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Das Nowotny-Denkmal in Epe – zum Umgang mit Kriegerdenkmälern

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Ein Kriegerdenkmal im Abseits

Der Österreicher Walter Nowotny war mit 258 Abschüssen einer der erfolgreichsten – oder auch tödlichsten – Jagdflieger der deutschen Luftwaffe im zweiten Weltkrieg. Am 8. November 1944 wurde er in der Nähe der Stadt Bramsche beim Landeanflug auf den Militärflugplatz Achmer abgeschossen. An der Absturzstelle bei der Bauernschaft Epe schuf man ein Denkmal mit Überresten seiner Maschine und der Inschrift:

Hier fiel am 8.11.1944 nach 258 Luftsiegen der Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten Major Walter Nowotny für Volk und Vaterland.

Ursprünglich soll zusätzlich der Führer genannt worden sein.

Das Denkmal liegt schwer auffindbar abseits der üblichen Verkehrswege und wäre sicher längst in Vergessenheit geraten, wenn Nowotny kein NSDAP-Mitglied und glühender Anhänger des Nazi-Regimes gewesen wäre. Ein Star des NS-Propaganda! Seinem heldenhaften Tod widmete die Deutsche Wochenschau einen längeren Abschnitt (ab 0:23). So verwundert es nicht, dass sich an jener Stelle bei Epe immer wieder Rechtsgesinnte einfinden. Auch ein frisches Gesteck der Traditionsgemeinschaft Westfalengeschwader wird dort regelmäßig gesichtet.

Die kontroverse Diskussion um die Gedenkstätte entfachte erneut im Frühjahr dieses Jahres durch eine Artikel der taz. Dieser berichtete kritisch über den rechten Kult um Nowotny, der nicht nur in Epe, sondern auch an seinem Grab in Wien und im Internet zu finden ist. Die Österreicher haben übrigens 2003 der Grabstelle Walter Nowotnys in Wien den Ehrenstatus aberkannt.

Nowotny-Denkmal Epe

Bramsches Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe

In Bramsche hat dagegen eine kritische Auseinandersetzung mit dem Erbe des NS-Regims in Hinblick auf die Gedenkstätte in Epe erst gerade begonnen. Bürgermeister Heiner Pahlmann betont hierbei, dass Bramsche keine geschichtsvergessene Stadt sei. Die Presseberichte haben unerwartete Resonanz hervorgerufen. So sind der Redaktion der NOZ mehrere Briefe mit zum Teil extremen Positionen zugegangen:  Eine anonyme Nachricht, die sich deutlich für den Erhalt des Nowotny-Denkmals ausspricht,  ist mit „NPD Deutschland“ unterzeichnet. In einem weiteren Schreiben, offenbar verfasst von einem ehemaligen niederländischen Nato-Angehörigen, wird es als „Schandfleck für Bramsche“ bezeichnet. Ein anderer Leser schickte gar einen Brief nach Raanana, der Partnerstadt Bramsches in Israel: Ob man dort darüber informiert sei, dass man in Bramsche ein Nazi-Monument pflege.

Was soll man tun mit einem Kriegerdenkmal, das für viele kriegsverherrlichend gedeutet und entsprechend auch von rechtskonservativen Gruppierungen frequentiert wird? Ist ein Denkmal nicht auch ein Stück Geschichte, das zu einem kritischen Umgang mit der eigenen Vergangenheit beitragen kann? Ist es legitim, ein solches zu entfernen? Oder ist ein Kompromiss denkbar, der zum Beispiel in Form einer erläuternden Tafel umgesetzt werden könnte? Solche Fragen wird sich das Gremium stellen müssen, welches einen Vorschlag zum zukünftigen Umgang der Stätte erarbeitet. Dieser soll am 24. August dem Stadtrat vorgelegt werden.

Die öffentliche Diskussion

Kommunikationstechnisch fragwürdig stellt sich in diesem Zusammenhang allerdings die Entscheidung des Gremiums dar, das Ergebnis der in der Presse angekündigten Sitzungen geheim zu halten. Die gleichzeitige Entfernung der Schrifttafel, die erst im Nachklang als Vorsichtsmaßnahme gegen mögliche Souvenirjäger erklärt wurde, hat in den sozialen Medien die Spekulationen über den Verbleib der Tafel hochkochen lassen. Die Öffentlichkeit muss sich somit noch gedulden.

Das Thema wird auch unter der Bramscher Bevölkerung sehr emotional geführt. In der von Andreas Rösner gegründeten und administrierten Facebook-Gruppe „Bramsche… hier bin ich Zuhause“ wurde der jüngste NOZ-Artikel zum Thema Nowotny-Denkmal aufgegriffen. In einem kurzen Statement sprach ich mich zunächst gegen jegliche Art von kriegsverherrlichenden Gedenkstätten aus, womit ich mich von den zum Teil rechtspopulistischen und aggressiven Meinungsäußerungen pro Denkmal deutlich zu distanzieren versuchte. Irritierend ist allerdings, dass dies zur sofortigen Löschung des Kommentars und meinem Ausschluss aus der Gruppe führte. Wer dies warum veranlasste, blieb trotz Nachfrage offen. Es drängt sich allerdings vehement der Eindruck auf, dass hier anders lautende Ansichten konsequent unterdrückt werden sollten.

Ein Kompromiss

Letztlich könnte der Kompromiss einer Kommentierung des Denkmals, wie man es auch von den Editionen von „Mein Kampf“ kennt, vielen Ansprüchen und Interessen gerecht werden. Insbesondere könnte es den Ort als Stätte deutscher Geschichte entideologisieren. Es bleibt der Zweifel, ob eine entsprechende Informations-Tafel lange Bestand haben würde und die beabsichtigte Wirkung, das Denkmal dem NS-Kult zu entziehen, entfalten könnte. Ich bin der Ansicht, dass es einen Versuch wert ist. Sollte der Kompromiss letztlich scheitert, muss das Gremium erneut tagen. Wünschenswert wäre dabei allerdings, die Bevölkerung – zumindest den Teil, der willens ist, in einem konstruktiven Dialog mit der sensiblen Problematik umzugehen – in die Entscheidungsfindung einzubeziehen.

Update: Das Nowotny-Denkmal in Epe – zum Wandel der Erinnerungskultur

One thought on “Das Nowotny-Denkmal in Epe – zum Umgang mit Kriegerdenkmälern

  1. Der Rat hat den Empfehlungen des Arbeitskreises folgend entschieden: Bramsche wird ein neues Mahnmal erhalten. Die Umgebung um den Stein in Epe wird pflegeleicht gestaltet und es wird eine neue Tafel mit der folgenden Inschrift geben: Dieses Mahnmal war ursprünglich ein Gedenkstein für den an dieser Stelle abgestürzten Jagdflieger Walter Nowotny. Der Stein wurde noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgestellt und Ende der 50er Jahre von der damaligen Gemeinde Epe wiederhergerichtet. Er trug folgende Inschrift:

    „Hier fiel am 8.11.1944 nach 258 Luftsiegen der Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brilanten Major Walter Nowotny für Führer, Volk und Vaterland geb. 7.12.1920 Gmünd/Oestr.“

    Das Wort „Führer“ wurde bei der Wiederherrichtung aus dem Text weggelassen.

    Dieser Gedenkstein dokumentierte in der ersten Nachkriegszeit eine Form der Erinnerungskultur, der wir nach unserem heutigen Wissen und Gewissen widersprechen. Jetzt mahnt er uns, nicht vermeintlicher Kriegshelden zu gedenken, die Teil eines Unrechtsregimes waren.

    Wir gedenken stattdessen der Opfer des Krieges und der Menschen, die Widerstand gegen die menschenverachtende nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft geleistet haben.

    Stadt Bramsche

    im August 2017

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