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Küstentour durch die Schären von Bohuslän

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Bohuslän - Fischerhütte in Bovallstrand
Für Bohuslän charakteristische Fischerhütte in Bovallstrand

Land der Fjorde, Schären und Fischerdörfer

Der deutsche Reisende nähert sich der schwedischen Landschaft Bohuslän in aller Regel von Süden. Die historische Region erstreckt sich entlang der Küste des Kattegat und des Skagerrak von Göteborg bis zur norwegischen Grenze im Norden. Der schmale Landstrich wird im Osten von den Regionen Västergötland und Dalsland begrenzt. Die Topografie wird durch eine typisch skandinavische Schärenlandschaft mit Fjorden bestimmt, die gesäumt sind von winzigen Fischerorten. Im Gegensatz zu den ostschwedischen Schären kennzeichnen sich diese im Westen vielfach durch karge Inseln und Granitklippen. Je weiter man ins Binnenland stößt, umso mehr wird die Vegetation durch dichte Nadelwälder bestimmt. Hinter der Küste steigen bewaldete Hügel an, Täler schneiden sich in die Landschaft, und an manchen Stellen erinnern Felsrücken und Moränen an die formende Kraft der Eiszeit.

Die Küste selbst wird durch beschauliche Buchten, malerische Fischerdörfer und in Teilen mondäne Badeorte mit ihrer in Schweden ohnehin vorherrschenden Holzbauweise geprägt. Hinter jeder Biegung treffen wir auf die typischen roten Holzhäuser. Die größte Stadt der Region ist das eher industriell geprägte Uddevalla an der Mündung des Flusses Bäveån in den Byfjord. Dieser wiederum leitet über in den Havstensfjord. Die Fjorde gehören zu einem weitverzweigten System von Wasserarmen, die im Süden von Bohuslän tief ins Land greifen und damit die durch den Stigfjord getrennten Inseln Orust und Tjörn ausbilden. Unsere Tour durch die Region soll uns von Süd nach Nord immer nah entlang der schwedischen Westküste führen, die sich wohltuend abwechslungsreich präsentiert.

Bohuslän - Schärenlandschaft bei Fjällbacka
Typische Schärenlandschaft bei Fjällbacka

Kungälv – das Tor zu Bohuslän

Die Küstenautobahn E6 führt uns von Göteborg kommend nach nur wenigen Kilometern nach Kungälv. Über dem Göta älv thront auf einem Felsen die mächtige Festung Bohus und kündigt weithin sichtbar das Tor nach Bohuslän an. Die Burganlage, die der Landschaft ihren Namen gab, sicherte zum Frieden von Roskilde im Jahre 1658 die Grenze zwischen Schweden und Norwegen – und zwar auf norwegischer Seite. Bis zu diesem Zeitpunkt gehörte der Bohuslän, zwischen Oslo und Göteborg gelegen, zum Königreich Norwegen. Der Bau der Festung wurde durch den norwegischen König Håkon V. im Jahre 1308 begonnen. Im 18. Jahrhundert ihrer Bedeutung beraubt, verfiel sie zur Ruine.

Kungälv - Festung Bohus
Die Festung Bohus in Kungälv

Ein geschichtlich überlieferter Vorgänger der Stadt Kungälv war Konghelle. Dieser Ort wurde 1612 von den Schweden zerstört, worauf die Bewohner einige Kilometer entfernt Kungälv gründeten. Die Stadt liegt am Nordufer des sich hier in zwei Mündungsarme teilenden Göta älv. Festung und Altstadt sind über eine Brücke verbunden. Die ansehnliche Holzbebauung vom 17. bis zum 19. Jahrhundert gruppiert sich um den Marktplatz und die beschauliche Västra Gatan, die parallel zum Flusslauf verläuft.

Der historische Badeort Marstrand

Von hier führt unser Weg nach Westen, unmittelbar an die Schärenküste. Das Städtchen Marstrand teilt sich mit seiner Holzbebauung auf zwei Felseninseln – Marstrandsön und Koön. Die eigentliche Altstadt mit der Pfarrkirche liegt auf Marstrandsön und wird ähnlich wie in Kungälv von der Festung Carlsten überragt. Sie wurden Ende des 17. Jahrhunderts nach der schwedischen Eroberung von Bohuslän angelegt. Marstarand selbst geht aber bis ins 13. Jahrhundert zurück. Zuvor existierte auf der Insel bereits ein Kloster. Die Überfahrt von Koön auf Marstrandsön erfolgt mit einer sehr kurzweiligen Fährfahrt, da der Sund zwischen beiden Inseln wahrlich schmal ist.

Marstrand ist geprägt von einer historischen Stadtstruktur und den zahlreichen Hotels und Villen der Badegäste aus dem 19. Jahrhundert, als der Ort zu einem der beliebtesten Bade- und Ferienorte Schwedens mutierte. Die mondän wirkende Bäderarchitektur ist vor allem am langgestreckten Hafen und den von dort abgehenden Straßen und den angrenzenden Plätzen anzutreffen. Das beachtlichste Einzelbauwerk dieser Epoche dürfte das Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Gesellschaftshaus (Societetshuset) am nördlichen Ende der Altstadt sein. Die Hafenstraße wird im Süden und im Norden von zwei Forts begrenzt, die die Hafeneinfahrt geschützt haben.

Marstrand - Marktplatz mit Rathaus
Marktplatz mit Rathaus im Marstrand

Das ältere Marstrand gibt sich insbesondere im Hinterland rund um die aus dem 14. Jahrhundert stammende Pfarrkirche und den Markt zu erkennen. Sehenswerte Straßenzüge finden sich speziell in der Långgatan oder der Rådhusgatan. Vom beschaulichen Marktplatz mit seiner zentralen Graupappel führt die Kungsgatan hinauf zur Festung, die einen fantastischen Ausblick über Marstrand und die Schärenlandschaft gestattet.

Die Inseln Tjörn und Orust

Weiter nördlich bilden die tief ins Land schneidenden Fjorde Inseln aus, die mit Brücken mit dem Festland verbunden sind. Tjörn und Orust sind die größten unter ihnen – getrennt durch den wie ein Binnenmeer wirkenden Stigfjord. Orust ist dabei die größte Insel an der schwedischen Westküste. Beide Eilande zeichnen sich durch eine schroffe Felsenküste mit winzigen Fischer- und Freizeithäfen sowie ein landwirtschaftlich geprägtes Hinterland aus. Wer im Sommer den für schwedische Verhältnisse erheblichen Touristenmassen ausweichen möchte und Ruhe an der Schärenküste sucht, ist hier am besten aufgehoben. Einige vorgelagerte kleinere Inseln wie Härön, Dyrön, Åstol oder Tjörnekalv sind in der Saison per Bootstour besuchbar.

Bohuslän - Schären bei Orust
Schärenlandschaft nördlich von Orust

Auf Tjörn liegt mit dem Hauptort Skärhamn auch der einzige Ort dieses Küstenabschnitts, der einen größeren Hafen und eine umfangreiche Infrastruktur für Freizeitskipper bietet. Der 1724 erstmals erwähnte Ort entwickelte sich durch die Schiffs- und Fischindustrie zu einer zentralen Küstensiedlung. Südlich der Kirche und am Fischereihafen finden sich noch einige verwinkelte Gassen. Tjörn ist wie auch Orust reich an prähistorischen Denkmälern. Dazu gehört auch das Gräberfeld von Pilane unweit Kyrkesund im Nordwesten der Insel. Es stammt aus der Eisenzeit und ist zu den bedeutendsten seiner Art in Schweden zu zählen. Das Areal besteht aus etwa 90 Denkmälern, darunter Bautasteine, Domarringe mit Mittelstein, Grabhügel und weitere Steinsetzungen.

Skärhamn
Der Hafen von Skärhamn auf Tjörn

Orust besticht durch eine Mischung aus winzigen Fischerdörfern, einsamen Buchten und vorgelagerten Felseninseln wie Käringön oder Gullholmen. Bei letzterem handelt es sich um ein dicht bebautes Eiland mit engen Gassen und farbenfrohen Bootshäusern, das wiederum vor der größeren Insel Härmanö mit wildromantischer Felsenlandschaft und typisch karger Flora liegt. Beide schmiegen sich so eng aneinander, dass sie mit einer Fußgängerbrücke verbunden sind. Doch auch auf Orust selbst finden sich malerische Fischerorte mit farbenfrohen Holzhäusern wie Mollösund oder Hälleviksstrand. Letzteres ist ein heißer Anwärter auf das heimlichste Dorf auf Orust. Archäologisch Interessierte können an den Megalithgräbern von Hagadösen und Leby auf ihre Kosten kommen.

Rund um Lysekil und den Gullmarn

Wir verlassen Orust über eine Brücke gen Norden. Unzählige kleinere Fjordarme bilden hier ein regelrechtes Archipel aus größeren und kleineren Inseln. Die westliche Speerspitze bildet die Insel Skäftö, auf der hübsche Fischerdörfer wie Grundsund und Fiskebäckskil mit ihren ansehnlichen Holzkirchen aus dem späten 18. Jahrhundert liegen. Der Reiz von Grundsund besteht in der Enge der dortigen Wasserstraße, die dazu führte, dass der Ort sich bis auf das unmittelbar vorgelagerte Eiland erstreckt.

Bohuslän - Grundsund
Fischerdorf Grundsund auf Skäftö

Der Gullmarn, ein ausgeprägt breiter und tiefer Fjord, trennt uns von der ersten städtischen Siedlung an der Küste von Bohuslän, die diesen Namen auch verdient. Lysekil an der äußersten Landspitze einer Halbinsel wurde bereits im 16. Jahrhundert als Fischerdorf erwähnt und entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem Marktort mit Kuranstalt und Industrie. An die Zeit als Kur- und Badeort erinnern noch einige Villen und ein Badehaus am Südhafen, die maßgeblich durch den Arzt Carl Curman geplant wurden. Die ältesten Teile der Stadt (Gamlestan) mit einer schmucken Holzbebauung in engen Gassen liegen etwas abseits am Nordhafen.

Die Küste zwischen Smögen und Fjällbacka

Den Küstenabschnitt zwischen Smögen und Fjällbacka werden viele nicht zuletzt wegen seiner pittoresken Küstenorte als den reizvollsten in Bohuslän bezeichnen. Smögen auf der Halbinsel Sotenäs ist wohl der bekannteste dieser Orte. Seine Prominenz verdankt es wohl der exponierten Lage auf glattpolierten Inseln und der kilometerlangen hölzernen Hafenbrücke mit ihren bunten Bootshäusern, die auf kaum einer touristischen Werbung für Bohulän fehlen darf. Die Kehrseite der Medaille sind die Massen an Besuchern, die sich in den Sommermonaten hier entlangschieben. Wer darauf verzichten kann, dem sind Nebensaison oder die Abendstunden empfohlen, zumal sich bei entsprechendem Wetter einzigartige Lichtspiele durch die untergehende Sonne über der Schärenlandschaft am Skagerrak entfalten.

Smögen - Hafenbrücke
Hafenbrücke in Smögen

Ähnliche Stimmungen – freilich mit geringeren Menschenansammlungen – kann man weiter nördlich in den hübschen Fischerdörfern Hunnebostrand, Bovallstrand und Hamburgsund mitnehmen. Malerisch präsentiert sich die Landschaft um den Bottnefjord (auch Bottnafjord), dessen Umgebung zugleich ein kulturelles Zentrum in Bohuslän ausbildet. In Gerlesborg ist seit 1944 eine renommierte schwedische Kunstschule angesiedelt. Die romanische Kirche von Svenneby ist nicht nur eine der ältesten Kirchen in Bohuslän, sondern steht reizvoll vor einer Klippe, wobei der freistehende Glockenturm auf eben jenem Felsplateau errichtet wurde. Und wenige Kilometer landeinwärts trifft man auf das Gräberfeld Vrångstad mit zahlreichen Grabhügeln und einem Dolmen.

Bohuslän - Kirche von Svenneby
Romanische Kirche von Svenneby nahe des Bottnefjords

Das hinter einem Meer von Schäreninseln gelegene und 1617 erstmals erwähnte Fjällbacka darf zu Recht als Inbegriff eines typischen Küstenortes an der schwedischen Westküste gelten. Gleichwohl hat der Tourismus den Fischfang im Ortsbild lange abgelöst. Den Ruhm des Ortes bilden nicht nur das reizvolle Ortsbild, sondern vor allem die Topografie unterhalb des 74 Meter hohen Vettebergs, dem Hausberg von Fjällbacka. Die engen Gassen und bunten Holzhäuser und Fischerhütten kleben geradezu an der Felswand und lassen sie wie Miniaturen wirken. Die Felsformation wird von einer von zwei Seiten begehbaren Felsspalte (Kungsklyftan) geteilt. Sie ist aber derart mit Geröll gefüllt, dass spezialisiertes Schuhwerk benötigt wird, um sie in Gänze zu durchschreiten. Einfacher zu bewerkstelligen ist der Treppenaufstieg auf das Plateau. Der spektakuläre Ausblick über die vorgelagerte Schärenlandschaft und Fjällbacka entschädigt allemal für die Mühen.

An der norwegischen Grenze: Strömstad

Vorbei an Grebbestad, einem weiteren populären Seebad, dessen Wurzeln im Fischfang zu suchen sind und das heute ein quirliger und attraktiver Tourismusort ist, besuchen wir zum Abschluss unserer Rundreise durch Bohuslän Strömstad. Die Hafenstadt ist neben Lysekil der einzige Küstenort mit städtischer Infrastruktur in Bohuslän. Aufgrund der Nähe zur norwegischen Grenze wird er entsprechend gerne von Norwegern für den Einkaufsbummel aufgesucht. Die planmäßig angelegte Stadt erhielt 1676 Stadtrechte durch den schwedischen König und war als wirtschaftliches Gegengewicht zu den norwegischen Halden und Fredrikstad geplant. Die historische Bedeutung als Kurort präsentiert sich am augenfälligsten an der Uferpromenade, an der ein Badehaus und ein Gesellschaftshaus mit ihrer aufwendigen Architektur den Blick auf sich ziehen. Ein letzter Abschnitt Altstadt mit Holzbebauung findet sich nördlich des ansehnlichen, 1903 entstandenen Bahnhofsgebäudes.

Strömstad - Uferpromenade
Uferpromenade von Strömstad mit Gesellschaftshaus und Badehaus

Auch die Inselwelt vor Strömstad ist für Ausflüge attraktiv. Kiefernbewaldet und mit winzigen Küstenorten zeigen sich die Inseln Tjärnö und Saltö. Per Schiff sind die exponiert liegenden Koster-Inseln zu erreichen. Die dünn besiedelten Eilande bestehen aus dem leiblichen Sydkoster und dem rauheren Nordkoster, die durch einen schmalen Sund getrennt sind. Wälder, einsame Strände, Schärenfelsen und viel Müßiggang, der sich wohltuend von den quirligen Küstenorten des Festlandes abhebt, machen Koster zu einem Geheimtipp für Ruhesuchende. Zurück auf dem Festland kommen mit der romanischen Dorfkirche von Skee oder mit der Schiffssetzung von Blomsholm auch historisch Interessierte auf ihre Kosten.

Bohuslän - Schiffssetzung Blomsholm
Schiffssetzung von Blomsholm

Exkurs in die Archäologie: Felsritzungen von Tanum

Um die kulturelle Vielfalt von Bohuslän nicht zu kurz kommen zu lassen, machen wir zuletzt einen Exkurs ins Hinterland. Überall in Südschweden finden sich Felsritzungen aus der Bronzezeit, die von den kultischen Ritualen und der Lebenswelt in der Bronzezeit Zeugnis ablegen. Hier auf dem Gebiet der Gemeinde Tanaum sind sie auf engstem Raum in besonders ausgeprägtem Reichtum vertreten, was ihr den Titel des UNESCO-Weltkulturerbes einbrachte. Insgesamt sechs Stätten sind auf engstem Raum anzutreffen: Vitlycke, Aspeberget/Tegneby, Fossum, Litsleby, Gerum und Kalleby. Viele der nur wenige Millimeter in den Granit eingetieften Bilder zeigen Schiffe, Reiterdarstellungen, Personengruppen und Tiere. Die Deutung ist bis heute wissenschaftlich noch nicht abgeschlossen. Aufgrund der skandinavischen Landhebung darf angenommen werden, dass die Darstellungen zum Zeitpunkt ihrer Entstehung in unmittelbarer Küstennähe lagen.

Bohuslän - Felsritzungen Vitlycke
Felsritzungen von Vitlycke

Um einen thematischen Rahmen zu schaffen, wurde den Felszeichnungen das Vitlycke-Museum zur Seite gestellt. Neben einer kleinen Ausstellung zum Leben des bronzezeitlichen Menschen in Westschweden existiert auch ein Bronzezeithof mit rekonstruierten Häusern, der den Besuchern den Alltag der Menschen, die Konstruktionsweise der Wohnhäuser, Nutzpflanzen, Hoftiere und Handwerk vermittelt. Ein umfangreiches Programm mit unterschiedlichen Führungen inkl. Nachtwanderung lässt die Vorzeit lebendig werden. Ende August findet alljährlich ein Bronzezeit-Festival im Museum statt.

Ausklang der Rundreise

Unsere Reise durch Bohuslän brachte uns eine der abwechslungsreichsten Landschaften Schwedens nahe. Ganz im Gegensatz zu den üblichen schwedischen Klischees standen hier nicht undurchdringliche Wälder mit einsamen blauen Seen im Vordergrund, sondern eine quirlige Küstenlandschaft, bei der sich glattpolierte Schäreninseln und Fischerdörfer in romantischen Buchten abwechseln. Erstmals hatten wir in Schweden den Eindruck, durch eine vielbesuchte touristische Destination mit entsprechend umfangreicher Infrastruktur zu reisen. Trotz einiger weniger Hotspots wie Marstrand oder Smögen hatten wir aber nie das Empfinden, erdrückt zu werden. In großer Zahl existieren auch die Oasen der Muße und des Rückzugs. Das gilt insbesondere für die vielen Inseln, die per Schiff oder Brückenverbindung erreichbar sind. Einsame Sonnenuntergänge über dem Wasser sind hier garantiert. All das macht Bohuslän für uns zu einem der reizvollsten Reiseziele Schwedens.

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