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Ein irisches Dorf im County Mayo
Cong! Warum erinnert mich dieser Name immer an einen riesigen Gorilla und Naomi Watts? Nein, natürlich hat unser Cong nichts mit dem zeitlosen Filmhelden zu tun, der seinen tragischen Tod in New York fand. Cong ist ein kleiner, erstmals im Jahre 1111 erwähnter Ort im Westen Irlands im County Mayo am Eingang der Region Connemara. Mit 145 Einwohnern ist er nach deutschen Maßstäben geradezu winzig. Nach irischen Dimensionen und erst recht in Relation zu der Bevölkerungsdichte Connemaras ist es ein zentraler Ort. Und was für einer!
Cong liegt abseits der relevanten Touristenströme Irlands, die in den letzten Jahren regional und saisonal stark zugenommen haben. Davon wird die Gegend um Cong an der Grenze zwischen der Grafschaft Mayo und der Grafschaft Galway aber weitgehend verschont. Es gibt zwar am Ortseingang einen eigens für Touristen errichteten Parkplatz, doch wird dieser weniger von Bussen als von Individualtouristen angesteuert. Was macht den Charme dieses Ortes aber in dem an landschaftlichen und kulturellen Reizen nicht gerade armen Irland aus?

Cong, das Wasser und der Dry Canal
Cong liegt nicht nur am Eingang der einzigartigen Gebirgslandschaft Connemaras, sondern auch äußerst reizvoll auf einer Landbrücke zwischen zwei der größten Seen der irischen Insel: Lough Corrib und Lough Mask. Das Wasser ist in dem Ort daher jederzeit allgegenwärtig. An jeder Ecke stößt man auf Wasserläufe, die Cong zu einer Insel machen und von kleinen Steinbrücken überspannt werden. Die Wasservögel und die Touristen erfreuen sich daran gleichermaßen. Möglich machen dies die zahlreichen Wasserverbindungen zwischen den beiden großen Seen, die paradoxerweise teilweise unterirdisch verlaufen. Der größte ist der Cong River.
Und es hätten noch mehr Wasserwege sein können, die durch Cong fließen. Dann besäße Cong aber eine kuriose Attraktion weniger – nämlich den sogenannten Dry Canal, eigentlich Cong Canal. Mitte des 19. Jahrhunderts plante man die Verbindung von Lough Corrib und Lough Mask mithilfe eines Kanals, um Güter zu transportieren. Das Projekt wurde nach jahrelanger Bauarbeit 1854 eingestellt, weil man schließlich feststellte, dass das Wasser aufgrund des porösen Kalksteins im Erdreich versickerte. In England war man ob dieses irischen Missgeschicks sicher very amused. Die noch erhaltenen Schleusenanlagen sind heute teilweise begehbar und ein unfreiwilliges Alleinstellungsmerkmal für die Tourismusbranche.
Die Cong Abbey
Am südlichen Ortsrand steht die Cong Abbey, eine Gründung der Augustiner aus dem 12. Jahrhundert, und verleiht diesem Flecken Erde einen typisch irischen Flair. Die ruinösen Gebäude des 13. Jahrhunderts atmen die mystische Atmosphäre einer mittelalterlichen Stätte, an der die Zeit stehen geblieben ist, nachdem die Mönche die Abtei eines Tages verlassen haben. Und natürlich dürfen dabei die allseits bekannten keltischen Kreuze auf dem umgebenden Friedhof nicht fehlen.


Unmittelbar hinter den Resten des Kreuzgangs beginnt bereits die irische Natur, zunächst parkartig, schließlich weitgehend naturbelassen. Nach nur wenigen Schritten überquert man einen Flusslauf, an dessen Ufer ein wahres Kleinod zu entdecken ist: the Monk’s Fishing Cottage. Dieses über einen steinernen Steg zu erreichende Fischerhaus stammt ebenfalls noch aus dem Mittelalter und besitzt in seinem Boden eine schmale Öffnung. Den Mönchen war es dadurch möglich, dem irischen Wetter trotzend stundenlang im Trockenen zu verweilen, bis die Fische anbissen.
Wanderung zu Ashford Castle
Entlang des Flusses führt ein Wanderweg durch den Wald nach Süden zum Lough Corrib. Kurz vor dessen Erreichen eröffnet sich dem Wanderer der Blick auf Ashford Castle, heute ein 5-Sterne-Hotel, mit seinen dahinter liegenden ausgedehnten Gartenanlagen. Es kann allerdings passieren, dass mitten im Wald ein Bediensteter mit Frack und Golf-Buggy auftaucht, um eine stolze Geldsumme pro Person für das Passieren des Geländes zu verlangen, obwohl dort immerhin ein offizieller Wanderweg verläuft. Dieser doch etwas aufdringlichen Aufforderung nach finanzieller Veränderung entgingen wir, indem wir einen der zahlreichen anderen Waldwege einschlugen, die zum Schloss führen. Offensichtlich stellt man immer nur einen Frackträger mit Klingelbeutel an dem am stärksten frequentierten Zugang zum Areal ab.
Später erfuhren wir, dass es in den vergangenen Jahren zwischen dem neuen Besitzer von Ashford Castle, Gerry Barrett, einerseits und der Gemeinde und den Anwohnern andererseits wegen des traditionellen Passierrechtes heftige Auseinandersetzungen gegeben hatte. Auch eine Straßenzufahrt und eine Brücke über den Fluss sind von der eigensinnigen Maßnahme von Barrett betroffen. Ein Streit, der offensichtlich immer noch nicht beigelegt ist!

Ashford Castle: von der mittelalterlichen Burg zum Luxushotel
Ashford Castle stammt ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert, verfiel – wie so häufig in Irland – zur Ruine und wurde im 19. Jahrhundert im viktorianischen Stil von Sir Benjamin Guinness wieder aufgebaut und erweitert. Heute gehört es zu den exquisitesten Hotels, die die Grüne Insel zu bieten hat. Hier übernachteten bereits US-Präsident Ronald Reagan und zahlreiche Weltstars aus Film und Musik wie Oscar Wilde, John Lennon oder Brad Pitt. 1951 drehte der Regisseur John Ford auf dem Gelände und in der Umgebung von Cong den oscarprämierten Film The Quiet Man mit John Wayne als Hauptdarsteller. Dass man darauf mächtig stolz ist, das kann man in den Souvenir-Shops der Gegend und an einem kleinen Museum in Cong noch heute sehen.
Der Ausflug nach Ashford Castle lohnt sich aber wegen der prächtigen Aussicht auf Lough Corrib und der weitläufigen, fast exotisch wirkenden Gartenanlagen mit einer Flora, die allein durch die Größe mancher Baumriesen besticht. Selbst einen hoteleigenen Golfplatz und eine Falknerei, an der man den Umgang mit den majestätischen Greifvögeln erlernen kann, besitzt das Hotel. Der weitere Wanderweg führt entlang des Sees zu einem Chalet, einem hölzernen Aussichtspavillon über den See. Von dort aus kann man den Rückweg durch den Wald antreten. Dabei passiert man zahlreiche Felsenhöhlen, die frei zugänglich sind: Taschenlampe, festes Schuhwerk und warme Kleidung nicht vergessen!

Cong – Irland en miniature
Cong versprüht irische Gemütlichkeit und Tradition. Es lädt zum Verweilen und Entdecken ein, bevor man sich in die einsame Berg- und Küstenregion Connemaras aufmacht oder von dort zurückkehrt. Das Kleinod ist voller Überraschungen und besitzt einen besonderen Charme unter den irischen Dörfern. An Regentagen – und davon gibt es auf der Grünen Insel reichlich – setzt man sich in einen der traditionellen irischen Pubs oder in ein Café. Cong und seine Umgebung vereinen das typische Irland auf engstem Raum. Hoffentlich bleibt es noch lange von den Touristenströmen verschont, die per Bus anreisen und in Reisegruppen der schirmtragenden Reiseleitung folgend die schmalen Gassen des Ortes verstopfen.







und nicht zu vergessen wurde hier der film“The Qiet Man“ mit John Wayne und Maureen O Hara gedreht.ein kleines Museum ist vor Ort
Das Museum und den Film habe in dem Abschnitt über Ashford Castle erwähnt.