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Medienkompetenz in Zeiten von Social Media

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Medienkompetenz

Im Vorfeld der #denkst18 in Nürnberg ruft die Bloggerkonferenz #denkst zur Blogparade #medienkompetent auf. Das ist ja genau mein Thema, dachte ich mir, und griff aus dem möglichen Fragenkatalog drei Fragen heraus, an die ich aus meiner ganz persönlichen Sicht herantreten möchte:

  • Was bedeutet Medienkompetenz für mich?
  • Wie medienkompetent bin ich selbst?
  • Was teile ich über mich in der digitalen Öffentlichkeit?

Der Weg in die sozialen Netzwerke

Eine Debatte über Medienkompetenz ist kaum vorstellbar, ohne den Blick auf die sozialen Netzwerke zu lenken. Meiner Ansicht nach lässt sich Kompetenz in medialen Fragen nirgends besser analysieren als bei Facebook, Twitter und Co. Dabei trennt mich von vielen bloggenden Kollegen vielleicht der Umstand, dass ich in Hinsicht auf Social Media als Spätzünder zu betrachten bin. Ich erlebe diesen Umstand jedoch nicht als Nachteil, aber dazu gleich mehr. Zwar bin ich mit dem Medium Internet intensiv groß geworden und war bereits vor 15 Jahren in der Forenszene sehr aktiv, doch das Bloggen und Social Media im engeren Sinne habe ich erst 2015 für mich entdeckt. Auch mein erstes Smartphone kaufte ich Ende 2013 – entgegen den allgemeinen Trends recht verspätet. Aber ich lernte schnell, weil ich lebenslanges Lernen stets zu meinem Motto mache.

2017 stellte für mich in beruflicher Hinsicht ein Wendejahr dar. Nach vielen Jahren im Angestelltenverhältnis in der Erwachsenenbildung an der Schnittstelle zwischen Kultur, Tourismus und digitaler Bildung ging ich in die Selbständigkeit. Damit bekamen die sozialen Medien für mich einen neuen Stellenwert. Mein Blog bekam Struktur und eine Zielrichtung. Meine Social-Media-Aktivitäten wurden gezielt für die Pflege und den Ausbau beruflicher Netzwerke ausgebaut. Im Übrigen empfinde ich den Umstand, dass in den sozialen Netzwerken private und berufliche Interessen miteinander verschmelzen können, als besonders reizvoll. Schon immer war ich darin bestrebt, mein berufliches Handeln daran auszurichten, dass es auch eine private Komponente beinhaltete.

Ich sehe es durchaus als Glücksfall an, dass ich mit Social Media nicht von Beginn an groß geworden bin, sondern es aus meiner beruflichen Situation heraus eher passiv viele Jahre begleiten durfte. Insofern waren meine eigenen Erfahrungen, die ich dann seit 2015 darin machen durfte, zwar neu, aber vielfach nicht überraschend. Ich habe von Beginn an versucht, soziale Medien nicht als Selbstzweck zu betrachten, sondern sie zielgerichtet einzusetzen. Das müssen nicht zwangsläufig berufliche Vorgaben sein. Auch privat kann man sich bewusst machen, wohin der Weg führen soll. Medienkompetenz bedeutet daher für mich auch immer, sich der Chancen, Risiken und Möglichkeiten eines Mediums bewusst zu sein und danach zu handeln. Vielleicht ist dieser Blick sogar erschwert, wenn man mit einem neuen Medium frühzeitig aufgewachsen ist und nicht die Chance hatte, es auch von außen zu betrachten.

Der Blogger zwischen Meinungsfreiheit und Anfeindung

Eine der ersten Lektionen, die ich bekommen habe, ist der Umgang mit Kritik. Dabei meine ich nicht primär sachliche kritische Anmerkungen – diesen zu begegnen, sollte man als Akademiker gewohnt sein, auch wenn ich mich in dieser Disziplin weiterhin täglich übe. Nein, erstaunt hat mich zunächst die Heftigkeit der Reaktionen auf einige meiner Blogbeiträge, die auch nicht vor plumpen Beleidigungen zurückschreckten. Meist kamen sie aus radikalen politischen Lagern, überwiegend rechts aber – und das hat mich dann doch überrascht – in Einzelfällen auch von links.  „Gutmensch“, „linksgrünversifft“ und „ideologisch verblendet“ sind halt die üblichen Kommentare der in Diskussionskultur weniger Befähigten bei Facebook und Co.

Ein Kulturblog, der sich Anfeindungen von politisch extremistischen Lagern ausgesetzt sieht? Vielleicht liegt es daran, dass ich gerne kontroverse Themen in den Fokus stelle und das beherzige, was der Blogger Peer Wandiger mit folgenden Worten beschreibt:

Der Vorteil eines Blogs ist nämlich, dass er nicht zwangsläufig objektiv sein muss, dass er frech schreiben darf, dass er auch mal kreativ und anders sein kann, als es bei den vielen glatt geschriebenen Magazinen häufig der Fall ist.

Blogger sagen was sie denken, stehen oft mit ihrem Namen ein und Pflegen die Nähe zur Community. Kommentatoren beeinflussen einen Blog außerdem stark, die Diskussion steht häufig im Mittelpunkt und macht einen Artikel erst so richtig interessant. Genau wie der Blogger selbst, der sich eben nicht hinter einer Redaktion versteckt, sondern schreibt worüber er schreiben möchte und dafür im Zweifelsfall auch mal gerade stehen muss. Blogger lieben was sie tun, schreiben ist für sie in der Regel keine Arbeit und das macht Blogs am Ende so interessant und einzigartig.

Um es mit meinen eigenen Worten auszudrücken: Zum Bloggen gehören kontroverse Debatten, ohne sich dabei vom sachlichen Niveau unvertretbar weit zu entfernen. Bloggen heißt Leidenschaft und scharfe Positionierung. Das beinhaltet auch, dem einen oder anderen auf den Schlips zu treten, wie der Fall einer abstrusen Strafanzeige gegen mich belegt. Medienkompetenz ist, dem möglichen harten Gegenwind professionell zu begegnen und sich nicht auf eine Diskussionsebene ziehen zu lassen, die die Sachfrage aus dem Fokus verliert. Daran arbeite ich jeden Tag und lerne stets dazu.

Social Media und die Bürde der Öffentlichkeit

Soziale Netzwerke brachten uns ein bisher nie gewesenes Ausmaß an Öffentlichkeit. Unergründlich ist dabei für mich, warum Menschen ihr Mittagessen fotografieren oder ihre persönlichsten Gedanken mit der ganzen Welt teilen. Auch sehr beliebt: Monate im Voraus verkünden, wann man im Urlaub weilen wird, um auch dem letzten Einbrecher eine Einladung auszusprechen. Der schmale Grat zwischen einer offenen und persönlichen Kommunikationsführung und der unangebrachten Zurschaustellung von Privatem ist dabei eine tägliche Herausforderung, an der sich Medienkompetenz durchaus messen lässt. Medienkompetenz ist nur zu einem geringen Teil die Kenntnis und Anwendung der technischen Aspekte eines Mediums, sondern vielmehr die Einsicht in deren gesellschaftlichen und persönlichen Auswirkungen, deren Möglichkeiten und Risiken.

Ganz in diesem Sinne hat vor wenigen Tagen der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Nikolas Guggenberger eine Aufmerksamkeitssteuer gefordert. Auf die Gefahr hin, dass sich meiner Ansicht nicht viele anschließen werden, halte ich es für eine ausgemachte Schnapsidee, die gesellschaftlichen Auswirkungen eines übermäßigen Konsums der sozialen Medien dadurch abzufangen, dass man eine Steuer auf eine abstrakte, nicht messbare Ressource erhebt. Hier bedarf es vielmehr größerer Investitionen in Bildung und Aufklärung bei den Konsumenten, gerne auch gepaart mit einer wie auch immer gearteten Abgabe auf den Handel mit Daten, die zweckgebunden diese Maßnahmen unterstützen.

Auch ich stelle mir übrigens täglich die Frage, wie viel ich von mir öffentlich preisgeben möchte. Die Definition eine persönlichen Grenze wurde mir jüngst durch einen schönen Satz erleichtert, den ich in den sozialen Netzwerken – wo sonst – las: „Schreibe niemals etwas in sozialen Medien, was du nicht auch auf dem Haus gegenüber deinem Elternhaus lesen möchtest.“ Wenn sich die meisten Menschen an dieser Devise orientieren würden, wären wir in Sachen Medienkompetenz schon einen gewaltigen Schritt weiter.

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