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Die Porta Westfalica – mehr als ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal

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Porta Westfalica
Weserdurchbruch an der Porta Westfalica – Quelle: Tsungam/Wikimedia, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Der Weserdurchbruch und das Tor nach Westfalen

Wer sich ihr mit dem Zug nähert, sieht sie schon von weitem aus der flachen Landschaft ragen: die Porta Westfalica mit dem markanten Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Hier durchbricht die Weser einen schmalen Mittelgebirgskamm. Westlich erstreckt sich das Wiehengebirge, nach Osten schließt sich das Wesergebirge an. Der Weserdurchbruch verbindet die norddeutsche Tiefebene mit Westfalen, genauer dem westfälischen Becken. Das Tor nach Westfalen ist ein geologischer Scheidepunkt, wie er im Buche steht.

Wer die vollständige Breite dieser abwechslungsreichen Landschaft per pedes erleben möchte, dem sei der Start nicht an den unzähligen Parkplätzen für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal empfohlen. Wir begannen unsere Wanderung unmittelbar an der Weser am Fähranleger Barkhausen. An diesem Ort nimmt man den Durchbruch der Weser durch das Gestein der Berge am intensivsten wahr. Am gegenüberliegenden Ufer ragen die Felswände des Jakobsberges, der hier das Weserbergland einläutet, nah des Flussufers in die Höhe. Darunter halten die Züge im Bahnhof der Stadt Porta Westfalica in Nachbarschaft der Steilhänge. In den Sommermonaten kommt am Fähranleger etwas Südseestimmung auf, wenn eine mobile Bar an einem Sandstrand die Radler entlang des Weserradwegs zum Halt animiert.

Weserdurchbruch am Fähranleger Barkhausen
Kaiser-Wilhelm-Denkmal oberhalb der Weser am Wittekindsberg – Quelle: Tsungam/Wikimedia, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Entstehungsgeschichte

Vom Fähranleger ist das Hauptziel der Wanderung bereits deutlich auszumachen. Am Osthang des Wittekindsberges thront auf 268 Meter Höhe das Kaiser-Wilhelm-Denkmal – das Wahrzeichen der Porta Westfalica und ein herausragendes Nationaldenkmal! Das Monument wurde 1896 nach mehrjähriger Planungs- und Bauphase zu Ehren des 1888 verstorbenen Kaisers Wilhelm I. im Beisein seines Enkels, Kaiser Wilhelms II., eingeweiht. Aus Kostengründen mussten die ursprünglich bewilligten Baupläne immer wieder angepasst werden. Der Standort nahe des preußischen Minden war dabei nicht zufällig gewählt, war doch der verstorbene erste Regent der Hohenzollern Preuße. Das Denkmal sollte eben nicht nur zu Ehren des Kaisers errichtet werden, es sollte zugleich auch ein Symbol für die Kaisertreue der preußischen Provinz Westfalen sein.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica gehört in eine lange Reihe von Bauwerken, die in der wilhelminischen Zeit um die Jahrhundertwende in Deutschland entstanden sind und von dem ausgeprägten Nationalismus der Kaiserzeit zeugen. Der Architekt Bruno Schmitz zeichnet auch verantwortlich für das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck in Koblenz und das Kyffhäuserdenkmal im nördlichen Thüringen. Er war also einer der ganz Großen des patriotisch ausgerichteten Historismus und des Monumentalstils. Der Entwurf des Standbildes dagegen stammt von dem Bildhauer Caspar Zumbusch. Da Wilhelm II. kein Reiterstandbild wünschte, entwarf der Künstler eine stehende Monumentalfigur, die unter dem Baldachin Platz fand.

Kaiser-Wilhelm-Denkmal - Entwurf Bruno Schmitz
Kaiser-Wilhelm-Denkmal – Entwurf Bruno Schmitz (um 1890)

Besucherzentrum

2018 wurde die Ringterrasse, von der man einen fantastischen Ausblick in die Ebene und auf das Wesergebirge hat, rekonstruiert und ein Besucherzentrum mit Restaurant eingerichtet. Letzteres bietet Informationen zum Denkmal selbst, aber vor allem auch zur Geschichte des Wittekindsberges. Insgesamt sechs multimediale Stationen stillen den Wissensdurst der Besucher:

  • Kaiserliche Aussichten: Hier wurde im Vorfeld der Ausstellungseröffnung an die Partizipation der Besucher appelliert. Zu sehen sind zahlreiche zugeschickte Fotos von Ausflügen zum Denkmal aus unterschiedlicher Zeit.
  • Rondell: Kreisförmig angeordnete Displays nähern sich der Bedeutung des Monuments aus den drei Perspektiven Kaiser, Denkmal und Publikum an.
  • Panoramawand: Das zentrale Element der Ausstellung ist eine Panoramawand, die die Porta Westfalica in 34 Einzelszenen als Kulturlandschaft vorstellt. Aufgegriffen werden geologische Aspekte wie der hiesige Portasandstein, das Auftauchen der Römer sowie die Industrialisierung.
  • Geomodell: Eine interaktive Landkarte thematisiert Geologie, Natur, Wirtschaft, Naturraum, Verkehr und Siedlung an der Porta Westfalica.
  • Denkmal heute: Die Medienstation bettet das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica in einen internationalen Kontext ein. Die Denkmalkultur und die Denkmallandschaft werden vorgestellt.
  • Kinostation: Zu sehen ist die 120-jährige Geschichte des Monuments in einem Kurzfilm.

Natur und Geschichte am Wittekindsberg

Wanderregion und früher Tourismus

Gibt es etwas Abwechslungsreicheres, als Natur und Kultur auf einer Wanderung zu verbinden? Das vielseitige kulturelle Umfeld des Wittekindsberges macht diese Erfahrung möglich. Die kleine Tour beginnen wir am besten auf der Rückfront des Kaiser-Wilhelm-Denkmals. Dort startet ein spannender Wanderweg entlang des scharfkantigen Gebirgskamms des Wiehengebirges. Linker Hand sind immer wieder Ausblicke auf die langsam zwischen den Feldern dahinfließende Weser zu ergattern. Der Weg führt nach rund einem Kilometer vorbei am Moltketurm, der als steinerner Aussichtsturm im Jahre 1829 errichtet wurde. Kurze Zeit später passieren wir das burgartig wirkende Berghotel Wittekindsburg, von wo aus sich ebenfalls ein beeindruckend weiter Blick in die westfälische Tiefebene bietet. Der Aussichtsturm und das Ausflugslokal sind Zeugen reger touristischer Aktivitäten des 19. Jahrhunderts. Ein Förderverein bemüht sich, wieder Leben in das alte Gemäuer zu bekommen.

Sakrale Spuren aus dem Mittelalter

Hinter dem Hotel ist bereits die am Waldrand stehende Margarethenkapelle zu erkennen. Bei unserem ersten Besuch des Wittekinsberges war ich zunächst irritiert, denn schnell war nachzuvollziehen, dass es sich um einen Bau aus der Zeit um 1200 handeln musste. Ein wüst gefallenes Dorf ist allerdings an dieser exponierten Lage kaum anzunehmen. Die 1224 erstmals urkundlich erwähnte Kapelle mit zweijochigem, gewölbtem Innenraum ist möglicherweise an der Stelle eines 993 gestifteten Benediktinerinnenklosters entstanden, das aber bereits wenige Jahrzehnte später nach Minden verlegt wurde. Vieles an diesem Ort bleibt hier selbst für den Kunsthistoriker rätselhaft. Es wird vermutet, dass hier entlang des Berges einst ein Pilgerweg existierte.

Nur wenige Meter nördlich der Kapelle, oberhalb einer Klippe, folgt der nächste überraschende Befund. An besagter Stelle wurde jüngst ein kreuzförmiger Kirchenbau aus der Zeit um 1000 ausgegraben. Am überzeugendsten ist die Deutung der sogenannten Kreuzkirche als Klosterkirche oder Grabeskirche eines Adelsgeschlechts. Derartige Zentralbauten über griechischem Kreuz sind nördlich der Alpen selten und können zum Beispiel in Prag oder Krakau archäologisch nachgewiesen werden. Die Grundmauern der Kreuzkirche am Wittekindsberg sind nach der Freilegung mit einem gläsernen Konstrukt als Schutz gegen Witterungseinflüsse versehen worden.

Die Wittekindsburg

Wir befinden uns hier mitten auf einem geschichtsträchtigen Areal, dessen Geschichte bis in die vorrömische Eisenzeit reicht. Eine Befestigung aus dieser Zeit ist archäologisch nachgewiesen. Sie wurde durch eine frühmittelalterliche Burg überbaut. Die Wallanlagen sind im Gelände noch gut auszumachen. Die Bezeichnung als Wittekindsburg ist für zahlreiche vergleichbare Anlagen im weiteren Umkreis überliefert und geht legendenhaft auf den altsächsischen Herzog Widukind (auch Wittekind) zurück, obwohl dieser mit den meisten dieser Burgen wohl keine tatsächlichen Berührungspunkte hatte.

Vermessung Wittekindsburg am Wittekindsberg (Porta Westfalica)
Vermessung Wittekindsburg mit Kreuzkirche und Margarethenkapelle (nach Grabung von 1993 bis 1997 – Quelle: Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen e. V.

Abschließender Tipp: Auf dem Rückweg lohnt der südliche Wanderpfad unterhalb der Klippen. Hier kommt man an der Wolfshöhle vorbei, in der der schon im Mittelalter viel genutzte und auf der Weser verschiffte Portasandstein abgebaut wurde. Die Arbeitsspuren sind am Stein noch deutlich erkennbar. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stammen auch die Steine der meisten älteren Bauwerke am Wittekinsberg von hier.

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