
Inhalt
WordPress als vollwertiges Content Management System
Überblick CMS
Es ist bereits etwas Zeit vergangen, seitdem ich meinen letzten Ratgeber zum Einsatz von Content Management Systemen (CMS) für den Kulturbereich schrieb. Zwischenzeitlich hat sich auf dem Markt einiges getan, was eine Neubewertung erlaubt. Dabei möchte ich den Fokus auf das beliebte und weitverbreitete WordPress legen. In Deutschland liegt der Anteil von WordPress unter den mit einem CMS oder einem vergleichbaren Tool erstellten Websites derzeit bei rund 62 %. Damit ist das System hierzulande die Nummer 1, weltweit ohnehin. Erst mit weitem Abstand folgen Joomla, Drupal oder Typo3. Zu unterscheiden wäre an dieser Stelle zudem zwischen WordPress.org und WordPress.com. Das eine stellt ein vollständiges CMS dar, das andere lediglich den für manche Hobbywebsite eingesetzten Baukasten, wie er auch von anderen Anbietern angeboten wird. In unserem Kontext ist nur Ersteres von Interesse. Ein CMS kann auch als Software beschrieben werden, mit deren Hilfe man eine Website erstellen und administrieren kann.
Die Konstellation mit dem sehr hohen Marktanteil von WordPress hat handfeste Gründe. Zunächst wurde dieses als ein System entwickelt, mit dem man Blogs aufsetzen und betreiben kann. Mit der weiten Verbreitung dieser Publikationsform setzte auch der Siegeszug von WordPress ein. Bis heute hat sich WordPress längst zu einem vollwertigen CMS entwickelt, das anderen Systemen bei der Gestaltung von Websites in nichts nachsteht. Ganz im Gegenteil: Es hat Vorzüge, die es für den Einsatz in Kulturinstitutionen wie Museen besonders attraktiv erscheinen lassen.
Websites für Museen
Zunächst ist WordPress ein schlankes System, das seine Stärken bei kleinen und mittleren Websites ausspielen kann. Erweiterungen der Funktionalität sind durch unzählige gut gepflegte Plugins möglich. Damit ist es optimal geeignet für die große Masse kleiner Museen. Die Entwicklung einer WordPress-Website ist in aller Regel günstiger als beispielsweise mit dem komplexen Typo3, das vielfach nur im Repertoire darauf spezialisierter Agenturen zu finden ist. Das Einsatzgebiet dieses Systems sind entsprechend umfangreiche und komplexe Webprojekte, die dann auch ein ganz anderes Budget erfordern.
Kleine und ehrenamtlich geführte Museen müssen im Besonderen auf ihre begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen Rücksicht nehmen. Ich achte daher bei meinen Kunden nicht nur auf einen vertretbaren finanziellen Rahmen bei der Erstellung einer Website, sondern auch auf die Folgekosten. Sich langjährig in die Abhängigkeit einer Agentur zu begeben, können sich meist nur größere Häuser leisten. Wichtig ist mir daher die Unabhängigkeit des Museums bei der weiteren Betreuung des Internetauftritts. Dort, wo es sinnvoll erscheint, überlasse ich die inhaltliche Pflege den Museumsmitarbeitern selbst: Handbuch und ein Schulungstag inklusive. Dabei kommt uns die geringe Einstiegshürde von WordPress zugute. Für die technische Betreuung biete ich dagegen zeitlich befristete Pakete an, die im gegenseitigen Einvernehmen verlängert werden können. Ein solches Vorgehen hat sich bereits bei diversen Projekten bewährt, die ich mit Museen und Kultureinrichtungen umgesetzt habe.
Technische Entwicklung
Noch vor einigen Jahren war Joomla bei den meisten Projekten mein bevorzugtes CMS. Entsprechend habe ich meine Empfehlung an die Kunden formuliert. Dies hat sich grundlegend gewandelt. Mit der Einführung des Gutenberg-Editors mit WordPress 5.0 Ende 2018 hat die Software einen Quantensprung bei der Flexibilität der Gestaltung von Webseiten hingelegt. Und dabei hat Gutenberg die unterschiedlichen Entwicklungsphasen noch nicht abgeschlossen, die seit 2018 ausgerollt werden. Mittlerweile kann man aber resümieren, dass der Editor den Einsatz der beliebten, aber nicht immer unproblematischen Page-Builder in weiten Teilen ersetzen kann.
Nun wird der eine oder andere Kritiker von Gutenberg vielleicht den Einwand erheben, dass für WordPress bereits zahlreiche, seit Jahren erprobte Page-Builder existieren, sodass es des Gutenberg-Editors nicht bedarf. Dem ist entgegenzuhalten, dass gerade derartige Plugins häufig zu Kompatibilitätsproblemen bei System-Updates führen. Zudem bremsen sie mehr oder weniger die Performance der Website aus, was sich negativ auf die Positionierung bei Suchmaschinen auswirkt. Und: Eine mit einem Page-Builder erstellte Website ist aufgrund ihrer Funktionsweise für immer an diesen gebunden, während Gutenberg integraler Bestandteil des WordPress-Core ist.
Die Funktionalität, die Flexibilität und die Gestaltungsmöglichkeiten von WordPress werden auch von unzähligen Themes und Plugins gefördert, die die riesige Community und zahlreiche Entwickler bereithalten. Das System ist damit mit einer Erweiterbarkeit gesegnet, mit der allenfalls noch Joomla mithalten kann. Es existiert kaum eine Funktion, die nicht durch ein Plugin realisiert werden kann – kostenpflichtig oder auch kostenlos. Seit der Einführung von Gutenberg ist allerdings darauf zu achten, dass der volle Funktionsumfang des Editors nur mit den speziell dafür entwickelten Themes bereitsteht. Man spricht auch von Block-Themes, die auf das Full Site Editing (FSE) ausgelegt sind. Ältere Themes unterstützen dies nicht. Seit Jahren ist es aber kein Problem, aus einer großen Anzahl entsprechender Themes zu wählen, zumal WordPress selbst einige rudimentäre Exemplare mitbringt, die sich als Basis für eine individuelle Gestaltung gut eignen.
Museen und Corporate Blogs
Neben der allgemeinen Eignung für komplette Website-Projekte bleibt WordPress das System schlechthin, um Blogs umzusetzen. Es führt in diesem Kontext kaum ein ernstzunehmender Weg daran vorbei. Blogs für Kulturunternehmen? Aber ja! Ein Corporate Blog – also ein Unternehmensblog – kann mit einer vernünftigen Strategie auch im Jahre 2026 zu einer wesentlichen Säule im Marketingmix werden. Der Aufbau und die Etablierung eines Blogs erfordern viel Durchhaltevermögen und Konstanz; dieser kann aber dann umso nachhaltiger wirken. Die Institutionen schaffen damit einen neuen Kommunikationskanal, die Möglichkeit vertiefter Einblicke in die Kernthemen des Hauses und das Herausstellen der eigenen Kompetenzbereiche. Eine gestiegene Zahl digitaler Besucher führt im Idealfall auch zu einer Erhöhung bei analogen Besuchern. Die Kunsthistorikerin und Kulturvermittlerin Tanja Praske listet in ihrer Blogroll zurzeit 115 bloggende Museen. Sie hat die vielfältigen Vorzüge des Bloggens für Museen zusammengetragen. Dabei resümiert sie:
Ein gut geführtes Blog pulsiert wie ein Herz: Es pumpt Ideen hinaus, nimmt sie entgegen, verarbeitet sie erneut, streut sie wieder aus – es ist für mich das dynamische Herzstück jeder Social-Media-Aktivität, vernetzt, aktiv und allzeit bereit, Neues zu testen und anderes zu verwerfen.
Inwiefern ein solcher Kommunikationskanal sinnvoll ist, muss von Fall zu Fall neu überdacht werden. Einen umfassenden Leitfaden zu den Überlegungen rund um das Thema Bloggen für Museen bietet Angelika Schoder. Sie kommt zu dem wichtigen Schluss:
Sollte ein Museum aber die notwendigen Ressourcen aufbringen können, kann ein Museums-Blog eine sinnvolle Ergänzung zur Website sein und ein nachhaltiger Content-Lieferant für Social-Media-Kanäle.

Ausblick und Empfehlung
Professionelle, aber vergleichsweise einfach zu wartende und flexible Content Management Systeme sind im Kulturbereich schon lange etabliert. In Zeiten, in denen Digitalisierung auch bei kleinen Museen und Kultureinrichtungen im Fokus steht, findet WordPress seit Jahren immer mehr Verbreitung. Und dies ist unabhängig von der Frage, ob ein Blog vorgesehen ist oder nicht. Der Vorteil liegt hier auch darin, dass ein solcher jederzeit ohne viel Aufwand in die bestehende Website integriert werden kann, während andere Systeme in einem solchen Fall mit einem umfangreichen Plugin nachgerüstet werden müssen.
Meine Empfehlung an kleinere Museen und Kultureinrichtungen lautet daher zurzeit: Wenn Sie gerade die Entscheidung für das CMS der nächsten Jahre treffen müssen, denken Sie über WordPress nach und lassen Sie sich nicht überdimensionierte Systeme aufschwatzen, die Sie ohne Mehrwert in eine langjährige Abhängigkeit führen. Für jede Aufgabe existieren unterschiedliche Lösungswege. Kein CMS ist für alle Website-Projekte gleich gut geeignet. Werfen Sie dazu auch einen Blick in meinen umfangreicheren Leitfaden und Ratgeber zur Erstellung von Websites für Kultureinrichtungen.



Wir benutzen WordPress seit 2017 und sind bisher recht zufrieden. Die Einstiegshürde ist niedrig, was uns in der ersten Zeit unseres Blogs vieles vereinfacht hat. Wir kommen immer noch gut damit zurecht und senden wöchentlich unsere Inhalte in die Welt hinaus. Die Herausforderung beim Bloggen, gerade für Museen und andere Kultureinrichtungen, ist dann vielleicht nicht mehr so sehr die Technik (da ist WordPress durchaus hilfreich), sondern regelmäßig und langfristig Zeit und Mühe zu investieren.
Viele Grüße aus dem Deutschen Uhrenmuseum Furtwangen
Danke für den Erfahrungsbericht, der meine Ausführungen bestätigt. WordPress punktet vor allem mit einer niedrigen Einstiegshürde, bringt aber dennoch genügend Flexibilität mit, um auch komplexere Aufgaben zu lösen. Es hängt wie meistens vom Einsatzbereich ab, welches System das richtige ist.