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Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden

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Schmalkalden - Schloss Wilhelmsburg

Schmalkalden – europäische Geschichte des 16. Jahrhunderts

Die Kleinstadt Schmalkalden liegt am südwestlichen Hang des Thüringer Waldes und ist historisch Interessierten vor allem durch den Schmalkaldischen Bund bekannt. Über der pittoresken Altstadt mit reichem Fachwerkbestand thront das Schloss Wilhelmsburg.

Hinter der Vierflügelanlage verbirgt sich einer der bedeutendsten Spätrenaissancebauten in Deutschland. Landgraf Wilhelm IV. von Hessen ließ sie Ende des 16. Jahrhunderts anstelle einer mittelalterlichen Burg erbauen. Das weiß geputzte Äußere mit roter Eckquaderung lässt dabei nur bedingt erahnen, welchen kostbaren Schatz das Innere birgt. Den Besucher erwarten manieristische Wandmalereien sowie Stuck- und Bildhauerarbeiten, die eine außergewöhnliche Fülle und künstlerische Qualität aufweisen. Gekrönt wird das Ensemble von der Schlosskirche, einer der vollkommensten Raumschöpfungen einer protestantischen Kirche.

Es empfiehlt sich, für den Besuch von Schloss und Museum ausreichend Zeit einzuplanen, denn das Untergeschoss birgt seit 2017 eine äußerst sehenswerte Dauerausstellung zur Geschichte des Schmalkaldischen Bundes. Dazu aber später mehr.

Die Säle des Obergeschosses

Die Räumlichkeiten des Obergeschosses dienen in Teilen Ausstellungszwecken. Eine ausgewogene Mischung aus Exponaten und informativen Tafeln führen in Themenfelder wie höfische Kultur, Schlossbau und Gartenkunst des 16. Jahrhunderts ein. Auch wird die Baugeschichte von Schloss Wilhelmsburg ausführlich dargestellt.

Das Schloss ist ein Gesamtkunstwerk. Dennoch stechen einige Räume durch Dekoration und architektonische Ausgestaltung wie der Riesensaal, der Weiße Saal oder das Tafelgemach heraus. Geprägt werden die Räume durch die Renaissanceornamentik des späten 16. Jahrhunderts, die sich von der niederländische Kunst eines Cornelis Floris oder Hans Vredeman de Vries ableiten lassen. Überall trifft der Besucher auf Roll- und Beschlagwerk – sei es gemalt, aus Stuck oder aus Stein. Insbesondere die Malereien an Portalen und Fensternischen hinterlassen mit ihrer illusionistischen Architektur einen bleibenden Eindruck.

Die Schlosskirche

Ähnliche Qualitäten zeigt die 1590 geweihte Schlosskirche mit ihrer Dekoration. Beschlagwerk und Rollwerk sind auch hier die prägenden Bausteine. Hinzu tritt die großartige Raumwirkung, die dieses Musterbeispiel reformatorischen Kirchenbaus erzeugt. Kennzeichnend dafür sind die umlaufenden doppelgeschossigen Emporen und die in einer vertikalen Achse an der Schmalseite angeordneten Elemente von Altar mit Taufbecken, Kanzel und Orgel.

Schmalkalden - Schloss Wilhelmsburg - Schlosskirche
Schlosskirche Schmalkalden – Foto: Stiftung Thüringischer Schlösser und Gärten, Constantin Beyer

Der Typ des rechteckigen Emporensaals nahm übrigens ihren Anfang in der 1544 geweihten Schlosskirche in Torgau, wobei die Kanzel dort noch an der Längsseite anzutreffen ist. Torgau und Schmalkalden sind gemeinsam mit der Schlosskirche des Schlosses in Augustusburg als wichtigste Vertreter und Vorbilder des frühen reformatorischen Kirchenbaus in Mitteldeutschland zu benennen.

Ausstellung zum Schmalkaldischen Bund

Der Schmalkaldische Bund markiert den Beginn der Kirchenspaltung in Europa. Unter seinen Mitgliedern waren Städte wie Fürstentümer, alle für die Belange der Reformation kämpfend. Sie waren – so lehrt es uns die Geschichte – letztlich erfolgreich, auch wenn dem Bund nach seiner Gründung im Jahre 1531 in Schmalkalden bis zu seiner Auflösung 1547 nach der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg gegen Kaiser Karl V. nur wenige Jahre Existenz beschieden war. Auf diese Weise wurde die kleine Stadt zu einem Ort, an dem europäische Geschichte geschrieben wurde.

Die Ausstellung im Untergeschoss des Schlosses setzt diese wechselvollen Jahre vorzüglich in Szene. Nicht nur, dass zahlreiche Exponate als Leihgaben ein bemerkenswert lebendiges Bild jener Epoche nachzeichnen, man versteht es auch, die städtische Geschichte in diesen Kontext einzubinden. Die Räumlichkeiten und kreativen Kulissen tragen zu einer durchaus authentischen Atmosphäre bei.

Vorbildlich ist auch die mediale Aufarbeitung des Themas. Eigens für die jüngsten Besucher sind Medienstationen vorhanden, die durch kleine Videoclips die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich zu ziehen wissen. Nimmt man die Reaktionen der bei unserem Besuch anwesenden Kinder als Maßstab, scheint dies auch gut zu gelingen. Das übrige Publikum wird auf großformatigen Bildschirmen von Herzogin Elisabeth von Rochlitz – das einzige weibliche Mitglied des Bundes – durch die schicksalhaften Wendungen in der Geschichte des Bündnisses begleitet. Storytelling vom Feinsten!

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