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Die bischöfliche Residenz Meersburg am Bodensee

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Meersburg
Blick vom Bodensee auf Meersburg mit Unter- und Oberstadt

Stadtgeschichte von Meersburg

Eindrucksvoll thront das kleine Städtechen Meersburg an einem Hang am Nordufer des Bodensees und hinterlässt gerade vom Wasser her mit seiner historischen Silhouette einen bleibenden Eindruck. Die Ende des 10. Jahrhunderts erstmals genannte, wahrscheinlich königliche Burg bezog ihre Funktion zunächst durch den Schutz einer Fährverbindung an der Fernstraße von Ulm nach Konstanz. Als Stadtherren von Meersburg fungierten ab dem 12. Jahrhundert die Bischöfe von Konstanz. Das Suburbium neben der Burg erhielt 1235 Markrechte. 1299 wurden die Stadtrechte verliehen, wobei die alte Fischer- und Fährsiedlung am Ufer des Bodensees einbezogen wurde. Diese Zweiteilung der Stadt ist noch heute augenfällig: Der Oberstadt mit Burg und Schloss sowie Marktplatz steht die Unterstadt mit dem Hafen gegenüber.

Meersburg - Oberstadt
Die Meersburger Oberstadt mit der Hofapotheke rechts, dem Alten Schloss links und der Stadtkirche im Hintergrund

Meersburg war seit dem Hochmittelalter aufs Engste mit den Geschicken der Stadtherren, der Bischöfe von Konstanz, verbunden. Die Burg gaben Sie zunächst als Lehen an die Grafen von Rohrsdorf. Von 1211 an waren Burg und Siedlung direkter Besitz der Bischöfe. Von 1526 bis 1803 war Meersburg unmittelbar Residenzort der Konstanzer Bischöfe. Die Umsiedlung des bischöflichen Hofes über den Bodensee war Folge der Einführung der Reformation in der Freien Reichsstadt Konstanz. Die Fürstbischöfe verweilten auch nach der Rekatholisierung von Konstanz am Nordufer des Sees. Das Alte Schloss blieb zwar in der Stadt bestehen, verlor aber im 18. Jahrhundert seine Funktion an das Neue Schloss als repräsentativen Wohnsitz des Bischofs. Nach Auflösung des Hochstiftes Konstanz 1803 ging Meersburg an Baden und verlor allmählich seine Bedeutung.

Historischer Stadtrundgang: Mittelalter und Barock

Altes Schloss

In exponierter Hanglage an einem Bergsporn und dich mitten im Gewirr der Gassen und Plätze von Meersburg liegt das Alte Schloss – präziser als Burg zu bezeichnen -, die Keimzelle der Stadt. Obwohl der Bau wesentlich älteren Ursprungs ist, setzten die ersten Baunachrichten erst im Jahre 1344 unter Bischof Nikolaus I. ein. Kern der Anlage ist ein Bergfried (Dagobertsturm) über quadratischem Grundriss. An diesen schließen sich L-förmig die Wohnbauten des Palas und der Dürnitz an. Die starke Befestigung der Anlage manifestiert sich an den umgebenden Rundtürmen an den Eckpositionen der Burg. Malerisch wirkt zudem das Torhaus mit Kreuzigungsgruppe, das über einen tiefen Graben erreichbar ist.

Meersburg - Altes Schloss und Neues Schloss
Kontrastreich: Mittelalter und Barock – Altes Schloss (links im Vordergrund) und Neues Schloss (rechts im Hintergrund)

Die Architektur hat in ihrer Zeit als Residenz mehrere Umbauten erfahren, insbesondere Anfang des 16. Jahrhunderts unter Bischof Hugo von Hohenlandenberg, die aber den Gesamteindruck einer mittelalterlichen Burganlage kaum schmälern. Diese Anmutung wird bei einem Rundgang durch das Gemäuer durch die liebevolle und detailreiche Ausstattung noch verstärkt. Ihre Provenienz bleibt indessen in den meisten Fällen offen oder ist dem 19. Jahrhundert zuzurechnen. Zu den authentischen Räumen sind der gewölbte Rittesaal, der zweischiffige Fürstensaal des 17. Jahrhunderts und weitere Räume im Palas zu zählen.

Neues Schloss

Da die alte Burg trotz ihrer Umbauten für die Hofhaltung eines Kirchenfürsten zunehmend ungeeignet erschien, entschied sich Johann Franz Schenk von Stauffenberg Anfang des 18. Jahrhunderts für einen Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft im Bereich der Vorburg. Zu diesem Zweck mussten auch mehrere Bürgerhäuser weichen. Die Bauarbeiten begannen 1710 nach Plänen von Christoph Gessinger, doch erst mit dem Regierungsantritt Damian Hugo Philipp von Schönborns erhielt der Neubau ab 1740 mit der Schlosskapelle und dem repräsentativen Treppenhaus einen entscheidenden Abschluss. Unter dem ab 1759 residierenden Fürstbischof Franz Konrad von Rodt fanden weitere Bauarbeiten an den Fassaden statt, die in diesen Jahren ihre endgültige Erscheinung im Stile des Rokoko erhielten.

Die Pläne für das Treppenhaus und die Schlosskapelle stammten von keinem Geringeren als Balthasar Neumann, einem der bedeutendsten Baumeister des süddeutschen Barock. Allerdings erfolgten die Ausführungen vor Ort unter der Leitung anderer Bauleiter. Das Treppenhaus, eine der bedeutendsten Raumschöpfungen Süddeutschlands, wartet mit von Löwen gehaltenen Wappen des Hochstiftes und des Fürstbischofs sowie mit den Standfigurenpaaren von Neptun und Demeter einerseits und Jupiter und Juno andererseits auf. Die Ausstattung der Schlosskirche geht auf Gottfried Bernhard Göz zurück; die Stuckaturen schuf wieder einer der ganz großen süddeutschen Barockkünstler: Joseph Anton Feuchtmayer. Die Pilastergliederung der Wände geht kunstfertig in die illusionistische Architektumalerei des Deckenspiegels über und erweitert den kleinen Raum auf diese Weise optisch. In der Mittelachse steht der kontrastreich durch roten Grund und weiße Stuckfiguren in Szene gesetzte Altar mit Kreuzigung und Dreifaltigkeit.

Meersburg - Neues Schloss -Schlosskapelle
Neues Schloss: Schlosskapelle

Die Innenausstattung des Schlosses – speziell der in späten Rokokoformen und frühen klassizistischen Motiven gestaltete Festsaal – ist das Werk des kurmainzischen Hofmalers Giuseppe Appiani und des Stuckateurs Carlo Luca Pozzi. Baumeister der Spätphase war Franz Anton Bagnato, der vorwiegend für den Deutschen Orden tätig war und Neumanns Pläne für das Treppenhaus modifizierte. Das Ergebnis dieses Stelldicheins der barocken Künstler von Rang war ein auf Fernsicht angelegter einflügeliger Residenzbau mit Risaliten, dessen Fassaden sich durch bewegte Giebelformen und eine Kolossalordnung auszeichnen.

Barocke Hof- und Wirtschaftsbauten

Parallel zum Schlossbau entstanden östlich von Schloss und Stadt unter der Bauleitung von Bagnato Wirtschaftsgebäude, von denen der vierflügelige Reit- und Stallhof mit Ställen, Remisen und Zeughaus heraussticht. Noch weiter nach Osten steht in unmittelbarer Achsbeziehung zum Reit- und Stallhof das 1725 begonnene Priesterseminar. Derartige Bauten waren seit dem Konzil von Trient (1545–1563) Pflicht in jedem Bistum. Der bedeutendste Raum in der Meersburger Anlage ist die Kapelle St. Karl Borromäus. Es waren wiederum Pozzi und Appiani sowie Johann Baptist Brenni, die mit kühnen Architekturperspektiven und illusionistischen Malereien ein Hauptwerk des süddeutschen Rokoko schufen.

Die bischöflichen Bauten bilden am rebenbesetzten Steilufer des Bodensees unmittelbar über dem Hafenbecken eine Kulisse von besonderer Fernwirkung. Hierzu gehört auch der auf zwei Terrassen vor der Seefassade des Schlosses liegende Lustgarten mit Teehaus. Er geht auf einen älteren Garten zurück, der bereits 1593 angelegt wurde. Eine barocke Treppenanlage bildet das verbindende Element zwischen den Gartenterrassen und der alten Burg.

Meersburg - Reit- und Stallhof und Priesterseminar
Reit- und Stallhof (links) und Priesterseminar (rechts) am Steilufer über dem Hafen von Meersburg

Die Oberstadt rund um den Marktplatz

Die Oberstadt von Meersburg wird neben den Residenzbauten von zwei Platzanlagen dominiert: vom Schlossplatz, an dem auch das Neue Schloss steht, und vom Marktplatz. Verbunden werden beide Plätze durch eine Tordurchfahrt, die unmittelbar durch das Rathaus führt. Diese ungewöhnliche städtebauliche Situation ergibt sich durch den Umstand, dass das zur ersten Stadtumwehrung gehörende Felbentor in den 1551 begonnenen Neubau des Rathauses einbezogen wurde.

Meersburg - Rathaus und Gasthaus Zum Löwen
Rathaus und Gasthaus Zum Löwen am Marktplatz

Der kleine Marktplatz wird gesäumt von einer malerischen Kulisse aus Fachwerk- und farbenfrohen Putzbauten, darunter die beiden historischen Gasthäuser Zum Bären und Zum Löwen. Hier treffen alle bedeutenden Straßenachsen der Oberstadt zusammen: Nach Osten verlängert sich der Platz zum spätmittelalterlichen Torturm des Obertores; nach Norden führt die Kirchstraße vorbei am Dominikanerinnenkloster Heilig-Kreuz zur Pfarrkirche Mariä Heimsuchung, nach Westen leitet die Steigstraße hinab zur Unterstadt. Sie führt vorbei an einer Reihe stattlicher Fachwerkbauten und dem hübschen Bärenbrunnen an der malerischen Schlossmühle, die vor der aufsteigenden Kulisse der Burg steht.

Bedeutende Einzelbauten finden sich vor allem am Schlossplatz. Im Winkel zur alten Burg und zur Schlossmühle wurde ab 1605 die Hofapotheke mit mächtigen Staffelgiebeln an der Stelle eines älteren Spitals errichtet. Gegenüber der Schlossfassade bildet eine stattliche Häuserzeile einen Gegenpol zur höfischen Pracht des 18. Jahrhunderts. Bedeutendster Bau des Ensembles ist das viergeschossige barocke Rodtsche Palais aus der Zeit um 1700. Über dem Portal prangt das Wappen des Fürstbischofs Marquardt Rudolf von Rodt. Es diente noch vor der Errichtung der neuen Residenz als repräsentativer Wohnbau für hohe geistliche Beamte. Neben dem Palais steht ein weiterer prominenter Hofbau, ein 1625 datiertes Beamtenhaus. Nach Norden hin wird der Schlossplatz von der klassizistischen Hauptwache begrenzt.

Die Unterstadt an der Seepromenade

Die Hauptachse der Unterstadt bildet die Unterstadtstraße mit einem Baubestand aus dem 18. und 19. Jahrhundert. An ihrem westlichen Ende steht das schlichte Unterstadttor. Nach Osten führt sie auf den Meersburger Hafen zu. Mit der spätmittelalterlichen Gred, einem mit hohen Staffelgiebeln besetzten Korn- und Lagerhaus aus der Zeit um 1500, ist ein Zeugnis der wirtschaftlichen Bedeutung der bischöflichen Residenzstadt erhalten. Erichtet wurde es von Fürstbischof Hugo von Hohenlandenberg, der es anschließend an die Stadt verkaufte, um einen Handelsort unmittelbar am Hafenanleger zu etablieren.

Meersburg - Hafen mit Gred
Der Meersburger Hafen mit dem Gred (Speichergebäude)

Würdigung als touristische und historische Destination

Meersburgs Altstadt besticht durch ihre Topografie und die vielfältigen Residenzbauten auf engstem Raum in den Weinhängen. Vom Mittelalter bis zum Spätbarock kann man die historische Bedeutung der kleinen Stadt für die Konstanzer Bischöfe anhand ihrer Architektur ablesen. Die fachwerkesäumten Gassen und das Blau des Bodensees, der bis an die historische Bausubstanz der Altstadtgassen heranreicht, machen die Anziehungskraft des Ortes aus. Entsprechend ist Meersburg weit über die Grenzen der Bodenseeregion als touristische Destination bekannt. Übrigens: Die Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff verbrachte ihre letzten Jahre auf der Burg Meersburg und ist hier auch gestorben.

Meersburg - Hofapotheke und Schlossmühle
Blick aus der Steigstraße hinauf zur Hofapotheke – im Vordergrund der Bärenbrunnen, dahinter die Schlossmühle

Zweifelsohne stellt Meersburg einen der historisch bedeutendsten Orte am Bodensee dar, und das Stadtbild ist ausgesprochen pittoresk geprägt. Aber genau das wird ihm auch zum Verhängnis. Tagsüber tummeln sich unzählige Touristen in den Gassen, die von Souvenirläden und Gastronomieangeboten überquellen. Während dies in der Oberstadt noch einen gewissen Charme besitzt, ist die Unterstadt, die letztlich nur aus der Unterastadtstraße und der parallel verlaufenden Seepromenade besteht, an den Wochenenden und in der Hochsaison kaum zu betreten. Hinzu kommen noch die unzähligen Fähranleger, die zu Ausflügen auf den Bodensee oder zur Überfahrt nach Konstanz bzw. auf die schweizerische Seite einladen. Der Zeitpunkt eines Stadtrunsganges sollte daher bewusst gewählt sein.

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