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Brügge und Gent – Flanderns Juwelen

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Flandern, Brügge, Gent? Schon einmal gehört? So recht anfangen können die wenigstens damit etwas, gehört doch die belgische Region Flandern nicht zu den bevorzugten Urlaubsregionen des deutschen Touristen. Aber gerade Städte- und Kulturreisende sollten hier genauer hinsehen. Mit Brügge und Gent – beide als Gesamtensemble bzw. in Teilen UNESCO-Weltkulturerbe – liegen zwei Perlen mit besonderem Altstadt-Flair in dieser Region. Insbesondere Brügge, die mittelalterliche Handelsmetropole und Sitz eines Kontors der Hanse, kann es mit seiner einzigartig erhaltenen Altstadt mit den schönsten Städten Europas aufnehmen. Gent, nicht minder sehenswert, ist zudem als quirlige Universitätsstadt attraktiv.

Brügge, die Malerische

Brügge

In Brügge hat man das Gefühl, eine Zeitreise ins hanseatische Spätmittelalter zu durchleben. Zahlreiche Gassen, Plätze, Höfe, Brücken und Grachten laden zum Entdecken und Verweilen ein. Nicht zuletzt wegen der Präsenz des Wassers und des einzigartigen historischen Stadtbildes wird Brügge häufig in einem Atemzug mit Venedig genannt. Und das absolut zu Recht! Brügge bietet gegenüber Venedig allerdings den Vorteil, nicht von Touristen im unerträglichen Maß überschwemmt zu sein. Die mittlerweile über 5 Millionen Besucher jährlich verteilen sich gut in der Stadt und selbst am Grote Markt findet man mit etwas Geduld ein sonniges Plätzchen, um die Großartigkeit dieses Platzes mit seinem 83 Meter hohen Belfried zu bewundern. Auf Kundschaft wartende Droschken erinnern an Wiener Traditionen.

Der Charme der Stadt wird zu einem erheblichen Teil durch seine Grachten erzeugt, die sich malerisch zwischen historischen Bauten und unter kleinen Brücken hindurchzwängen. Es ist erfreulich, dass die Stadt dem zu befürchtenden Wildwuchs bei den beliebten Grachtenfahrten einen Riegel vorgesetzt hat. Fünf Unternehmen mit jeweils vier Boten und gleichen Preisen teilen sich den Ansturm der Touristen, wobei der sich selbst bei schönstem Aprilwetter derart in Grenzen hielt, dass wir nur wenige Minuten warten mussten, bis das Boot ablegte. Wer es noch beschaulicher mag, der macht sich auf die Suche nach verborgenen Höfen und Winkeln oder steuert gleich den in der südlichen Anstalt liegenden Beginenhof und das anschließende Minnewater an. Letzteres diente im Mittelalter als äußeres Hafenbecken und ist heute von einer Parkanlage umgeben.

Auch für Kunstinteressierte ist Brügge eine Anlaufstelle ersten Ranges. Das Groenigemuseum und das Memling-Museum im Sint-Janshospitaal bieten allerfeinste Kost altniederländischer Malerei: Jan van Eyck, Rogier van der Weyden, Hans Memling, Hieronymus Bosch, Hugo van der Goes, Gerard David. Freunden der Malerei des 15. Jh. wird bei diesen Namen das Wasser im Mund zusammen laufen. Im Historium am Grote Markt erwartete den Besucher eine multimedial aufbereitete Zeitreise ins Brügger Mittelalter. Dabei bedient man sich sogar der Virtual Reality bis hin zu Gerüchen.

Gent, die Quirlige

Gent - Graslei

Auch wenn Gent in seiner Schönheit Brügge nicht viel nachsteht, so ist doch der Charakter dieser Stadt ein anderer. Zwischen die zahlreichen historischen Bauten mischt sich der Trubel einer von Studenten und Touristen gleichermaßen bevölkerten Großstadt. Auch Gent verleihen die die Stadt durchdringenden Wasseradern einen besonderen Charme. Unvergesslich ist das Flanieren an der Graslei und der Korenlei entlang des Leieufers. Einige der prächtigsten Zunfthäuser Gents und eine lebhafte Gastronomie machen diesen Ort zu einem Anlaufpunkt für Besucher. Besonders abends, wenn Gent seine Altstadt aufwändig illuminiert, verbreitet sich hier eine einzigartige Atmosphäre. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt auch die mitten in der Altstadt gelegene Burg Gravensteen. Mit ihrem trutzigen Äußeren des 12. Jh. bietet sie als Wasserburg in den schmalen Gassen der Stadt einen ungewohnten, für mitteleuropäische Augen fast exotischen Anblick.

Unter Kunstfreunden darf die Erwähnung des Genter Altars der Brüder van Eyck in der St.-Bavo-Kathedrale nicht fehlen. Der Flügelalter des 15. Jh. ist so etwas wie die Mona Lisa der altniederländischen Malerei. Zu empfehlen ist ein Besuch um die Mittagszeit, da der Alter zwischen 12 und 13 Uhr geschlossen wird, wodurch man auch die Außenseiten in voller Pracht bewundern kann. Dies ist dann auch das Eintrittsgeld wert, das man eigens für die Kapelle zahlt, in der sich das Kunstwerk befindet. Enttäuschend ist dagegen, dass man nicht im Vorfeld darauf hingewiesen wird, dass sich ein großer Teil des Altars in Restaurierung befindet und durch Reproduktionen ersetzt ist. Bei unserem Besuch gehörte bedauerlicherweise auch die Haupttafel, die Anbetung des Lammes, dazu. Ich bin mir allerdings sicher, dass die meisten flüchtigen Betrachter dies nicht einmal gemerkt haben.

Wem Brügge und Gent als Reiseziele nicht ausreichen, dem seien weitere sehenswerte Städte Flanderns ans Herz gelegt, allen voran Löwen (Leuven). Hier sollte man nicht nur den Marktplatz mit dem Stadhuis und der Kirche Sint Pieter eines Blickes würdigen. Ein Kleinod mit besonderem Reiz stellt der etwas abseits gelegene Große Beginenhof dar. Weitere lohnenswerte Ziele in Flandern sind Brüssel, Antwerpen, Mechelen, Kortrijk und Ypern (Ieper). Wir werden uns bei unserer nächsten Reise mehr Zeit lassen für Gent und vor allem Brügge. In beiden kann man gut und gerne auch mehrere Tage verweilen und immer wieder Neues entdecken.

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