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Friedrichstadt – Holländerstadt an Eider und Treene

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Friedrichstadt - Marktplatz
Marktplatz von Friedrichstadt mit Giebelhäusern, Mittelburggraben und steinerner Brücke

Herzogliche Stadtgründung

Das kleine, pittoreske Städtchen Friedrichstadt an der Mündung der Treene in die Eider stellt eine besondere Randnote in der Geschichte Schleswig-Holsteins dar. Es entstand als planmäßige Siedlung erst 1621. Herzog Friedrich III. von Schleswig-Gottorf wollte an dieser Stelle einen Nordseehafen etablieren und warb dafür niederländische Siedler an. Friedrichstadt trat damit in Konkurrenz zum nahegelegenen Tönning, wo die Pläne gerade bei den Kaufleuten auf viel Widerstand stießen. Das Vorhaben Friedrichs ähnelt der Stadtgründung von Glückstadt an der Elbe durch den dänischen König Christian IV. wenige Jahre zuvor.

Mit den Siedlern kam der niederländisch geprägte Glaube in die Stadt, denn es waren hauptsächlich Glaubensflüchtlinge, die dem Ruf des Herzogs nach Südschleswig folgten. Die erst im 17. Jahrhundert als Abspaltung von der reformierten Kirche entstandene Religionsgemeinschaft der Remonstranten baute in Friedrichstadt eine Kirche – die erste und einzige ihrer Art außerhalb der Niederlande. Doch auch weitere Glaubensgemeinschaften wie die Mennoniten, Juden, Katholiken und die Anhänger des evangelisch-lutherischen Glaubens erhielten Siedlungsrechte und hinterließen ihre Spuren im Stadtbild. Friedrichstadt ist durch sein rechtwinkliges Straßennetz als typische frühneuzeitliche Planstadt noch heute erkennbar.

Friedrichstadt um 1750 - Kupferstich G. J. E. Coch
Friedrichstadt um 1750 (Kupferstich G. J. E. Coch)

Im Schleswig-Holsteinischen Krieg um das Herzogtum Schleswig wurde im Herbst 1850 die mit dänischen Truppen belegte Stadt von schleswig-holsteinischen Truppen bombardiert. Dabei wurden nicht nur das Rathaus und die Remonstrantenkirche, sondern gleich 285 Häuser zerstört. Auch das Stadtarchiv brannte aus. Entsprechend findet sich neben der Bebauung des 17. Jahrhunderts viel Bausubstanz aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Neben den Giebelhäusern rund um den Marktplatz dominieren in den Seitenstraßen bescheidenere Traufenhäuser.

Stadtrundgang Friedrichstadt

Giebel und Grachten am Marktplatz

Friedrichstadt ist heute kaum über seine frühneuzeitlichen Grenzen gewachsen und weist ein außerordentlich geschlossenes Stadtbild auf, das durch die Lage an den beiden Flüssen Eider und Treene geprägt ist. Die rechtwinklig aufeinandertreffenden Straßen werden durch Grachten und Siele bereichert. Das Wasser ist ein Rohstoff, den die niederländischen Sieder als führende Wasserbauer mustergültig für ihre Zwecke zu nutzen wussten. Doch auch die Renaissance-Architektur der zahlreichen giebelständigen Bürgerhäuser des 17. Jahrhunderts erinnert an die niederländischen Wurzeln der Einwohner.

Den Rundgang durch die Stadt starten wir am weiträumigen Marktplatz, der sich auffällig in eine parkartige und eine architektonisch geprägte Hälfte scheidet. Nördlich fließt der Mittelburggraben als zentraler Wasserlauf unmittelbar an der Platzanlage vorbei. In der Mitte des Marktes steht ein 1879 errichtetes Pumpenhäuschen, das Wahrzeichen der Stadt. Die Westseite des Platzes ist von neun repräsentativen Giebelhäusern mit Stataffelgiebeln besetzt, die geschlossen ins zweite Viertel des 17. Jahrhunderts datieren. Zusammen mit der den Graben überspannenden Steinbrücke ist die Platzanlage ein sehr beliebtes Fotomotiv. Am repräsentativsten Ort der historischen Stadt spielt sich hier damals wie heute das geschäftige Markttreiben ab.

Friedrichstadt - Marktplatz mit Pumpenhäuschen
Marktplatz mit Pumpenhäuschen

Bürgerhäuser

Weitere prächtige Bürgerhäuser mit vielfältigen und bunt gefassten Hausmarken – einer Eigenheit Friedrichstadts – finden sich insbesondere in der Prinzenstraße, die vom Marktplatz Richtung Süden abzweigt. Ein architektonischer Höhepunkt ist das Pauludanushaus von 1637 mit mehrfach gestuftem Renaissance-Giebel und prächtiger Rokoko-Tür. In unmittelbarer Nachbarschaft steht ein Doppelgiebelhaus, das mit der an der Fassade abzulesenden Jahreszahl der Entstehung von 1624 unmittelbar nach Stadtgründung entstanden ist.

Friedrichstadt - Prinzenstraße mit Doppelgiebelhaus
Prinzenstraße mit Doppelgiebelhaus von 1624, einem der ältesten Häuser der Stadt

In der ebenfalls von Bürgerhäusern geprägten Straße Am Mittelburgwall, direkt am Mittelburggraben, steht mit der Alten Münze von 1626 eines der sehenswertesten Renaissance-Häuser Friedrichstadts. Die Fassade hebt sich durch reiche Gliederung durch ihren Zierversatz und die Sandsteinelemente hervor. Das Gebäude diente als Speicher des Kaufmanns und zeitweiligen Statthalters des Herzogs Friedrichs, Adolph van Wael. Der Name geht auf das geplante Münzprivileg für Friedrichstadt zurück, das aber nie realisiert wurde. Heute beherbergt das Haus das städtische Museum mit einer Ausstellung zur Stadtgeschichte.

Glaubensgemeinschaften und ihre Gotteshäuser

Als weitere Fixpunkte des Stadtrundgangs empfehlen wir die vier Gotteshäuser der Stadt, unter denen sich auch die bereits erwähnte Remonstrantenkirche befindet. Das Gebäude selbst ist nicht mehr der ursprüngliche Bau des 17. Jahrhunderts, sondern wurde 1852 bis 1854 nach der Zerstörung im Schleswig-Holsteinischen Krieg neu errichtet. Ferner existiere eine evangelische Kirche St. Christopherus aus dem 17. Jahrhundert mit zugehörigem Friedhof, eine Synagoge von 1847 sowie eine katholische Kirche. Auch die Glaubensgemeinschaft der Mennoniten besaß in Friedrichstadt ein Bethaus, das ursprünglich ein Hinterhaus der Alten Münze war.

Für alle, die etwas Zeit mitbringen, empfiehlt sich nicht nur der Besuch des Museums, sondern auch ein kompletter Stadtrundgang im Rahmen einer Stadtführung oder auf eigene Faust mit dem Infomaterial, das man natürlich in der Touristeninformation erhält. In Friedrichstadt fühlt man sich auf Schritt und Tritt in eine historische Stadt der Niederlande mit ihren Grachten und Giebelhäusern versetzt. Aber es geht noch beschaulicher: mit dem E-Boot oder Tretboot in Schrittgeschwindigkeit über das Wasser gleiten und die Fassaden und Gärten langsam vorbeiziehen lassen.

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