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Hansestadt Stendal – Herz der Altmark

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Stendal - Uenglinger Tor - Obergeschosse
Obergeschosse des Uenglinger Torturmes

Askanische Stadtgründung

In der dünn besiedelten Landschaft im nördlichen Sachsen-Anhalt ist die Mittelstadt Stendal die größte Ortschaft weit über die Grenzen der Altmark hinaus. Und diese Prominenz gilt auch für große Phasen ihrer Geschichte. Von 1359 bis 1517 war Stendal Mitglied der Hanse und zu ihrer Blütezeit im 15. Jahrhundert die größte und reichste Stadt der Mark Brandenburg. Ihr Aufstieg war bedingt durch die Lage an der Fernhandelsstraße von Magdeburg nach Hamburg und Lübeck.

Die Gründungsgeschichte Stendals geht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück, als um 1160 der askanische Markgraf Albrecht der Bär der Siedlung zwischen zwei Armen des Flüsschens Uchte das Marktprivileg verlieh. Wir sind in der glücklichen Lage, dass durch archäologische Grabungen sowie dendrochronologische Befunde diese frühe Phase der Stadtwerdung lokalisierbar ist. Diese lässt sich auf die Bereiche um Markt und Marienkirche sowie am Uppstall südlich der Jakobikirche eingrenzen. Zudem zeichnet sich ein älteres Angerdorf nahe der Jakobikirche im Norden der heutigen Altstadt als weitere Keimzelle Stendals ab. Ein dortiger Straßenzug trägt noch heute den Namen „Altes Dorf“.

Im 12. und 13. Jahrhundert ging es dann steil aufwärts mit der Entwicklung Stendals:

  • 1188 Gründung des Kollegiatstifts St. Nikolai
  • im gleichen Jahr erste Erwähnung eines Kaufhauses, das jüngst auf dem Marktplatz archäologisch nachgewiesen wurde
  • der Rat der Stadt wird 1215 erstmals bezeugt
  • seit Ende des 12. Jahrhunderts Magdeburger Recht, Zollfreiheit und Münzrecht
Stadtplan Stendal - Kunckel
Stadtansicht und Stadtplan Stendal um 1757 von Johann Jacob Kunckel und Johann Friedrich Kunckel

Ein überlieferter Stadtplan aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zeigt die von Stadtmauer und Graben umschlossene Bebauung Stendals. In der Mitte der gewesteten Karte befinden sich Markt, Rathaus und Marienkirche. Im Norden zeichnet sich der breite Straßenzug des „Alten Dorfes“ ab. Angrenzend erkennt man den Jakobikirchhof. Der Dom befindet sich abseits im Südwesten.

Stadtbefestigung und Kirchenlandschaft

Um 1200 wurden die verschiedenen Siedlungskerne durch eine gemeinsame Stadtbefestigung zusammengefasst. Der erweiterte Stadtmauerring vom Ende des 13. Jahrhunderts ist anhand des Stadtgrundrisses gut ablesbar. Mit dem Uenglinger Tor und dem Tangermünder Tor haben sich zwei der vier Stadttore erhalten.

Die Bedeutung der mittelalterlichen Stadt spiegelt sich aber vor allem an der Vielzahl von Kirchen wider, die noch heute die Stadtsilhouette prägen. Die bedeutendsten unter ihnen sind die Marktkirche St. Marien und die Stiftskirche St. Nikolaus. Letztere wird im Volksmund als Dom bezeichnet, obwohl die Gründung eines Bistums in Stendal nie realisiert werden konnten. Hinzu kommen die Pfarrkirche St. Jakobi und St. Petri sowie die Klosteranlagen der Franziskaner (Kirche im 18. Jahrhundert abgerissen), der Franziskanerinnen und das Katharinenkloster der Benediktinerinnen.

Stendal - Merian, um 1640
Stendal – Ansicht von Merian um 1640

Rundgang

Marktplatz

Unser Rundgang durch die Stadt beginnt im Zentrum der Altstadt, dem Marktplatz. Die Platzanlage wird geprägt von dem an der Ostseite stehenden Rathaus und der sich dahinter erhebenden Doppelturmfassade der Marienkirche. Das Ensemble ist unzweifelhaft das reizvollste in der Stendaler Altstadt.

Der Gebäudekomplex des Rathauses besteht im Süden aus zwei spätgotischen Flügeln aus dem 14. und 15. Jahrhundert mit Gerichtslaube und reichen Staffelgiebeln. Der im Norden anschließende Ratsflügel wird zur Marktseite von Anbauten verstellt, die ihre mittelalterliche Bausubstanz hinter einer vorgeblendeten prächtigen Renaissance-Schaufassade aus dem späten 16. Jahrhundert verbergen. Vor dem Laubenflügel steht die Kopie (Original von 1525 befindet sich im Altmärkischen Museum) einer Rolandsfigur als Ausdruck der Selbständigkeit der Stendaler Bürgerschaft.

Stendal - Marktplatz mit Rathaus und Marienkirche
Marktplatz mit Rathaus und der Westfassade der Marienkirche

Marienkirche

Die Marienkirche ist die Hauptpfarrkirche Stendals. Der heutige Bau ist eine aus Backstein errichtete Hallenkirche mit Umgangschor aus dem 15. Jahrhundert. Der markante Westbau ist auffällig aus der Achse des Langhauses gerückt und dürfte einem Vorgängerbau zuzuschreiben sein. Das Innere wird durch die mächtigen Rundpfeiler mit schmalen Dienstbündeln geprägt, wie sie an Hallenkirchen der spätgotischen Backsteinarchitektur im norddeutschen Binnenland häufig anzutreffen sind – so zum Beispiel in Lüneburg an den Kirchen St. Michaelis sowie St. Johannis. Der Hallenumgangschor ist auf das Vorbild des Verdener Domes zurückzuführen.

Herausragende Bedeutung erlangt die Stendaler Marienkirche aber vor allem durch ihre vorzügliche Ausstattung. An vorderster Stelle sind das Hochaltarretabel von 1471, die Bronzetaufe von 1474 sowie die ählich zu datierende Chorschranke zu nennen. Letztere nimmt auch Figuren älteren Datums auf und trägt das Triumphkreuz aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Die einzelnen Komponenten bilden zusammen eine filigrane Scahukulisse von höchster künstlerischer Qualität, wie sie fast wörtlich in der Stendaler Jakobikirche wiederholt wird.

Dom St. Nikolaus

Ganz im Süden der Altstadt und somit abseits des mittelalterlichen Marktreibens liegt die heute als Dom titulierte Stiftskirche St. Nikolaus. Auch hier herrscht der Backstein vor. Die Doppelturmanlage ist dabei dem 1188 begonnen spätromanischen Erstbau zuzurechnen. Das Langhaus als Hallenkirche und die Ostteile entstanden als Neubauten des 15. Jahrhunderts.

Der Grundriss mit weit ausladendem Querhaus und dem einschiffigen langgestreckten Chor unterscheidet sich deutlich von der Marienkirche. In dieser Divergenz zeigen sich auch die unterschiedlichen Funktionen und Ansprüche der beiden Kirchen. Dort der Hallenumgangschor, der bei städtischen Pfarrkirchen des 15. Jahrhunderts in der Mark Brandenburg Einzug hält, hier an der Stiftskirche eine traditionellere Chorlösung mit Querhaus, die sich von monastischen bzw. landesherrlichen Bauten ableitet. Dem Stendaler Dom gingen entsprechende Anlagen an der Zisterzienserklosterkirche in Chorin oder der Wallfahrtskirche in Wilsnack voran.

Stendal - Dom
Dom – Blick von Norden

Von herausragender Bedeutung sind die Glasmalereien der Ostteile, die aus der Zeit von 1413 bis um 1470 stammen. In nahezu vollkommener Vollständigkeit – die Fensterscheiben wurden im 2. Weltkrieg ausgelagert – vermitteln sie einen Eindruck der Lichtführung eines spätmittelalterlichen Kirchenraumes.

Stadttore

Von den ursprünglichen Stadttoren haben sich mit dem Uenglinger und dem Tangermünder Torturm zwei Exemplare von besonderer visueller Wirkung erhalten. Das Uenglinger Tor führte ursprünglich im äußersten Nordwesten der Altstadt über einen sich platzartig erweiternden Straßenzug bis zum Jakobikirchhof. Das Tangermünder Tor liegt im Süden der Altstadt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Katharinenkloster.

Beide Stadttore besitzen zinnenbesetzte Plattformen, auskragende Ecktürmchen und einen markanten runden Turmaufsatz. Insbesondere das Uenglinger Tor präsentiert sich auch in den unteren Geschossen mit reicher Backsteingliederung aus Blenden und Friesen. Es darf zurecht als eines der Wahrzeichen der Stadt Stendal gelten, deren Erkundung wir an diesem Höhepunkt ausklingen lassen wollen.

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