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Ein ungewöhnlicher Auftrag: der Mensch und Maler Emil Hopf
Als Webdesigner und Kunsthistoriker habe ich mich spezialisiert auf Dienstleistungen an der Schnittstelle zwischen Kultur und Digitalem. In der Regel arbeite ich dabei mit Museen und anderen Kultureinrichtungen zusammen. Dass ich private Aufträge erhalte, ist eher selten zu verbuchen. Als außergewöhnlich entpuppte sich ein Projekt, das ich im vergangenen Jahr umsetzen durfte: eine Website für den seit Jahrzehnten verstorbenen Maler Emil Hopf aus Bad Bentheim.
Als ich zum ersten Mal den Namen des Malers Emil Hopf hörte, wusste ich ihn nicht einzuordnen. Nun gut, die jüngere bildende Kunst gehörte auch nicht gerade zu meinen Fachgebieten als Kunsthistoriker. Insofern musste ich mir auch keine Vorwürfe machen, diesen nur regional bekannten Künstler des 20. Jahrhunderts bis dahin nicht gekannt zu haben. Das sollte sich aber bald ändern.
Geboren wurde Emil Hopf 1893 in der Altmark, genauer in Stendal. Das machte ihn schon mal mehr oder weniger sympathisch, habe ich doch viel Zeit mit den Forschungen zu meiner Dissertation in der Altmark verbracht und diese verschlafene und urtümliche Landschaft im Norden Sachsen-Anhalts ein wenig in mein Herz geschlossen. Nach Bentheim gelangte Hopf als Finanzbeamter nach dem Ersten Weltkrieg. Die Kunst – er war auch Musiker – war ein Hobby, wenngleich er hier sehr talentiert war. Den Lebensunterhalt für sich und seine Familie konnte er über seinen Beamtenstatus absichern. So entstanden seine Werke vor allem von den 30ern bis in die 50er Jahre fast ausschließlich mit Motiven aus der Grafschaft Bentheim im äußersten Südwesten Niedersachsens.
Vom ersten Kontakt zur Digitalisierung des Werkes
Meine erste Berührung mit dem Projekt Emil Hopf erfolgte Ende 2018 über meine liebe Kollegin Birgit Baumann. Sie lebt in Bad Bentheim und ist seit Jahren in der dortigen Kulturszene sehr aktiv. 2010 fand eine kleine Ausstellung zu Emil Hopf auf der Burg Bentheim statt. Hier fand der erste Kontakt zwischen Baumann und Horst-Günther Stacharowsky, einem Freund der Familie Hopf, statt. Erst viele Jahre später konkretisierte sich aber bei ihm der Gedanke, den Nachlass von Emil Hopf digital zu erfassen und mithilfe einer Website dauerhaft der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ein bemerkenswerter Schritt, wenn man Stacharowskys hohes Alter bedenkt! An diesem Punkt kam ich nun durch die Empfehlung von Birgit Baumann ins Spiel. Herzlichen Dank an dieser Stelle dafür!
Etwas überrascht war ich dann doch, als sich bei der ersten Lagebesprechung herausstellte, dass praktisch keine Digitalisate des Werkes von Hopf vorlagen. Mit der eigenen Kamera einfach loszuknipsen, hielt ich für keine sinnvolle Option. Hier brauchte es die professionelle Unterstützung einer Fotografin. So kam meine Kollegin Agnes Kinczer ins Spiel, die mit entsprechendem Equipment und ihrem Know-how die Grundlage für die spätere Website legte. Entgegen kam uns dabei, dass sich der größte Teil von Hopfs Œuvre im Besitz von Herrn Stacharowsky befand. Dennoch war es eine logistische Herausforderung, zahlreiche weitere Werke ausfindig zu machen und zum vereinbarten Fototermin nach Münster zu schaffen. Das Gros der organisatorischen Arbeit hatte dabei der Auftraggeber selbst.

Planungen: Werkverzeichnis und Katalog
Nach jahrelanger Recherche zu Emil Hopf hatte Herr Stacharowsky eine beachtliche Sammlung an Texten parat. Nun galt es, diese auf ein gesundes Maß für eine übersichtliche und informative Website herunterzubrechen. Schnell wurden wir uns einig, dass der entscheidende Mehrwert der Website im Werkverzeichnis und einem Katalog liegen sollte. Ersteres sollte so weit wie möglich vollständig sein, um weitere Forschungsansätze zu ermöglichen. Der Katalog – und dies erschien mir besonders wichtig – ermöglichte der Öffentlichkeit erstmals den digitalen Zugang zu einem Teil des Werkes von Hopf. Entsprechend repräsentativ sollte die Auswahl der verwendeten Abbildungen erfolgen.
Die Umsetzung konnte beginnen, als Fotos, Texte und ein Werkverzeichnis vorlagen. Die Entscheidung, dafür auf das bewährte Content-Management-System WordPress zurückzugreifen, war schnell gefallen. Es ist geradezu prädestiniert für kleine sowie mittlere Projekte. Zugleich bietet es die nötige Flexibilität, spezielle Wünsche mittels zahlreicher zur Verfügung stehender Erweiterungen umzusetzen.
Umsetzung der Website
Für das umfangreiche Werkverzeichnis musste eine Lösung her, die es ermöglicht, damit auch online zu arbeiten. Ich entschied mich, es zu segmentieren und mit aufklappbaren Akkordeons zu arbeiten. Somit wird der Besucher nicht von Datenmengen erschlagen und kann selbst zu den relevanten Informationen navigieren. Die Tabelle des Werkverzeichnisses musste gegenüber der Offline-Version, die als PDF-Datei zum Download bereitsteht, im Informationsgehalt leicht reduziert werden. Schließlich sollte die Struktur auch auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets funktionsfähig sein. An dieser Stelle waren dann ein wenig Programmierung und kreative Lösungen gefragt.
Der Katalog sollte folgende Kriterien erfüllen:
- schnelle Gesamtübersicht mit einfacher Orientierung
- Möglichkeit zur Unterbringung umfangreicher Beschreibungen zu jedem Werk
- Slider-Funktion zum Stöbern mit beliebigem Einstiegspunkt
Ein Plugin, das diese Funktionalität bietet, konnte bald gefunden und mit kleineren Modifikationen für unseren Bedarf versehen werden.
Um die technische und administrative Betreuung der Website auch über einen längeren Zeitraum gewährleisten zu können, haben Herr Stacharowsky und ich uns für einen wichtigen Schritt entschieden: Die Domain emil-hopf.de ist auf meinen Namen registriert und die Website wird von mir selbst gehostet. Grundsätzlich empfehle ich meinen Kunden nicht diesen Weg, um bei Bedarf unabhängig von Agentur oder Webdesigner agieren zu können.

Ausblick
Die Resonanz auf den Webauftritt über den Maler Emil Hopf war erwartungsgemäß regional begrenzt. In den Grafschaften Nachrichten erschien kurze Zeit nach dem Launch ein Artikel über Emil Hopf und die Website. Möglicherweise sind in Zukunft weitere Projekte im Kontext Emil Hopf realisierbar. Eine neue Ausstellung? Ein Bildband? Der Grundstein ist jedenfalls dank der Initiative von Herrn Stacharowsky gelegt. Und für mich war es seit meiner Selbstständigkeit als Webdesigner das bisher außergewöhnlichste Projekt, das ich umsetzen durfte.



