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Kurzurlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte

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Rund um die Müritz

Vorweg eine Klarstellung für die weniger Kundigen in der deutschen Geografie: Die Müritz ist kein Fluss, wie man aufgrund des weiblichen Genus meinen könnte. Sie ist ein See, noch dazu der größte, der mit seiner Fläche vollständig auf deutschem Staatsgebiet liegt. Der Name stammt aus dem Slawischen und bezeichnet ein kleines Meer.

Nachdem das nun geklärt ist, wollen wir uns die Landkarte der Mecklenburgischen Seenplatte genauer ansehen, in deren Zentrum die Müritz gelegen ist. Schnell wird klar: Hier geht es um Wasser, um ganz viel Wasser. Ohne Wasser geht in dieser Region fast nichts. Der Alltag und der Verkehr sind vielfach zum Wasser hin ausgerichtet, was sich an unzähligen Bootshäusern und privaten Stegen manifestiert. Da muss man auch mal längere Umwege in Kauf nehmen, wenn man auf der Straße von Punkt A nach Punkt B gelangen möchte.

Bootshäuser am Mirower See
Bootshäuser am Mirower See

Kleinstadtidylle

Mecklenburg ist das Land der Ackerbürgerstädte. Ihre Bewohner lebten ehemals primär von der Landwirtschaft. Der Charakter ist daher ausgesprochen kleinstädtisch, die Häuser bescheiden und traufenständig. Repräsentative Giebel, wie sie in den Küstenstädten der Hansestädte Wismar, Stralsund, Rostock oder Greifwald in großer Fülle zu sehen sind, trifft man in Ackerbürgerstädten nur selten an. Das macht aber auch ihren Charme aus. Vielfach läuft man auf Kopfsteinpflaster durch die historischen Straßenzüge mit bunten Fachwerkhäusern. Die Geschichte und Gestalt der Ortschaften gehen meist bis ins 13. Jahrhundert zurück.

Plau am See

Die Stadt am Plauer See zeigte sich auf unserer Reise als die reizvollste der kleinen Ackerbürgerstädte. Das liegt nicht zuletzt an ihrer Lage am Ausfluss der Elde aus dem See. Die Altstadt schmiegt sich direkt an den kleinen Fluss. Gekrönt wird die romantische Szenerie von einer hölzernen Fußgängerbrücke (die sogenannte Hühnerleiter), einer Schleuse und einer historischen Hubbrücke. Die Gassen der Altstadt sind von Fachwerkhäusern gesäumt. Die Stadtkirche aus der Mitte des 13. Jahrhunderts präsentiert mittelalterliche Backsteinarchitektur, wie sie für das mecklenburgische Binnenland charakteristisch ist. Auf dem Gelände der ehemaligen Burg befindet sich das Plauer Burgmuseum mit Ausstellungen zur Geschichte der Stadt.

Plau am See
Blick über die Elde auf die Altstadt von Plau am See

Auf keinen Fall sollte man sich nehmen lassen, die reizvolle Promenade in Richtung Plauer See zu begehen. An deren Ende stehen ein hübscher Leuchtturm und der Ausblick auf den zweitgrößten See der Mecklenburgischen Seenplatte als Belohnung. Hier zeigt die Stadt ihr mondänes Gesicht. Freizeitboote gleiten fast lautlos an den typischen Bootshäusern vorbei.

Malchow

Malchows Altstadt mag architektonisch weniger zu bieten haben als die anderen Städte in der Mecklenburgischen Seenplatte. Dafür liegt sie geradezu spektakulär auf einer Insel zwischen den Seen. Zu betreten ist diese über einen Damm auf der einen und eine Drehbrücke auf der anderen Seite.

Touristisches Zentrum der Stadt ist der Hafenbereich rund um die Drehbrücke, die die Altstadtinsel mit der Neustadt verbindet. Hier kann man entspannt den Booten bei der Durchfahrt zusehen. Ein berauschender Blick auf die neugotische Klosterkirche am Ufer des gegenüberliegenden Festlandes krönt die Szenerie. Fischbrötchen oder Eis – je nach Geschmack – sind natürlich an jeder Ecke zu haben.

Malchow - Klosterkirche
Blick von der Malchower Altstadt auf die neugotische Klosterkirche

Röbel

Röbel liegt an der Müritz – besser: an einer tiefen Bucht des Sees – und präsentiert bei der Annäherung per Boot oder Schiff eine malerische Stadtsilhouette mit zwei mittelalterlichen Kirchen und einer Mühle. Vom Hafensteg führt eine langgezogene Straße in die Altstadt des Ackerbürgerstädtchens. Dabei passiert man zunächst die Marienkirche, bevor man schließlich am gemütlichen Marktplatz auf die Nikolaikirche stößt. Gut restaurierte bunte Fachwerkhäuser beherrschen das Stadtbild und machen den Besuch Röbels lohnenswert.

Ungewöhnlich ist die Existenz von zwei mittelalterlichen Pfarrkirchen aus dem 13. Jahrhundert auf so engemj Raum. Dies resultiert daraus, dass in Röbel nicht wie anderorts die deutsche und die slawische Siedlung frühzeitig verschmolzen. Seit 1252 verlief sogar die Grenze zwischen den Bistümern Havelberg und Schwerin mitten durch die Stadt.

Waren

Waren liegt am nördlichsten Ausläufer der Müritz, der sogenannten Binnenmüritz. Die Stadt ist größer als die bisher vorgestellten Ackerbürgerstädte und besitzt entsprechend einen anderen Charakter. Am Hafen tummeln sich Touristen und Freizeitboote. Ausflugsboote fahren an zahlreichen Anlegern in unterschiedliche Richtungen ab. Schicke Uferpromenaden laden zum Flanieren ein. Mit dem Müritzeum verfügt die Stadt zudem über ein sehenswertes Museum und ein modernes Natur-Erlebnis-Zentrum.

Hinter dem Hafen erhebt sich die attraktive Altstadt mit quirliger Fußgängerzone zwischen Neuem und Alten Markt. Es lohnt sich, die vielen Gassen mit der historischen Bebauung zu erkunden und dabei nicht immer den Menschenmassen zu folgen. Nur so haben wir den charmanten Alten Markt unterhalb der Georgenkirche entdeckt.

Waren und Binnenmüritz
Blick über die Binnenmüritz auf die Altstadt von Waren mit der Georgenkirche

Auf dem Wasser

Paradies für Kanuten

Es muss wohl kaum betont werden, dass die Gegend ein Eldorado für Kanuten ist. Dabei kann man sich mit eigenem Wasserfahrzeug oder einem geliehenen an den zahlreichen Kanustationen aufs Wasser begeben. Unzählige Campingplätze entlang der Seeufer ermöglichen auch mehrtägige Touren. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Wir empfehlen zuvor einen Tourguide wie diese Online-Broschüre zu studieren.

Ein Ratschlag für Anfänger, der nicht nur für die Mecklenburgische Seenplatte gilt: Meidet die großen Seen oder haltet euch, wenn es unvermeidbar ist, in Ufernähe. Der Wind kann zermürbend sein. Touren mit häufigen Kanalpassagen sind dagegen sehr abwechslungsreich und traumhaft idyllisch. Wir konnten dabei sogar Eisvögel aus nächster Nähe beobachten.

Kanal in der Mecklenburgische Seenplatte
Viel Verkehr auf einer Kanalpassage zwischen Mirow und Rheinsberg

Unser Tipp für Einsteiger, die eine gewisse Grundfitness mitbringen, ist ein Klassiker: die Alte Fahrt (Tour 6 in der obigen Broschüre) zwischen Mirow und der Bolter Schleuse. Große Teile der Route dürfen nicht von motorisierten Booten befahren werden. Sie führt auch durch den Nationalpark Müritz und beinhaltet keine Umtragestelle.

Ausflugsfahrten

Wenn man es weniger sportlich angehen lassen möchte, dann stehen unzählige Ausflugsboote zur Verfügung, die vor allem die großen Seen Müritz, Kölpinsee, Fleesensee und Plauer See befahren. Auch Linienverkehr verbindet die Städte und Orte miteinander, was angesichts der Größe der Müritz sehr hilfreich ist. Kombinierte Touren mit Wanderausflügen, Radtouren und anderen speziellen Angeboten sind ebenfalls im Programm. Details zu den zahlreichen Angeboten finden sich bei der Weißen Flotte und bei der Blau-Weißen-Flotte.

Für diejenigen mit ausreichend Zeit möchten wir zwei der wohl reizvollsten Touren vorstellen. Zunächst ist das der Klassiker, die 7-Seen- oder 5-Seenfahrt, die in Waren an der Müritz startet und durch die großen Seen im Nordosten nach Plau am See bzw. Malchow und zurückführt. Bei den ganztägigen Fahrten sind Landgänge inklusive, so dass man die Städtchen auch auf diese Weise näher erkunden kann.

Landgang in Rheinsberg

Unser persönlicher Favorit ist allerdings eine Route, die uns durch ein Gewirr von 16 kleineren Seen von Mirow bis ganz in den Süden der Mecklenburgischen Seeplatte führte. Wendepunkt der Tour ist das bereits in Brandenburg gelegene Rheinsberg. Die drei Schleusungen pro Richtung werden dabei zum Erlebnis. Besonders idyllisch empfanden wir die naturbelassenen Campingplätze, die gelegentlich am Ufer auftauchten, um kurz danach wieder im Grün und Blau der Natur zu verschwinden.

Geradezu majestätisch nähert man sich schließlich der Residenzstadt Rheinsberg. Deren barockes Schloss steht unmittelbar am Ende des Grienericksees und entfaltet seine majestätische Wirkung zum See. Beim Landgang sollte man zunächst den sich dahinter erstreckenden Schlosspark erkunden, der immer wieder neue reizvolle Ausblicke auf Schloss und See gestattet. Danach lohnt das Flanieren in der vorzüglich erhaltenen barocken Stadtanlage mit gitterförmigem Straßennetz.

Schloss in Rheinsberg
Schloss in Rheinsberg

Fahrradrouten und Ausflugstipps

Nicht zuletzt lädt ein hervorragendes Fahrradwegenetz in der Mecklenburgischen Seenplatte zu weiteren Aktivitäten ein. Wir haben uns gleich an den Müritz-Radrundweg versucht, der durch Waren und Röbel führt. In seiner kürzesten Routenführung stellt er mit 88 km aber schon eine Herausforderung dar – zumindest ohne E-Bike. Wem das für einen Tag zu viel erscheint, der kann auch mit dem Linienverkehr per Schiff abkürzen. Dabei führt der Rundweg an der Ostseite des Sees mitten durch den Nationalpark Müritz und ist landschaftlich reizvoller. Er sollte daher bevorzugt per Rad bewältigt weder. Hervorzuheben ist die östlich von Röbel liegende Dorfkirche von Ludorf. Der Typus eines Zentralbaus ist in gotischer Zeit im weiten Umfeld ein Unikum und macht die Kirche zu einem Kleinod.

Dorfkirche Ludorf
Die Dorfkirche von Ludorf – ein gotischer Zentralbau

Manchmal brauchen wir auch Abstand vom Naturerlebnis. Auch hierfür hält die Mecklenburgische Seenplatte Angebote in unmittelbarer Nachbarschaft bereit. Für den Wunsch nach etwas mehr Geschäftigkeit bietet sich ein Ausflug in die Städte Neustrelitz und Neubrandenburg an, die ich in gesonderten Artikeln vorstelle. Die beiden Städte sind vor allem für Kultur- und Architekturinteressierte zu empfehlen.

2 Kommentare zu “Kurzurlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte

  1. Das ist ein schöner Bericht über eine sehr erholsame Region. Auch wir haben im Sommer 2019 viele schöne Seiten im Mecklenburger Seengebiet entdeckt. Für die Zeit, wenn es die Möglichkeiten wieder effektiv zulassen, möchte ich unbedingt den Besuch von zwei attraktiven Museen anregen.

    Das schon im Post erwähnte und vom örtlichen Heimatverein geführte Plauer Burgmuseum bietet so viel Sehenswertes, keinesfalls verstaubt und teilweise auch in Betrieb, wie es manch größere Sammlung nicht zeigt.

    Ebenso interessant fanden wir das in der Klosterkirche Malchow befindliche „Mecklenburgische Orgelmuseum“. Der Umfang der Sammlung ist auch hier beachtlich und mit etwas Glück erhält der Besucher Livemusik, wenn der jeweilige Organist das abendliche Konzert probt.

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