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Das Bildzitat – Zitatrecht für Fotos

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Zitatrecht und Bildzitat

Das Zitatrecht nach §51 UrhG

Die Situation ist vielen Autoren, Bloggern und Geisteswissenschaftlern bekannt: Man setzt sich schriftlich mit einem Sachthema auseinander, möchte aber den Gegenstand der Betrachtungen auch bildlich darstellen, um die eigenen Worte nachvollziehbar zu gestalten. Es ist müßig, sich über Architektur und Kunstwerke auszulassen, ohne diese visuell erfahrbar zu machen. Damit ist weder dem Schreibenden noch dem interessierten Leser geholfen. Es erschwert lediglich den qualifizierten Austausch darüber.

Für genau diese Situation existiert das sogenannte Zitatrecht nach §51 UrhG. Es umfasst auch Bildzitate. Aber schauen wir uns zunächst an, welche Rechte wir in welcher Situation aus diesem Gesetz ableiten können. Darin heißt es grundsätzlich:

Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist.

Entscheidend ist hier der Zweck des Zitats. Kein Zitat liegt vor, wenn ein Werk nur zur Illustration genutzt wird. Vielmehr ist es notwendig, dass eine eigene inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Werk stattfindet. Das Zitat besitzt dann eine Belegfunktion. Wie umfangreich ein Zitat sein darf – insbesondere die Frage, ob ein Großzitat im vollen Umfang des Werkes zulässig ist – muss im Einzelfall anhand des gerechtfertigten Zweckes ermittelt werden. Übrigens: §51 UrhG stellt auch unmissverständlich klar, dass das zu zitierende Werk bereits veröffentlicht worden sein muss.

Das Gesetz nennt aber auch konkrete Beispiele für zulässige Zitate:

Zulässig ist dies insbesondere, wenn

1. einzelne Werke nach der Veröffentlichung in ein selbständiges wissenschaftliches Werk zur Erläuterung des Inhalts aufgenommen werden,

2. Stellen eines Werkes nach der Veröffentlichung in einem selbständigen Sprachwerk angeführt werden,

3. einzelne Stellen eines erschienenen Werkes der Musik in einem selbständigen Werk der Musik angeführt werden.

Nr. 1 stellt klar, dass man in wissenschaftlichen Publikationen auf das Zitatrecht zurückgreifen kann. Das Bloggen fällt dagegen unter Nr. 2. Entscheidend hierfür ist allerdings, dass der Blogbeitrag die Schöpfungshöhe erreicht, um als eigenes Werk zu gelten. Nicht jeder eiligst in die Tasten gehauener Text dürfte darunterfallen. Auf der anderen Seite ist es im Einzelfall aber sogar vorstellbar, dass Beiträge auf Social-Media-Plattformen als urheberrechtlich geschütztes Werk eingestuft werden und somit selbst Zitate anderer Werke enthalten dürfen.

Das Bildzitat

Bilder sind grundsätzlich urheberrechtlich geschützt. Doch mit dem Zitatrecht ist es möglich, sich wissenschaftlich, populärwissenschaftlich oder bloggend mit dem Oeuvre eines Fotografen auseinander zu setzen und Teile davon als Beleg zu zitieren, wenn man dabei einige Feinheiten bedenkt. Dazu gehört vor allem eine korrekte Quellenangabe mit Urheber, Quelle und ggf. Lizenz des Werkes.

Ein Foto kann durch seine Natur aber in aller Regel nur als Ganzes sinnvoll zitiert werden. Damit würde es jedoch für einen Blogger nicht unter das Zitatrecht fallen, denn der Wortlaut des Gesetzes erlaubt vollständige Zitate, also Großzitate, nur im wissenschaftlichen Kontext. Die Rechtsprechung hat für diese Lücke das Konstrukt des kleinen Großzitats (oder großen Kleinzitats) geschaffen, wodurch auch nicht wissenschaftliche Publizierende wie Blogger in den Genuss des Bildzitats kommen.

Abbildung oder Reproduktion eines Werkes

All diese Vorzüge des Zitatrechts reichten aber nicht aus, um folgende recht häufig vorkommende Konstellation abzudecken: Nehmen wir an, wir wollen etwas über ein Kunstwerk schreiben, das wir nicht selber fotografieren können. Dabei ist es unerheblich, ob das Kunstwerk selbst bereits gemeinfrei oder noch urheberrechtlich geschützt ist. Wir müssen in diesem Fall auf vorhandene Fotografien einer anderen Person zurückgreifen. Nur besteht dabei das Problem, dass diese selbst urheberrechtlich geschützt sind.

Für diesen Fall hat der Gesetzgeber seit dem 1. März 2018 einen dritten Satz in §51 UrhG eingefügt und damit die fachliche Auseinandersetzung mit Kunstwerken in der Praxis erheblich erleichtert:

Von der Zitierbefugnis gemäß den Sätzen 1 und 2 umfasst ist die Nutzung einer Abbildung oder sonstigen Vervielfältigung des zitierten Werkes, auch wenn diese selbst durch ein Urheberrecht oder ein verwandtes Schutzrecht geschützt ist.

Zusammenfassung

Das Urheberrecht ist seiner Komplexität nicht immer einfach zu erfassen. Daher folgt an dieser Stelle eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte zum Zitatrecht, speziell dem Bildzitat:

  • Das Zitatrecht privilegiert nicht nur die Wissenschaft, sondern z. B. auch Blogger.
  • Das Zitat muss eine Belegfunktion aufweisen und darf nicht lediglich illustrierend wirken.
  • Der zulässige Umfang des Zitats ist im Einzelfall durch den Zweck bestimmt.
  • Bildzitate sind durch das kleine Großzitat auch im nicht wissenschaftlichen Kontext zulässig.
  • Urheber und Quelle sind durch eine korrekte Quellenangabe zu benennen.
  • Abbildung oder Reproduktion eines Werkes dürfen im Rahmen des Zitatrechts ebenfalls genutzt werden.

Weitere empfehlenswerte Quelle zum Umgang mit dem Zitatrecht: Blogbeitrag von Rechtsanwalt Dr. Jasper Prigge

3 thoughts on “Das Bildzitat – Zitatrecht für Fotos

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