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Eutin – Residenzstadt in der Holsteinischen Schweiz

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Eutin - Großer Eutiner See
Großer Eutiner See mit dem Eutiner Schloss im Hintergrund

Topografie und Geschichte Eutins

Die Holsteinische Schweiz mit ihrer in der letzten Eiszeit entstandenen Hügel- und Seenlandschaft ist vielen Reisenden als touristische Destination nahe der Ostsee sicherlich ein Begriff. Weniger bekannt dürfte dagegen sein, dass sich hier mit der Residenzstadt Eutin – immerhin Kreisstadt des Landkreises Ostholstein – ein historisches Kleinod befindet. Die Stadt liegt landschaftlich reizvoll eingebettet zwischen Kleinem und Großem Eutiner See. Letzterer reicht bis ans historische Stadtzentrum und umschließt malerisch das auf einer Landzunge gelegene Eutiner Schloss.

In den Jahrzehnten um 1800 galt Eutin als eine Hochburg deutschen Kulturschaffens. Unter anderem wurde hier 1786 der Komponist Carl Maria von Weber geboren. Der Dichter Johann Heinrich Voß und der Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein wirkten ebenfalls in der Stadt. Es ist die Zeit der Romantik und des Klassizismus. Diese Epoche prägte das Stadtbild nachhaltig, sodass dem Besucher heute auf Schritt und Tritt klassizistische Architektur begegnet. Eutins Geschichte reicht aber bis ins Mittelalter zurück. Im Zuge der ostholsteinischen Kolonisation ist der Ort im 12. Jahrhundert als Hauptort des Wendengaus gegründet worden. 1156 werden Markt und Kirche durch den Lübecker Bischof Gerold gegründet. Fortan diente Eutin als Bischofsresidenz und erhielt 1257 lübisches Stadtrecht. 1306 wurde ein Kollegiatstift – darunter versteht man eine Gemeinschaft von unregulierten Chorherren, die kein Ordensgelübde abgelegt haben – gegründet. Von 1586 bis zur Säkularisation 1803 stellte das Haus Schleswig-Gottorf die Lübecker Bischöfe.

Der Schlossbezirk

Schloss und Großer Eutiner See

Nicht die Architektur ist beim Eutiner Schloss tonangebend, sondern seine besondere Lage auf einer Landzunge des Großen Eutiner Sees. An sonnigen Tagen entsteht hier ein wundervolles Farbspiel durch das kräftige Rot des Backsteins, das tiefe Blau des Sees sowie das Grün des Schlossparks und der umgebenden Wälder. Kultur und Natur vereinen sich an dieser Stelle in seltener Harmonie. Lohnenswert ist ein kleiner Spaziergang um das westliche Ende des Sees, wo eine attraktiv gestaltete Promenade zum Flanieren und Verweilen einlädt. Es ergeben sich dadurch immer wieder neue Impressionen von Schloss und Altstadt.

Eutin - Schloss
Hauptfassade des Eutiner Schlosses zur Stadtaseite

Das Schloss selbst, das wahrscheinlich anstelle eines von Bischof Gerold angelegten Hofes steht, präsentiert sich als Vierflügelanlage, die im Kern bis ins Mittelalter zurückreicht. Die Gestalt des Baukörpers geht aber vor allem auf den Ausbau der Anlage zum Residenzschloss unter Fürstbischof Johann Friedrich zu Beginn des 17. Jahrhunderts zurück. Dabei darf man sich nicht von der wuchtigen, fast monotonen Gestaltung der Außenansicht abschrecken lassen. Der Innenhof präsentiert dagegen eine Reihe reich gestalteter Spätrenaissanceportale, die man bei einem Cappuccino im dortigen Café im Detail bewundern kann. Die sehenswerten Innenräume des Schlosses sind im Rahmen eines Museumsbesuches für die Öffentlichkeit zugänglich. Der interessierte Besucher kann all dies auf der vorzüglich gestalteten Website der Stiftung Schloss Eutin vor- und nachbereiten oder seine Eindrücke vertiefen.

Der Schlossgarten

Der südlich an das Schloss angrenzende Schlosspark hat sich in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt und ist nicht nur durch seine romantische Lage am Seeufer unbedingt einen ausgedehnten Spaziergang wert. Seine jetzige Gestalt geht auf die ab 1790 erfolgte Umwandlung des Barockgartens in einen englischen Landschaftsgarten zurück. Doch bereits Überlieferungen aus dem frühen 14. Jahrhundert deuten auf einen Arznei- und Kräutergarten im nördlichen Bereich des damaligen Burgareals hin. In der frühen Renaissance entstand hier eine Wasserkunstanlage. Ende des 16. Jahrhunderts folgte durch das Aufkommen der fürstbischöflichen Residenz- und Jagdkultur ein Wildgehege.

Ludwig Philipp Strack, Ansicht des Eutiner Schlossgartens mit dem Sonnentempel
Ludwig Philipp Strack, Ansicht des Eutiner Schlossgartens mit dem Sonnentempel, 1798-1799

Noch heute erzeugen Teiche, Wasserläufe, Brücken und klassizistische Gartenbauwerke reizvolle Ein- und Ausblicke mit immer wechselnden Sichtachsen. Der Weg schlängelt sich an einem Seepavillon, einem Monopteros (griechischer Rundtempel) und dem aus Tuffstein erbauten Artemis-Tempel vorbei. Zahlreiche Medienstationen führen in die Geschichte des Schlossgartens und seiner Bauwerke ein. Im Herzen der Anlage befindet sich der Küchengarten, in dem die barocke Orangerie von 1750 steht. Dieser prominente Bereich des Schlossparks wurde erst in den vergangenen Jahren restauriert und revitalisiert und war Teil der Landesgartenschau 2016. Ein Ort zum Verweilen!

Am Rande des Parks existiert unmittelbar am Seeufer eine Freilichtbühne, in der seit 70 Jahren die Eutiner Festspiele stattfinden. Auf dem Programm stehen Konzerte, Musicals und Opern. Ein wahrlich würdiger Ort und Rahmen für Kulturaufführungen, doch ich kann mich an manche nasse Überraschung erinnern, denn die Zuschauerränge sind nicht überdacht.

Michaeliskirche, Marktplatz und Altstadt

Vom Schloss sind es nur wenige Schritte zur Altstadt. Dabei passiert man zunächst die repräsentative Platzanlage des Schlossvorplatzes mit Remise, Marstall und Kavaliershaus. Dahinter erhebt sich auf dem mittelalterlichen Kirchhof die Michaeliskirche als städtische Pfarrkirche. Der auf den ersten Blick unspektakuläre Bau gehört zu einer Gruppe von spätromanischen Basiliken aus Backstein in Ostholstein, wie sie auch in Altenkrempe und Mölln existieren. Sie entstanden im Kontext der hochmittelalterlichen Kolonisation und Christianisierung zuvor slawischer Landstriche. Der romanische Kernbau in Eutin zeigt sich vorwiegend im Inneren des Langhauses, während der Außenbau durch zahlreiche Umbauten geprägt ist.

Durch eine Häuserzeile getrennt schließt sich der weiträumige, rechteckige Marktplatz südlich an den Kirchhof und die Kirche an. Er wird umstanden von kleinstädtischen Bürgerhäusern, die wie das im späten 18. Jahrhundert entstandene Rathaus weitgehend dem Klassizismus zuzurechnen sind. Die Fassaden sind hier weitgehend verputzt. In der Platzmitte steht eine 1875 errichtete Ehrensäule für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71.

Von hier aus empfehle ich die Erkundung der umliegenden Gassen mit weiteren Bürgerhäusern, Höfen und Palais. Tipp für einen attraktiven Rundweg: Durch die pittoreske Twiete mit ihren Fachwerkhäusern gehen wir zurück zur Stolbergstraße, die das Schlossviertel von der Altstadt scheidet. Hier finden sich einige ehemalige Kapitelhöfe, die als kleine dreiflügelige Anlagen mit Ehrenhof ausgebildet sind. Wir folgen dem Straßenverlauf nach Süden, um bald wieder nach rechts auf den Marktplatz zurückzukehren und ihn sodann vorbei am Rathaus und am herzoglichen Witwenpalais durch die Königstraße nach Norden zu verlassen. An deren Ende blicken wir nach rechts in die Schlossstraße, die wieder zum Schlossviertel führt. Zuletzt wählen wir den Weg nach links durch die Straße Am Rosengarten, an deren Ende wir rechts in einen blumengesäumten Fußweg biegen, der auf die romantische Seepromenade führt. Den Besuch können wir in einem der zahlreichen Cafés der Stadt ausklingen lassen!

5 Kommentare zu “Eutin – Residenzstadt in der Holsteinischen Schweiz

  1. Oh la la!
    Als Süddeutschem, der nur einmal auf dem Weg nach Skandinavien kurz in Flensburg Pause gemacht hat, war mir die ganze Holsteinische Schweiz bisher unbekannt.
    Wo sich überall auf der Welt Schweizen tummeln…

    1. Ich würde behaupten, die Holsteinische und die Sächsische Schweiz gehören zu den bekanntesten Landschaften mit diesem Namen in Deutschland.

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