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Ein Wochenende in einem südfranzösischen Château bei Carcassonne

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Die Blogparade #SchlossGenuss, organisiert von Schlösser und Gärten in Deutschland und Tanja Praske, ist für mich ein willkommener Moment, einen nicht alltäglichen Wochenendtripp in Erinnerung zu bringen. Zugegeben, der Anlass für diese kleine Reise ist nicht ganz gewöhnlich gewesen: Drei Kumpels, die seit Schulzeiten gemeinsam Skat dreschen, wollten das erspielte Geld auf den Kopf hauen. Die Wahl fiel auf eine Reise nach Südfrankreich, genauer auf die Stadt Carcassonne in der Region Longuedoc. Carcassonne, schon mal gehört? Das ist nicht nur ein legendäres Gesellschaftsspiel aus dem Jahre 2000, sondern eine mittelalterliche Festungsstadt (Cité de Carcassonne), die seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Cité de Carcassonne
Cité de Carcassonne

Unterkunft fanden wir standesgemäß im Château de Villarlong, gelegen in malerischer Landschaft mit sanften Hügeln, Zypressen, Pinien, Olivenhainen und natürlich Rebstöcken. Ich musste mich erst an den Anblick gewöhnen, dass Wein nicht zwangsläufig an Hängen wächst. Ebenso neu war für mich die Erfahrung, in einem eigenen Apartment in einer mittelalterliche Schlossanlage – inkl. Wendeltreppe, Kamin und saalartigem Wohnzimmer – zu nächtigen. Und natürlich gehörte zu dem Ambiente eine gute französische Küche. Wahlweise war das Essen im Schlosskeller oder auf der Gartenterrasse einzunehmen. Leider ging es mir am ersten Abend gesundheitlich nicht gut, so dass dieser Genuss – #SchlossGenuss – für mich ausfallen musste.

Cité de Carcassonne

Als Kunsthistoriker mit Forschungsschwerpunkt in mittelalterlicher Baugeschichte bin ich einige beeindruckende Erfahrungen dieser Art gewohnt, doch die Festungsstadt von Carcassonne ließ auch mich staunend zurück. Der vollständige doppelte Mauerring mit zahlreichen Türmen und Toren aus Buckelquadern wirkt wie eine Zeitmaschine ins Mittelalter – wenn da nicht die Touristen wären. Allein die Ringanlage ist allerdings so weitläufig, dass man sich dem Treiben gut entziehen kann. Macht man sich die Mühe – was ich dringend empfehle – die Altstadt komplett zu umrunden, stößt man sogar auf Mauerabschnitte und Türme aus römischer Zeit.

Lebhafter geht es in der Altstadt selbst zu, deren quirligen Gassen und Plätze von zahlreichen Menschen bevölkert sind. Höhepunkte der Altstadt sind die Basilika St-Nazaire und St-Celse und das Grafenschloss. Letzteres stellt quasi eine Burg innerhalb der Festungsanlage von Carcassonne dar. Den schönsten Blick auf die Cité bekommt man übrigens, indem man die zu Füßen der Altstadt vorbei fließenden Aude über die Pont Vieux überquert.

Les Châteaux de Lastours

Einen würdigen Abschluss fand unsere Tour nach Frankreich durch eine Wanderung in den südlichen Ausläufern der Montagne Noire. Für die Strapazen bei sommerlichen Temperaturen wird man aber belohnt, sobald die vier Burgruinen von Lastours (les Châteaux de Lastours) – in Sichtweite gelangen. Die Höhenburgen – Château de Cabaret, Tour Régine, Château de Surdespine und Château de Querthineux – thronen in unmittelbarer Nachbarschaft auf einem Bergkamm. Das Stöbern durch die alten Mauern gewährt eindrucksvolle Einblicke in hochmittelalterliche Architekturkonventionen und immer wieder neue Ausblicke auf Landschaft und die benachbarten Burgen. Ein Kleinod mit Empfehlung von mir!

Unmittelbar nach diesem Abstecher ging es zum Flughafen nach Toulouse. Südfrankreich? Immer wieder! Die Region atmet etwas vom sprichwörtlichen Savoir-vivre, wie ich es auch in Nordspanien auf der anderen Seite der Pyrenäen in Aragonien oder Asturien erleben durfte.

9 thoughts on “Ein Wochenende in einem südfranzösischen Château bei Carcassonne

  1. Wie gut, dass es alte Skatbrüder gibt, die einen auf solche Touren schicken. Wir freuen uns natürlich sehr, denn auf diese Weise haben wir diesen tollen Beitrag zu unserer Blogparade #SchlossGenuss erhalten.
    Artikel wie dieser zeigen uns deutlich, wie sehr alle unsere Burgen und Schlösser miteinander verbunden sind, aber auch wie unterschiedlich sie sind. Dass wir nun am liebten gleich einen Abstecher ins Mittelalter und nach Carcassonne machen würden, müssen wir wahrscheinlich nicht betonnen 😉
    Herzlichen Dank vom Zu-Tisch-Team!
    Andrea Hahn

    1. Danke für deine Zeilen, Andrea. Das Ziel Frankreich war tatsächlich der Leidenschaft eines Mitspielers geschuldet. Carcassonne war dann meine Idee und ich habe es wahrlich nicht bereut.

  2. Lieber Damian,

    wie wunderbar – du hast mich zugleich in den Urlaub zurückversetzt. Ja, ich war mit der Familie hier, aber auch schon vorher im Rahmen meiner Doktorarbeit. In der Village de Cacassonne gibt es eine Kirche, am Portal ist eine Figur von Ludwig dem Heiligen. Sie fand zwar keine großartige Beachtung in meiner Arbeit, aber mit Carcassonne verbinde ich vielfältige Erinnerungen.

    Mir war nicht bewusst, dass du auch Mediävist bist – schöne Entdeckung über die Blogparade.

    Herzlich,
    Tanja

    1. Liebe Tanja, die Welt ist offenbar klein. Bei Gelegenheit muss du mir mehr über deine Doktorarbeit erzählen oder ich google einfach mal, was ich dazu finde. Ich selbst habe meine Dissertation über die frühe Backsteinarchitektur in Nordeuropa verfasst und eigentlich habe ich meine gesamte Studienzeit zu einem Großteil mit mittelalterliche Architektur verbracht. Nachzulesen übrigens in einem Blogbeitrag, den ich zu deiner letzten Blogparade verfasste: https://www.zeilenabstand.net/kultur-ist-bunt-vom-kunsthistoriker-zum-webdesigner/

  3. Lieber Damian,
    dein Beitrag hat mich sofort wieder in die Welt des Mittelalters geführt, die ich liebe obwohl ich „nur“ Nebenfach-Mediävistin bin. Und ich gestehe beim Bild des Apartements im Château entfleuchte mir sofort ein „wow, da will ich auch hin“.

    Herzliche Grüße
    Anja

    1. Danke für deinen Kommentar, Anja. Wenn es dich mal wirklich überkommt: Website der Unterkunft ist ja verlinkt. Meine Empfehlung hat sie auf jeden Fall.

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