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Die Tradition der Weihnachtsmärkte in Deutschland

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Weihnachtsmarkt Budweis
Weihnachtsmarkt im tschechischen Budweis

Historisches Brauchtum seit dem Spätmittelalter

Es ist wieder so weit! Die Zeit der Weihnachtmärkte ist angebrochen. Kaum eine Stadt, kaum eine Ortschaft, die diesbezüglich in der Adventszeit nicht etwas auf die Beine stellt. Aber habt ihr euch gefragt, woher diese Tradition stammt und wie sie im europäischen Ausland begangen wird und wurde? Eines sei hier vorweggenommen: Es ist vor allem der deutschsprachige Raum, in dem Weihnachtsmärkte heimisch sind. In seiner heutigen Form erlebten sie in den 1960er Jahren ein Revival. Wir finden sie in Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz. Darüber hinaus wird dieses Brauchtum in ehemals deutschen, deutschsprachigen oder angrenzenden Gebieten wie im französischen Elsass und Lothringen, neuerdings auch in Südtirol vollzogen. Exotisch muten Weihnachtsmärkte als Exportschlager in Japan an.

Die Tradition eines Marktes in der Vorweihnachtszeit reicht bis ins Spätmittelalter zurück. Zu den ältesten sind Wien, München und Bautzen zu zählen. 1296 erhielten die Wiener Händler von Herzog Albrecht I. von Österreich das Privileg, einen „Dezembermarkt“ zur Versorgung der Bevölkerung abzuhalten. 1382 ist das Privileg erneuert worden, wobei ein Katharinenmarkt Erwähnung findet. Im Jahr 1310 wurde in München erstmals ein Nikolausmarkt urkundlich erwähnt. 1384 verlieh König Wenzel der Stadt Bautzen das Recht, von Ende September bis Weihnachten an Samstagen einen Fleischmarkt abzuhalten. Viel Tradition besitzen bis heute der Dresdner „Striezelmarkt“ und der Nürnberger „Christkindlesmarkt“, die bis ins 15. bzw. frühe 17. Jahrhundert zurückzuverfolgen sind.

Doch diese frühen Märkte in den Wintermonaten hatten wenig gemein mit dem, was wir uns unter einem Weihnachtsmarkt vorstellen. Sie dienten wie andere Märkte im Jahreszyklus auch zur Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen. Erst mit dem Wandel von Weihnachten von einem religiösen zu einem bürgerlichen Fest im Laufe des 18. Jahrhunderts setzte beim vorweihnachtlichen Marktbetrieb eine Hinwendung zu einem stimmungsvollen Vergnügen mit spezifisch weihnachtlichen Angeboten ein. Diese Entwicklung wurde schließlich begünstigt durch die bürgerliche Emanzipation im 19. Jahrhundert.

Der Berlinsche Christmarkt - Johann David Schubert 1796
Der Berlinsche Christmarkt in der Breiten Straße – Johann David Schubert, Kupferstich 1796

Standorte und Angebot

Traditionell werden die Weihnachtsmärkte in den Städten vor historischer Kulisse abgehalten und setzen somit den Brauch der Marktorte fort. Sie sind etwas genuin Städtisches. Doch mittlerweile finden sie sich auch an anderen Standorten wie in Schloss- oder Klosteranlagen. Sogar Besucherbergwerke wie der Rammelsberg in Goslar werden als Örtlichkeit auserkoren. Das besondere Ambiente hebt diese Adventsmärkte sicher aus der großen Masse hervor.

Leider steht bei vielen Weihnachtsmärkten mittlerweile der Kommerz im Fokus. Der Anteil des Essens- und Getränkeangebots ist mancherorts sehr hoch. Auch Fahrgeschäfte sind anzutreffen. Statt individuellem Kunsthandwerk findet man vielfach industrielle Massenware. Wohltuend sind da vor allem Weihnachtsmärkte, die sich aus der Masse abheben. Positive sind der Kunsthandwerkermarkt im Heilig-Geist-Hospital in Lübeck oder der Schlachte-Zauber an der Weserpromenade in Bremen mit seinem historischen Flair. Ein kulturelles Rahmenprogramm kann einen Weihnachtsmarkt erheblich aufwerten.

Christliche Traditionen in Auflösung?

Für Märkte mit kurzer Dauer an einem Wochenende hat sich die Benennung als Adventsmarkt etabliert. Nicht selten finden sich für Weihnachtsmärkte auch alternative Bezeichnungen wie Wintermarkt oder Lichtermarkt. Und wie jedes Jahr wird von rechtspopulistischer Seite dieselbe Sau durch das Dorf und den Schnee getrieben. Da befürchtet man bereits den Untergang der abendländischen Kultur und die Islamisierung unserer christlichen Feste, wenn unsere heiligen Weihnachtsmärkte nicht mehr ihren angestammten Namen tragen dürfen.

Die Erklärung für eine solche Differenzierung ist dabei denkbar einfach: Wintermärkte dürfen aus rechtlicher Sicht über die Adventszeit hinaus geöffnet werden. Und auch aus marketingtechnischer Erwägung heraus ist ein Lichtermarkt vielleicht anziehender und erschließt größere Zielgruppen. Auf dem Altar der politischen Korrektheit werden gewiss keine christlichen Traditionen geopfert. Dabei wäre es weitaus mehr angebracht, sich die Frage zu stellen, ob der überbordende Kommerz und mancher Alkoholexzess den Weihnachtsmärkten ihr religiöses Gepräge stehlen.

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