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PROXIPEDIA – eine Museums-App mit hohem Nutzwert

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Schon wieder eine App, die sich aufmacht, die Kulturwelt zu erobern? Was genau ist aber PROXIPEDIA, wie funktioniert die App und welchen Mehrwert bietet sie für den Besucher und das Museum? Im Folgenden möchte ich dieses bemerkenswerte Projekt näher unter die Lupe nehmen und einen Erfahrungsbericht abgeben. PROXIPEDIA hat dabei – das möchte ich vorwegnehmen – durchaus das Potential, zum Standard für den interessierten Museumsbesucher und Kulturliebhaber zu werden.

Das Unternehmen Artirigo AG

Verantwortlich für das Projekt ist das Startup-Unternehmen Artirigo AG aus Bamberg. Gründer sind Dirk Steinhoff, der einst den Wallstein Verlag gründete, und Cornelius Möhring. Die Entwicklung der App begann bereits 2015. Mittlerweile ist ein Dutzend Mitarbeiter an dem Vorhaben beteiligt. Im Sommer dieses Jahres konnte man Investoren gewinnen, die 1,3 Millionen in das Projekt steckten, wodurch nun die breite Öffentlichkeit auf PROXIPEDIA aufmerksam gemacht werden konnte. Im März 2017 ging die App offiziell an den Start.

PROXIPEDIA

Die Nutzung von PROXIPEDIA

PROXIPEDIA kann man auf zweierlei Weise nutzen: Mobil als App am Smartphone oder Tablet sowie am Desktop-Rechner in den heimischen vier Wänden oder im Büro. Dabei ergeben sich durchaus Unterschiede bei der Funktionalität.

Die App

Die App ist denkbar einfach gestaltet. Im Kern handelt es sich um ein standortbezogenes System. PROXIPEDIA ermittelt per GPS den Standort des Nutzers und zeigt sehr übersichtlich in wenigen Sekunden alle Museen der Umgebung sortiert nach Entfernung an. Das ist besonders dann nützlich, wenn man ganz spontan in einer Stadt (oder auch auf dem Land) ein Museum besuchen möchte. Bequem und übersichtlich erfährt man sofort, welche Einrichtungen sich in erreichbarer Entfernung befinden. Seit kurzem ist es auch eine Suchfunktion implementiert, mit der es möglich ist, eine Museumstour an einem bestimmten Ort im Vorfeld zu planen. Dies funktioniert aber nur bei größeren Städten wirklich nutzbringend. Gebe ich zum Beispiel „Hameln“ ein, findet eine Volltextsuche statt, die mir (zur Zeit) nur einen Treffer in Hameln selbst liefert. Welche Attraktionen mich in der Umgebung erwarten, erfahre ich mit der App aber nur, wenn ich mich in Hameln selbst befinde und dort per GPS geortet werde. Für die Zukunft würde ich mir daher wünschen, dass man seinen Standort simulieren kann und so zum Beispiel per App eine Museumstour durch das Weserbergland planen kann, obwohl man sich noch nicht dort befindet. Dies ist zur Zeit nur über die Website-Version von PROXIPEDIA möglich.

Wählt man eines der Museen an, dann gelangt man zu den Basisinformationen: Kurze Beschreibung, Öffnungszeiten und Eintrittspreise. Das reicht aus, um sich ein erstes Bild darüber zu machen, ob ein Besuch in Frage kommt oder nicht. Einige wenige Einrichtungen bieten zudem einen Guide. Dieser kann erst vor Ort seine volle Funktionalität ausspielen. Per iBeacon-Technologie wird exakt erfasst, vor welchem Exponat der Besucher steht, und es werden die entsprechenden Informationen bereit gestellt. Wie gut dies in der Realität funktioniert, konnte ich bisher noch nicht testen.

Die Website

Die Website proxipedia.io bietet gegenüber der App zusätzlich eine interaktive Übersichtskarte, über die die einzelnen Museen nach geographischen Gesichtspunkten direkt angesteuert werden können. Eine Suchfunktion nach Ort oder Name der Institution existiert selbstredend ebenfalls. Größere Städte mit vielen Einrichtungen können bereits auf der Startseite direkt angewählt werden. Dagegen wurde auf die Guides und die standortabhängigen Funktionalitäten über GPS verzichtet.

Update: Kurz nach Veröffentlichung meines Blogbeitrags hat PROXPEDIA nachgezogen und bietet nun die Museums-Guides auch auf der Website an. Exemplarisch möchte ich auf die Insel Mainau und das Schloss Braunfels verweisen.

Der Nutzen für das Museum

Die Daten werden durch ein eigens entwickeltes Content Management System erfasst. Die primäre Erfassung erfolgt zunächst über ein übersichtliches Formular, in dem Foto, Beschreibung und Basisdaten der eigenen Institution hinterlegt werden müssen. Nach einer Qualitäts-Prüfung durch das Team von PROXIPEDIA werden diese freigeschaltet und schon ist man dabei und für potentielle Besucher aufrufbar.

Mit der gleichzeitig erteilten persönlichen Attraktionsnummer kann man sich nun für weitere Funktionen registrieren. Über den PROXIPEDIA Publisher ist man in der Lage einen Museums-Guide für das eigene Haus zu erstellen. Bis dahin ist der gesamte Service kostenlos. Erst Premium-Features wie Mehrsprachigkeit oder Video- und Audio-Inhalte werden kostenpflichtig.

Diese einfach zu erschließende Art der digitalen Kulturvermittlung hat hohes Potential neue Besuchergruppen zu erschließen. Hier werden vor allem diejenigen angesprochen, die sich kaum oder gar nicht durch klassische Medien über das kulturelle Angebot des Urlaubs- oder Ausflugszieles informieren. Insbesondere den Spontanen und Kurzentschlossenen bietet die App einen erheblichen Mehrwert und kann somit den teilnehmende Museen als erfolgreiches Marketinginstrument dienen. Wer hat sich nicht schon mal auf einer Urlaubsreise gefragt, wie man den verregneten Nachmittag sinnvoll mit einem Indoor-Programm nutzen kann? Gerade kleinere Einrichtungen dürften in einem solchen Fall von der einfachen und gleichberechtigten Auffindbarkeit durch PROXIPEDIA profitieren.

Fazit

Die Vorzüge von PROXIPEDIA für den Nutzer liegen auf der Hand: eine einzige, sehr übersichtliche App für alle Museen! Entscheidend für den Durchbruch zur Standardanwendung für Kulturinteressierte wird sein, ob es gelingt, eine großen Teil der Museen zum Mitmachen zu bewegen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind fast 800 Institutionen verzeichnet (zum Vergleich: das Institut für Museumsforschung hat 2015 insgesamt 6710 Museen in Deutschland gelistet). Eine Stichprobe für Osnabrück und Umgebung oder auch den Raum Weser-Ems ergab leider eine noch sehr lückenhafte Erfassung, aber das ist ein halbes Jahr nach Start der App auch nicht verwunderlich.

Der Anspruch der Macher von PROXIPEDIA geht aber über die Erfassung der deutschen Museen weit hinaus. Man möchte sich in Zukunft auch international präsentieren, wie mir CEO Dirk Steinhoff am Telefon verriet. Ein weiteres Ziel ist es, nicht nur Museen, sondern generell Sehenswürdigkeiten und Kunst im öffentlichen Raum mit der App zu erfassen. Ein durchaus reizvoller Gedanke, durch eine beliebige Altstadt zu schlendern und allein auf Knopfdruck zu jedem historischen Gebäude, vor dem man steht, Informationen präsentiert zu bekommen. Der Weg dahin ist allerdings noch weit, aber die klassischen Hinweistafeln und City-Guides für Touristen scheinen ernst zu nehmende Konkurrenz zu erhalten.

Übrigens: PROXIPEDIA präsentiert sich auf der EXPONATEC 2017 vom 22. bis zum 24. November in Köln.

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