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Wanderung an der Burg und Festung Regenstein

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Burg Regenstein
Die mittelalterliche Burgruine Regenstein auf dem Regensteinmassiv

Von der Höhenburg zur Festung

Nördlich von Blankenburg erhebt sich im nördlichen Harzvorland das 293 Meter hohe Regensteinmassiv aus Sandstein. Schon aus der Ferne ist die aus der waldbestandenen Ebene ragende Erhebung mit ihren steil nach Norden abfallenden Felswänden erkennbar – eigentümlich durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Wer hier menschliche Siedlungsspuren vermutet, liegt richtig. Doch sind diese anders zu deuten, als wir es zunächst aus der Distanz angenommen haben. Es handelt sich im Kern um eine mittelalterliche Burgruine der Regensteiner Grafen, die im 17. Jahrhundert zu einer weitläufigen preußischen Festung mit Garnison ausgebaut wurde. Auch diese wurde geschleift, nachdem sie die Preußen 1758 von den Franzosen zurückerobern konnten. Übrig blieb eine in schroffe Felslandschaft eingebettete Höhenburg – umgeben von einer beeindruckenden Naturlandschaft, die bereits zum Beginn des 19. Jahrhunderts zu einer beliebten touristischen Destination mit Gastronomiebetrieb wurde.

Rundgang durch die Burgruine Regenstein

Wir nehmen den direkten Aufgang vom Parkplatz zur einzigen Toranlage des Festungsareals. Das Festungstor war ursprünglich durch eine Zugbrücke und ein Palisadentor gesichert. Ab hier führen uns zahlreiche Info-Punkte über das unübersichtliche Gelände. Eine Website mit reichlich 3D‑Rekonstruktionen gibt zudem Aufschluss über die Gestalt und Funktion zahlreicher in den Felsen geschlagener oder auf den Felsen errichteter Gebäude, die sich heute nur noch durch Grundmauern oder Felsenhöhlen lokalisieren lassen. Vor Ort kann man eine App einsetzen, die die Festungsbauten mithilfe von Augmented Reality zum Leben erweckt. In den Kasematten sind zudem kleine Ausstellungen eingerichtet.

Nach dem Passieren des Tores erstrecken sich rechter Hand die weitläufigen, sternförmig angelegten Festungsanlagen mit Bastionen für die Geschütze. Teile der Festungsmauern mit Schießscharten sind auf dem steilen, felsigen Gelände erhalten. Auch die Artilleriekaserne aus Fachwerk war hier angesiedelt. Ihre abseitige Lokalisierung ergibt sich aus der Eventualität von unbeabsichtigten Explosionen. Weiter nördlich ziehen die Grundmauern der 1737 errichteten Garnisonkirche unsere Aufmerksamkeit auf sich. Letztere ersetzte eine ältere Kirche auf dem Burgberg. Überall auf dem Gelände sind Reste von tief in den Felsen getriebenen Kasematten anzutreffen. Im Mittelpunkt der Festung standen das Kommandantenhaus, die benachbarte Offizierskaserne, ein Kriegspulvermagazin und ein Barackenhaus. Auch eine Turmwindmühle und ein Lustpavillon für die Offiziere waren Teil des Gesamtensembles. In Hanglage stand ein Brauhaus, daneben ein Brunnenhaus mit einem 195 Meter tiefen Brunnenschacht. Die Gebäude bezeugen die Auslegung der Höhenfestung für eine selbstversorgende Garnison mit Infrastruktur und Familienanschluss.

Nordwestlich anschließend erhebt sich der eigentliche Burgberg mit Resten der hochmittelalterlichen Burganlage Regenstein mit unzähligen in den Stein geschlagenen Raumeinheiten und Treppenabschnitten, die die enge Bebauung des Regensteiner Felsens bezeugen. Zu ihren Füßen stand die Unteroffizierskaserne der preußischen Festung. Daneben überwand eine hölzerne Brücke den mittelalterlichen Graben. Der Weg führte hier zu einem 1697 errichteten Garnison-Kirchenbau, der bereits wenige Jahrzehnte nach seiner Erbauung durch Blitzschlag zerstört wurde. Er lehnte sich unmittelbar an einen in den Untergeschossen erhaltenen runden Wehrturm der Höhenburg an.

Wanderung rund um den Regenstein

Nach diesem inspirierenden Geschichts- und Kulturprogramm des Harzes ist eine kleine Wanderung rund um das Regensteinmassiv explizit zu empfehlen. Wir wählten den Rundweg, der uns durch das dichte Waldgelände sowohl an der Regensteinmühle als auch an einigen Naturwundern wie den Kleinen und Großen Sandsteinhöhlen vorbeiführte. Insbesondere auf dem letzten Abschnitt wird man gewahr, wie steil der Felssporn mit der Burg Regenstein aus dem Harzvorland ragt. Dass dieses Gelände über Jahrhunderte für eine Burg- und später eine Festungsanlage als idealer Ort gewählt wurde, ist leicht nachvollziehbar.

Regenstein - Große Sandsteinhöhlen
Große Sandsteinhöhlen am Regenstein

Zunächst aber führt uns der Weg zur Regensteinmühle, die sich mit zwei Mühlrädern an einer Felswand befindet. Genauer gesagt handelt es sich dabei um eine Rekonstruktion einer bereits im 12. Jahrhundert nachweisbaren Anlage, die als Mahl- und Ölmühle unterhalb des Burgbergs existierte. Sie versorgte die Bewohner der Burg und des südwestlich vorgelagerten Vorwerks Nienrode, das später wüst gefallen ist. Bei dem Mühlenbauwerk handelt es sich um eine ingenieurtechnische Meisterleistung, denn das Wasser wurde vom Goldbach über einen knapp zwei Kilometer langen künstlichen Graben und zwei Wasserstollen zu den Mühlrädern transportiert. Von der regen wirtschaftlichen Nutzung der Mühle zeugen alte Hohlwege, teilweise mit Wagenspuren.

Unser weiterer Weg führt uns an zahlreichen Sandsteinfelsformationen vorbei, die geradezu spektakulär durch ihr Weiß mit dem Grün des umgebenden Kiefernwaldes konkurrieren. Die Erosion des weichen Gesteins führte zur Herausbildung von zahlreichen Höhlen und ausgedehnten feinkörnigen Sandflächen, wie man sie gewiss nicht im Binnenland am Nordrand des Harzes erwarten würde. Dabei bieten zunächst die Kleinen Sandsteinhöhlen einen Vorgeschmack auf das Naturwunder an den Großen Sandsteinhöhlen. An Letzteren findet sich eine große, mit glänzend weißem Sand gefüllte Senke, die von steilen, mit Höhlen perforierten Felswänden begrenzt wird. Die mit Graffiti übersäten Felswände erzählen dabei die über Jahrhunderte zurückreichende Geschichte ihrer Besucher. Nur wenige Jahre alte Fotos der Höhlen dokumentieren die enorme Erosionskraft der sich stetig verändernden Natur an diesem außergewöhnlichen Ort.

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