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Zierikzee – historisches Kleinod auf Schouwen

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Zierikzee - Altstadt
Blick auf die Altstadt von Zierikzee – links Im Vordergrund das Rathaus, rechts im Hintergrund das Havenplein mit Bürgerhäusern und Markthalle

Historisches über Zierikzee

Zierikzee in der Provinz Zeeland ist eine der vielen niederländischen Kleinstädte mit pittoreskem Stadtbild, das von Wasserläufen geprägt ist. Nicht nur die historische Altstadt, sondern auch die Nähe zu Wasser, Dünen und Nordsee macht die Stadt für Besucher so attraktiv. Sie liegt heute auf der Insel Schouwen-Duiveland, die durch Versandungen und Eindeichungen aus zwei großen und weiteren kleineren Inseln entstand. Im Mittelalter lag Zierikzee auf Schouwen direkt an der Küste. Eine Meeresenge verlief östlich der Stadt und trennte Schouwen von Duiveland bis ins 17. Jahrhundert hinein. Heute verrichtet dort ein Kanal dieselbe Funktion.

Karte Schouwen-Duiveland
Karte von Schouwen-Duiveland aus der Mitte des 17. Jahrhunderts – in der Mitte: Zierikzee

Die erste gesicherte Erwähnung Zierikzees in einer Urkunde datiert ins Jahr 1156. Eine erste Kirche dürfte im späten 12. Jahrhundert existiert haben. Die nahegelegene einstige Burganlage war dagegen älteren Ursprungs. Die Auseinandersetzungen zwischen Flamen und Holländern um Zeeland bestimmten in der Folge die Geschichte der Stadt. Im frühen 13. Jahrhundert verlieh Graf Wilhelm II. von Holland Zierikzee die Stadtrechte. Noch im Laufe des Jahrhunderts siedelten sich mehrere Klöster in der Stadt an, fielen aber vielfach im Spätmittelalter Stadtbränden zum Opfer. Während des Spanisch-Niederländischen Krieges von 1568 bis 1648, der den nördlichen niederländischen Provinzen die Unabhängigkeit vom habsburgischen Spanien brachte, war Zierikzee wie viele andere Städte Schauplatz von Kriegshandlungen und Belagerungen. 1576 zogen die Spanier für kurze Zeit in die Stadt.

Zierikzee - Zuidhavenpoort
Zuidhavenpoort mit Zugbrücke und Hafeneinfahrt – rechts das Norrdhavenport

Stadtrundgang durch die Altstadt

Die Stadttore und das alte Hafenbecken

Wir starten unseren Stadtrundgang am wohl schönsten Winkel in Zierikzee im Südosten der Altstadt, wo das alte Hafenbecken, der Grachtengürtel um die Altstadt sowie der die Stadt mit der Nordsee verbindende Kanal zusammentreffen. Letzterer nimmt heute den neuen Hafen auf. An dieser prominenten Stelle stehen gleich zwei mittelalterliche Stadttore. Das Südhafentor (Zuidhavenpoort) ist ein markanter Torturm des 15. Jahrhunderts aus Backstein, an den sich Abschnitte der Stadtmauer anschließen. Das Nordhafentor (Noordhavenpoort) ist ein mehrteiliges Gebilde aus Außen- und Innentor aus dem Zeitraum des 14. bis 16. Jahrhunderts mit repräsentativer Renaissancefassade auf der Stadtseite.

Zierikzee - Hafenbecken und Noordhavenpoort
Altes Hafenbecken und Noordhavenpoort (Stadtseite)

Zwischen den beiden Stadttoren befindet sich der Zulauf zum alten Hafenbecken von Zierikzee. Die romantische Szenerie, die sich hier bei schönem Wetter im Wasser spiegelt, wird komplettiert durch zwei hölzerne Zugbrücken, wie sie in dieser Form unzählige Male in den Niederlanden anzutreffen sind. Rund um das Hafenbecken und den anschließenden Hafenpark gruppieren sich einige der prächtigsten Fassaden von Zierikzee. Sie stammen meist aus dem 18. Jahrhundert und werden von den hohen Bäumen des Parks in Schatten gehüllt.

Wir folgen dem Grachtengürtel in nordwestlicher Richtung und treffen dabei auf das dritte erhaltene Stadttor der zeeländischen Stadt, das Nobeltor (Nobelpoort) aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Majestätisch wird der Torturm an seiner Feldseite von zwei Rundtürmen eingefasst, was der Architektur eine malerische, mehrgliedrige Silhouette beschert, die den Besuchern bereits vor Ankunft in der Stadt die Bedeutung und den Reichtum des Ortes signalisierte.

Vom Havenplein in die Gassen der Altstadt

Im Zentrum der Altstadt finden sich zahlreiche, überwiegend frühneuzeitliche Patrizierhäuser, vorwiegend in der Achse vom alten Hafen zum großzügig gestalteten Havenplein. Das mit Abstand älteste stellt das Templerhaus (Huis De Haan) aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts dar. Ursprünglich diente es als Lager- und Wohnhaus eines Kaufmanns. Das Gravensteen, das zwischen 1524 und 1526 mit seinem charakteristischen Staffelgiebel errichtet wurde, fungierte lange als Verwaltungsgebäude des Grafen von Holland und Zeeland und als Gefängnis. Am Havenplein steht auch die spätgotische Gasthuiskerk, die Hospitalkirche der Stadt. Ihre Südfassade wird vollständig von der 1651 errichteten Markthalle mit Arkaden auf toskanischen Säulen eingenommen.

Zierikzee - Markthalle am Havenplein
Markthalle am Havenplein, dahinter die Gasthuiskerk

Wenn man sich in das Gassengewirr westlich des Havenplein begibt, entdeckt man zahlreiche malerische Straßenzüge und lauschige Platzanlagen (zur Orientierung: Appelmarkt, Mol, Schuithaven, Melkmarkt, Meelstraat, Poststraat). Städtebaulich sehr ungewohnt finden wir hier auch das in einen Straßenzug integrierte, historische Rathaus der Stadt in der Meelstraat. Es entstand mit seinen Renaissancefassaden Mitte des 16. Jahrhunderts und beherbergt heute ein stadtgeschichtliches Museum. Der Bürgerstolz der Stadt kommt aber vor allem durch den massiven achteckigen Turm mit mehrgeschossiger Bekrönung zum Ausdruck. Wir sehen hier filigrane Holzarchitektur höchster Perfektion, wie sie vielfach in der frühen Neuzeit in den Niederlanden entstanden ist.

Sint-Lievens-Monstertoren

Der Weg führt uns weiter an das westliche Ende der Altstadt, wo eines der Wahrzeichen Zierikzees steht: der Sint-Lievens-Monstertoren (Münsterturm). Es handelt sich dabei um den mittelalterlichen Turm der Stadtkirche, der ab 1454 freistehend westlich des Gotteshauses errichtet wurde. Der Mauerkern wurde aus Backstein angelegt; die maßwerbesetzten Außenschalen sind dagegen mit Sandstein verkleidet. Der mächtige Turmbau bildet ein wichtiges Werk der Brabanter Gotik. Als Baumeister ist Andries Keldermans aus Mechelen anzunehmen.

Zierikzee - Nieuwe Kerk
Nieuwe Kerk

Der zugehörige gotische Kirchenbau wurde nach einem Brand im Jahre 1832 abgerissen. Auf seiner Fläche wurde ein klassizistischer Neubau errichtet, der einen ausgeprägten Kontrast zum geradezu kolossal wirkenden Münsterturm bildet. Am besten überblickt man diese eigenwillige Konstellation von der Aussichtsplattform des Turmes aus. Von hier bot sich uns ein wirklich beeindruckender Ausblick über die Gassen und Plätze Zierikzees und die weite Landschaft Schouwen-Duivelands. Alle im Laufe des Tages besuchten historischen Bauwerke präsentierten sich uns hier oben aus einer neuen visuellen Perspektive. Ohne Zweifel: Zierikzee gilt zurecht als eine der schönsten Städte Zeelands und steht mit seiner Altstadt seit 1971 unter Denkmalschutz.

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