
Inhalt
Onlinepräsenz im Kultursektor
Kulturbetriebe, insbesondere Museen, müssen häufig unter sehr schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen haushalten. Nicht selten ist es der eigene Webauftritt, an dem man die Sparmaßnahmen ablesen kann: schlecht gepflegt, auf mobilen Geräten schwer nutzbar, nicht barrierearm oder technisch veraltet. Was im günstigsten Fall dem Online-Marketing schadet, wird schnell zu einem Sicherheitsrisiko für die Webpräsenz des Museums.
Dabei sollte die eigene Website eine zentrale Stellung im Marketingkonzept und in der Vermittlungsarbeit eines Kulturbetriebes einnehmen. Sie ist nicht nur digitale Visitenkarte, sondern häufig erster Kontaktpunkt, Servicebereich, Veranstaltungsarchiv und Zugang zu Sammlungen, Bildungsangeboten oder Tickets. Manchmal entscheidet der Eindruck auf der Website über die Entscheidung für oder gegen einen Museumsbesuch. Wie kann man diesem Spannungsverhältnis zwischen Anspruch und fehlenden Ressourcen begegnen?
Überblick Content Management Systeme
WordPress, Joomla, TYPO3 und Drupal
Bei der Entscheidung für einen Relaunch der Webpräsenz ist die Wahl eines passenden Content Management Systems (CMS) von weitreichender Bedeutung. CMS sind Systeme, die die Erstellung und Pflege einer Website mit vergleichsweise geringem Aufwand ermöglichen. Sie sind längst auch in Kulturbetrieben Standard und in den meisten Fällen ohne wirkliche Alternative. Doch gibt es eine geradezu unübersehbare Vielzahl unterschiedlicher Systeme. Mit einer Entscheidung legt man sich nicht nur über viele Jahre für ein CMS fest, sondern beschwört damit nicht selten weitere langjährige Kosten herauf. Umso wichtiger ist es, nicht allein nach Bekanntheit oder Gewohnheit zu entscheiden, sondern nach den tatsächlichen Anforderungen der Einrichtung.
Zunächst einmal gilt es daher zu klären, ob sehr spezielle Anforderungen an das CMS vorhanden sind, die es unausweichlich machen, ein kostenpflichtiges System zu nutzen oder sich gar programmieren zu lassen. Diese Kostensteigerung ist in den seltensten Fällen notwendig. Die gängigsten Content Management Systeme sind nicht nur Open-Source-Projekte und damit kostenlos, sondern lassen sich durch Erweiterungen und unzählige Designs sehr individuell gestalten und einsetzen.
Die bekanntesten Open-Source-CMS sind WordPress, Joomla, TYPO3 und Drupal. WordPress besitzt weltweit weiterhin einen enormen Vorsprung. Joomla, TYPO3 und Drupal spielen zahlenmäßig eine deutlich kleinere Rolle, bleiben aber je nach Einsatzbereich relevante Alternativen. Gerade Drupal sollte man bei größeren, stärker strukturierten oder technisch anspruchsvolleren Webprojekten nicht vorschnell ausklammern. Die aktuellen Zahlen kann man unter anderem bei W3Techs studieren. Der enorme quantitative Vorsprung von WordPress ist im Übrigen dadurch zu erklären, dass dieses CMS ursprünglich für den Betrieb eines Blogs entwickelt wurde und in diesem speziellen Segment bis heute eine marktbeherrschende Stellung einnimmt. Für viele kleinere Kultur-Websites ist WordPress daher weiterhin naheliegend. Das bedeutet aber nicht, dass es für jedes Museumsprojekt automatisch die beste Wahl ist. Schauen wir uns die vier Kandidaten WordPress, Joomla, TYPO3 und Drupal an.
Einsatzbereiche
WordPress
WordPress hat sich längst von einer Weblog-Software zu einem vollständigen CMS entwickelt. Sein Plus ist vorwiegend in der einfachen Installation, Einrichtung und Bedienung zu sehen. Ich empfehle WordPress für kleinere bis mittlere Websites und insbesondere dann, wenn ein Blog in die Seite integriert werden soll. Auch für kleinere Museen und Kulturbetriebe kann WordPress weiterhin eine sehr naheliegende Lösung sein, sofern keine besonders komplexen Anforderungen an Datenstrukturen, Rechteverwaltung oder Schnittstellen bestehen.
Joomla
Bei Joomla sind Installation und Einrichtung ebenfalls gut zu bewältigen, allerdings erfordert die spätere Arbeit doch etwas mehr Einarbeitungszeit. Dafür brilliert Joomla mit einer sehr hohen Flexibilität und einer großen Community, die das System stets mit Erweiterungen und Templates für Design und Layout versorgt. Für kleinere bis mittlere Projekte kann Joomla weiterhin geeignet sein, spielt aber insgesamt eine deutlich kleinere Rolle als WordPress.
TYPO3
TYPO3 zeichnet sich zwar ebenfalls durch hohe Flexibilität und eine sehr durchdachte Bedienung aus. Doch die Einrichtung des Systems, das mit einer eigenen Konfigurationssprache und einem sehr umfangreichen Funktionsspektrum daherkommt, stellt eine hohe Hürde dar. TYPO3 kommt daher vor allem bei mittleren und größeren Webprojekten zum Einsatz, insbesondere dann, wenn Mehrsprachigkeit, mehrere Websites, komplexe Redaktionsrechte oder institutionelle Strukturen abgebildet werden müssen. Es ist somit nicht weiter verwunderlich, dass bei der Umsetzung einer neuen Website mit diesem System die Kosten deutlich höher ausfallen können.
Drupal
Drupal sollte man ebenfalls nicht vorschnell ausklammern. Das System ist besonders stark, wenn Inhalte sehr strukturiert erfasst, unterschiedlich ausgespielt, mit Rollenrechten versehen oder über Schnittstellen weiterverarbeitet werden sollen. Für größere Museen, Verbünde, wissenschaftliche Einrichtungen oder Portale mit komplexeren Anforderungen kann Drupal daher eine sehr interessante Option sein. Für kleine Websites ohne besondere technische Anforderungen dürften der Aufwand und die notwendigen finanziellen und administrativen Ressourcen hingegen oft zu hoch sein.
Nachhaltigkeit für Museen und Kultureinrichtungen
Ich empfehle und bevorzuge für viele kleinere Projekte weiterhin WordPress, bei passenden Anforderungen auch Joomla, Drupal oder TYPO3 als CMS, auch aus einem anderen Grund: Nachhaltigkeit! Gerade kleinere Museen und Kultureinrichtungen haben nicht das Budget, sich über Jahre hinweg von Web-Agenturen abhängig zu machen, wenn es um die Pflege der eigenen Webpräsenz geht. Die große Verbreitung und die vorhandenen Schulungsangebote rund um gängige Open-Source-CMS sollten es daher ermöglichen, die Mitarbeiter entsprechend schulen zu lassen und bei künftigen Personalentscheidungen diesen Kenntnissen eine hohe Präferenz zu geben.
Insbesondere Geisteswissenschaftler, die praxisnahe Weiterbildungen im Museums- und Kulturbereich durchlaufen haben, bringen heute häufig Kenntnisse in digitaler Dokumentation, Website-Pflege, Datenbanken oder Online-Kommunikation mit. Das frühere Qualifizierungsprojekt REGIALOG wurde bereits 2017 eingestellt, doch Fortbildungsangebote oder Programme der Museumsverbände zeigen, dass digitale Kompetenzen im Museumsbereich weiterhin ein wichtiges Thema sind.
Für den eigentlichen Relaunch der neuen Seite wird man in aller Regel um einen Webdesigner oder eine spezialisierte Agentur aber dennoch nicht herumkommen. Entscheidend ist vielmehr, welche Weichen man für die Zeit danach stellt. Es sollte eine ausreichende inhaltliche Pflege der Webpräsenz durch die eigenen personellen Ressourcen gewährleistet sein. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, eine verständliche Dokumentation, regelmäßige Schulungen und ein realistischer Wartungsplan. Für die technische Pflege wie Updates, Sicherheitsprüfungen und Backups biete ich als Webdesigner Pakete für kleine Budgets an.



