Home / Alle Themen / Das Museum und der Kulturbetrieb in Zeiten von Corona

Das Museum und der Kulturbetrieb in Zeiten von Corona

Posted on – zuletzt aktualiert am 3. April 2020
Apotheke in Museum

Folgen der Corona-Krise für die Kultur

Das Coronavirus hält die Welt in Atem und die teils katastrophalen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft sind noch lange nicht in ihrem tatsächlichen Umfang absehbar. Was dort auf uns zukommt, kann und darf Angst machen.

Auch und vor allem den Kulturbereich trifft es hart. Alle Museen haben geschlossen – Theater, Opern und andere Bühnen sowieso. Kulturveranstaltungen mit Publikum sind ausnahmslos abgesagt. Die Welt steht still und das in einer Branche, die auch in normalen Zeiten chronisch an Unterfinanzierung leidet. Für mich als Selbständigen mit Zielgruppe Kulturinstitutionen birgt diese Situation enorme Unsicherheiten. Bereits jetzt spüre ich erste Einschränkungen und musste meine Umsatz-Prognosen für das Jahr 2020 deutlich reduzieren.

Noch schlimmer trifft es die zahlreichen Selbständigen und Freiberufler, die Events organisieren, pädagogische Programme in Museen anbieten oder Stadtführungen durchführen. Ganz zu schweigen von freischaffenden Künstlern. Hier brechen zum Teil 100 Prozent der Einnahmen weg. Für viele ist die Situation existenzbedrohend. Es existiert eine Petition, die auf die prekäre Situation dieser Berufsgruppen aufmerksam macht. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, fordert einen Nothilfefonts. Ob die eingeleiteten Maßnahmen reichen, um die unzähligen befürchteten Insolvenzen abzuwenden, wird sich erst zeigen.

Digitalisierung als Chance

Aber vielleicht ist diese Krise auch als Chance für diejenigen Kultureinrichtungen zu sehen, die nicht unmittelbar in ihrer Existenz bedroht sind und die noch Handlungsspielräume besitzen. Möglicherweise kann sogar die Digitalisierung einen erheblichen Schub dadurch erhalten, dass das Publikum und der Besucher nur noch online erreicht werden kann. Aus der Not wird vielerorts eine Tugend gemacht. Andrian Kreye von der Süddeutschen Zeitung merkt hierzu an:

Die Coronavirus-Krise treibt auf diese Weise eine Entwicklung voran, gegen die es eigentlich erheblichen Widerstand gibt. Denn jede Digitalisierung von Kultur bedeutet auch eine Aufsplitterung des Publikums in einsame Nutzer vor ihren Bildschirmen.

Dass in manchen Institutionen noch immer Bedenken hinsichtlich digitaler Innovationen vorherrschen, ist sicher nicht zu leugnen. Dass zeugt aber vor allem von Unsicherheit und nicht von generellem Widerstand. Viele Einrichtungen haben bereits erkannt, dass in der Kulturvermittlung moderne Medien nicht mehr wegzudenken sind.

Dass Kreye aber glaubt, der Nutzer vor dem Bildschirm wäre ein einsamer Konsument, zeugt von einem eigenartig veraltetem Verständnis des Internets wie wir es vom Web 1.0 her kennen. Der kulturinteressierte Internetnutzer von heute ist dagegen vernetzt, er tauscht sich aus, er partizipiert, er formt Kultur mit. Die Kulturvermittlerin Tanja Praske stellt dies in ihren Projekten immer wieder unter Beweis. Sie beschreibt, wie sie in ihrem Arbeitsalltag jetzt in Zeiten von Corona noch mehr auf digitale Kommunikation angewiesen ist.

Digitale Angebote der Museen

In der Tat haben einige Museen bemerkenswert schnell digitale Angebote an den Start gebracht. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit möchte ich hier mit stetigen Updates spannende digitale Projekte zusammentragen, die im Kontext der Corona-Krise entstanden oder angestoßen wurden. Ich möchte damit dokumentieren, wie die digitale Kulturvermittlung durch diese Ausnahmesituation einen Schub erhalten kann.

In den sozialen Netzwerken findet man diese Angebote unter diversen Hashtags, die bisher leider jede Systematik vermissen lassen. Die derzeit wichtigsten bei Twitter sind #DigAMus und #closedbutopen. Auch bei Instagram trendet #closedbutopen. Eine detaillierte Liste hat Anja Kircher-Kannemann zusammengetragen.

Meine Auswahl spannender digitaler Museums-Angebote:

Deutschland Nord

Deutschland West

  • Pest auf Sendung – das LWL-Museum für Archäologie Herne stellt seine Pest-Ausstellung in YouTube-Videos vor.
  • Römer allein zu Haus – das LWL-Römermuseum Haltern startet auf seinem YouTube-Kanal eine Videoreihe.
  • Die digitale Sammlung des Städel Museum in Frankfurt war bereits vor der Corona-Krise vorbildlich.
  • Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt bietet ihre aktuelle Ausstellung „Fantastische Frauen“ als Digitorial an.
  • Das Kölnische Museum hat auf seinem YouTube-Kanal die Reihe „Museum zu Hause“ gestartet.
  • Das Lippische Landesmuseum Detmold stellt sich auf zahlreichen digitalen Kanälen vor, unter anderem auf YouTube und Instagram.
  • Das Jüdische Museum Frankfurt bestückt seinen YouTube-Kanal mit Museumsführungen.
  • Das Historische Museum Bielefeld produziert zahlreiche virtuelle Führungen durch das Museum.

Deutschland Ost

Deutschland Süd

7 Kommentare zu “Das Museum und der Kulturbetrieb in Zeiten von Corona

  1. Hallo Damian,
    Herzlichen Dank für die Liste, es gibt ja wirklich viele tolle Angebote zur Zeit, man kommt gar nicht mehr mit – ich zumindest 🙂 Darf ich noch unsere zweite digitale Ausstellung – #schlössersafari virtuell, weltweit – ergänzen? Die findet man unter burg-posterstein.de/schloessersafari
    Alles Gute und bleib gesund!
    Marlene

    1. Hallo Marlene,
      danke dir für deine Ergänzung. Ich werde sie beim nächsten Update integrieren. Ich nehme eure Themen immer wieder gerne auf.
      Grüße nach Thüringen und bleibt alle gesund.
      Damian

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Top