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Das Nowotny-Denkmal in Epe – zum Wandel der Erinnerungskultur

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Nowotny-Denkmal Epe

Nach kontroversen öffentlichen Diskussionen hat nun endlich das eigens hierfür zusammengesetzte Gremium eine Lösung zum Umgang mit dem umstrittenen Nowotny-Denkmal in Epe präsentiert. Lediglich der Stadtrat von Bramsche muss noch zustimmen.

Von den drei grundsätzlichen Möglichkeiten – unveränderter Erhalt, Abriss und kommentierende Ergänzung – entschied man sich für den Mittelweg. Zukünftig soll folgender Text am Denkmal zu lesen sein:

Dieses Mahnmal war ursprünglich ein Gedenkstein für den an dieser Stelle abgestürzten Jagdflieger Walter Nowotny. Der Stein wurde noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgestellt und Ende der 50er Jahre von der damaligen Gemeinde Epe wiederhergerichtet. Er trug folgende Inschrift:
„Hier fiel am 8.11.1944 nach 258 Luftsiegen der Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten Major Walter Nowotny für Führer, Volk und Vaterland
geb. 7.12.1920 Gmünd/Oestr.“
Das Wort „Führer“ wurde bei der Wiederherrichtung aus dem Text weggelassen.
Dieser Gedenkstein dokumentierte in der ersten Nachkriegszeit eine Form der Erinnerungskultur, der wir nach unserem heutigen Wissen und Gewissen widersprechen. Jetzt mahnt er uns, nicht vermeintlicher Kriegshelden zu gedenken, die Teil eines Unrechtsregimes waren.
Wir gedenken stattdessen der Opfer des Krieges und der Menschen, die Widerstand gegen die menschenverachtende nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft geleistet haben.
Stadt Bramsche
im August 2017

Die Entscheidung, das Denkmal zu einem Mahnmal gegen jegliche Art der Kriegsverherrlichung umzudeuten, ist richtig, weil sie dem sensiblen Thema gerecht wird, ohne die Geschichte des Denkmals zu negieren. Es verdeutlicht den Wandel in der Erinnerungskultur unserer Gesellschaft und macht den Weg frei für die Entideologisierung des Ortes. Diskutieren ließe sich, ob die Entfernung der bisherige Schrifttafel unumgänglich war oder nicht eine Ergänzung dem substanziellen Denkmalwert gerechter geworden wäre.

Ob die öffentliche Debatte durch die Entscheidung verstummen wird, bleibt abzuwarten. Gerade in den sozialen Medien werden derartige Kontroversen mit verhärteten Fronten geführt. Einige Schreiber versuchen, die Diskussion politisch und ideologisch zu missbrauchen. Dabei verkennen sie, dass es sich hierbei im Grunde nicht um einen politischen, sondern vielmehr um einen gesellschaftlichen Diskurs handelt. In einer Bramscher Facebook-Gruppe wurde jüngst eine umfangreiche und lebhafte Diskussion zum Thema Nowotny-Denkmal gelöscht. Was die Administratoren dazu bewog, das blieb trotz Nachfragen unbeantwortet. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern bedenklich. Auf diese Weise wird die öffentliche Meinungsbildung manipuliert. Diejenigen, die die kritische Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema durch unpassende und beleidigende Einwürfe zu verhindern trachten, haben durch die Löschung ihr Ziel erreicht. Hier sehe ich die Administratoren einer solchen Gruppe in der Verantwortung, der sie alles andere als gerecht wurden.

Update (21.12.17): Im Dezember 2017 ist die beschlossene Umgestaltung vom Denkmal zum Mahnmal für die Opfer des Krieges und zur Erinnerung an den Widerstand gegen die nationalsozialistische Herrschaft umgesetzt worden. Das Resultat ist zwar inhaltlich überzeugend, tat dem Ort aber in seiner optischen Wirkung nicht wirklich gut. Bewuchs, Umzäunung und Weg sind verschwunden, so dass das Mahnmal stelenartig und einsam in der Landschaft steht.

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5 thoughts on “Das Nowotny-Denkmal in Epe – zum Wandel der Erinnerungskultur

  1. Was bedenklich? Immer diese verdammten besserwisser und Gutmenschen. Das Denkmal steht da 60 Jahre und das war gut so. Niemand hatbdas Recht einer Umwidmung!

    1. Nein, Herr Barkau, das war nicht gut so. Ihr Kommentar zeigt doch nachdrücklich auf, dass die kritische Auseinandersetzung mit derartigen Denkmälern nötig ist. Daran ändert sich auch nichts, wenn Sie andere beleidigen, die etwas mehr Weitsicht bei sensiblen Themen an den Tag legen als Sie.

  2. Gute Entscheidung, hätte aber auch konsequenter ausfallen können! 258 Anschüsse für eine grauenhafte Sache werden immer noch wie eine sportliche Höchstleistung verehrt und bewertet! Hat ein mindestens 258facher Mörder so eine Verehrung verdient?

  3. Ich finde es mehr als beschämend wie hier mit den Gefallenen umgegangen wird. Jeder hat vorfahren die im Krieg waren. Hasst igr die denn dann alle?
    Das gehört zu unserer Geschichte und ja es USt toll solche Stätten zum Gedenken zu haben.

    1. Ich glaube, da haben Sie etwas gründlich missverstanden. Hier geht es nicht um Hass oder Sympathie. Die Entscheidung des Stadtrates – die noch morgen erfolgen muss – dürfte kaum auf den Menschen Nowotny bezogen sein. Es geht darum, wie wir in Zukunft verantwortungsvoll mit kriegsverherrlichenden Stätten umgehen wollen. Wie kann man das Denkmal in einen Kontext stellen, der weder die einzelne Person verteufelt, noch den Krieg und die nationalistische Zeit verharmlost. Die Stätte als Gedenkort bleibt doch erhalten, sie lenkt den Blick nur auf einen anderen Aspekt, der der gesellschaftlichen Verantwortung gerechter wird.

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