze und erreicht uns vollends, nachdem wir den Öresund überquert haben. Ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit macht sich breit. Auch heute noch schließen viele Menschen im ländlichen Schweden nicht zwangsläufig ihr Haus, ihr Auto oder ihr Fahrrad ab. Die Schweden wirken entspannt, freundlich, offen und fern der hektischen Ellbogengesellschaft Deutschlands. Die schwedischen Naturschönheiten tun ihr Übriges, um dieses Bild zu vervollkommnen.

Diese hohe Lebensqualität paart sich mit einem Wohlstand, der längst nicht so viele Menschen durch das soziale Raster fallen lässt, wie wir es hierzulande erleben müssen. Das macht sich auch im Straßenbild bemerkbar. Obdachlose, Bettler und eine Drogenszene gehören nicht zur gewohnten Erscheinung einer schwedischen Stadt. Auch muss man schon in den Metropolen schauen, um stinkenden Unterführungen und vermüllten Parks zu begegnen. In der schwedischen Gesellschaft scheinen Umwelt und ein soziales Miteinander einen hohen Stellenwert zu besitzen.

Ein Land zum Auswandern? Wenn, dann natürlich dieses! Aber tatsächlich offenbaren sich manche Problembereiche erst bei einem längeren Aufenthalt in einem Land. Insofern besitzen wir als Urlauber den Luxus, das Bild der vollkommenen Idylle noch nicht beschädigt zu sehen. Noch scheint es sie zu geben, diese magische Grenze, die man überschreitet, wenn man gen Norden fährt.

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