
Abbildungen für den Druck einer Publikation
Gelegentlich kommt es vor, dass ich angefragt werde, um Abbildungen für eine Publikation zur Verfügung zu stellen. Dabei handelt es sich häufig um Fotos, die in meinem Kulturblog zu sehen sind. Bei freundlicher Anfrage und der verbindlichen Nennung des Urhebers gebe ich in aller Regel mein Einverständnis für die Nutzung. Manchmal handelt es sich aber auch um die Publikation meiner eigenen Texte. Letztlich sollte dies ein alltäglicher Vorgang sein, aber seit Jahrzehnten hält sich in so mancher Redaktion der hartnäckige Irrglaube, mit der üblichen Auflösung von 300 dpi seien alle notwendigen Informationen für die Bereitstellung der Abbildungen an den Autor bzw. Fotografen übermittelt. Warum diese Angabe vollkommen nutzlos ist und warum die Fotoaufnahmen auf einer Website meist nicht geeignet sind für den Druck, möchte ich daher für alle, die in derselben Situation sind, kurz umreißen.
Die optimale Auflösung von Pixelgrafiken
Wir sprechen bei digitalen Fotografien im Regelfall von Pixelgrafiken (auch: Rastergrafiken). Diese setzen sich aus Millionen Pixeln zusammen, die im Idealfall so klein sind und eng beieinanderliegen, dass das menschliche Auge daraus ein reales Bild formt, bei dem die einzelnen Bildpunkte nicht mehr erkennbar sind. Das Bild wirkt absolut scharf. Wir kennen das von unserer Digitalkamera, wenn sie zum Beispiel in einer Auflösung von 6000 mal 4000 Pixeln Aufnahmen macht. Erst wenn wir in einer Bildbearbeitung einen extremen Zoomfaktor wählen, erkennen wir die einzelnen Bildpunkte.
Nun ist diese absolute Zahl der Bildpunkte und die Begrifflichkeit der Auflösung in einem solchen Fall nicht das entscheidende Kriterium bzw. ist der Begriff irreführend. Im engeren Sinne meint die Auflösung nämlich die Pixeldichte, also die Frage, wie viele Pixel auf einer bestimmten Fläche Platz finden. Und das wiederum ist abhängig davon, in welcher Größe die Datei beim Druck (oder auch auf dem Monitor) ausgegeben wird. Diese Pixeldichte wird in der Regel mit der Maßeinheit dpi (dots per inch) angegeben. Mit dots sind die Pixel gemeint. Um das Problem an einem Beispiel zu veranschaulichen: Eine Aufnahme von 6000 mal 4000 Pixeln mag auf einer DIN-A4-Seite gut aussehen, auf einem großflächigen Plakat oder einem Poster wird man die einzelnen Pixel aber erkennen können, wenn man nicht gerade viel Betrachtungsabstand zum Objekt einnimmt. Die Bildqualität ist aufgrund der Druckgröße des Plakats entsprechend geringer. Im allgemeinen Sprachgebrauch spricht man auch davon, dass das Druckergebnis pixelig, unscharf oder verpixelt ist.
Beim Druck hat sich technisch bedingt gezeigt, dass eine Pixeldichte, also Auflösung, von 300 dpi optimal ist. Eigentlich kann das menschliche Auge schon ab 200 dpi keinen Qualitätsunterschied mehr erkennen. Insofern ist der 300er-Wert als Standard eher theoretischer Natur. Auf einem Monitor ist bereits bei 72 ppi (pixel per inch) eine gute Punktdichte erreicht. Und weil dieser Wert deutlich kleiner als beim Druck ist und die Performance der eigenen Website immer noch ein wichtiges Kriterium für die Suchmaschinenoptimierung darstellt, werden Fotos auf einer Website meistens pixelreduziert – was wiederum die Dateigröße deutlich verringert – angezeigt. Für einen entsprechend großflächigen Druck reicht dies häufig nicht. Ganz unabhängig vom Problem der Urheberrechte ist der Download einer Bilddatei von einer Website für den Zweck des Ausdrucks also nicht zielführend. Anders ausgedrückt: Eine angefragte Pixeldichte von 300 dpi werden wir bei jeder Bilddatei erreichen, wenn man sie denn in der Größe einer Briefmarke druckt.
Konkretes Beispiel zur Pixeldichte im Druck
Versuchen wir, diese Theorie ganz eng an einem konkreten Beispiel anschaulich zu machen. Seit einiger Zeit veröffentliche ich meine Fotos in Blogartikeln in der Auflösung von 1800 mal 1200 Pixeln, damit auch ein fast bildfüllender Zoom auf dem Monitor möglich ist. Bei einem Druck mit der Pixeldichte von mindestens 300 dpi könnte man das Bild dann maximal in der Größe 6 inch mal 4 inch drucken. Inch ist die englische Bezeichnung für Zoll und genau 2,54 cm lang. Somit läge die maximale Bildgröße bei 15,24 cm mal 10,16 cm. Für viele Druckerzeugnisse mag dies nicht ausreichend sein und man benötigt die Datei mit mehr Pixeln. Bei Symbolfotos, wie ich eines hier oben einleitend vor den Text gestellt habe, ist es sogar jeweils nur die Hälfte, da diese bei mir 900 mal 600 Pixel besitzen. Rechenbeispiele (gerundet):
| Bildpixel | max. Druckgröße bei 300 dpi | max. Größe Monitor bei 72 ppi |
|---|---|---|
| 6000 × 4000 | 50,8 × 33,9 cm | 211,7 × 141,1 cm |
| 1800 × 1200 | 15,2 × 10,2 cm | 63,5 × 42,3 cm |
| 900 × 600 | 7,6 × 5,1 cm | 31,8 × 21,2 cm |
| 300 × 200 | 2,5 × 1,7 cm | 10,6 × 7,1 cm |
Diese Beispiele zeigen also, dass jede Datei mit der angeforderten Druckauflösung von 300 dpi ausgeliefert werden kann. Die Frage ist nur, wie groß sie dabei gedruckt werden kann. Ohne die Kombination dieser beiden Werte – der Pixeldichte und des angestrebten Formats des Druckes – können wir nicht berechnen, wie viele Bildpunkte die Druckdaten, sprich die Bilddateien, mitbringen müssen. Grundsätzlich gilt: Je höher die Anzahl der Bildpunkte, desto größer ist das mögliche Druckergebnis und die Druckqualität. Aber: In der Praxis nutzt man beim Druck von sehr großen Plakaten oder Postern dennoch Bilddateien mit weit unter 200 dpi Auflösung, weil der Betrachtungsabstand in den meisten Fällen so groß ist, dass dies nicht ins Gewicht fällt.
Übrigens: Mancher mag jetzt einwenden, man könne doch einfach die Originaldatei direkt aus der Kamera mit 6000 mal 4000 Pixeln zur Verfügung stellen, die reiche doch für recht große Drucke. Das mag zutreffend sein, wenn die Dateien nicht aufwendig mit Photoshop oder einer anderen Bildbearbeitungssoftware nachbearbeitet werden: Anpassung von Tiefen und Lichtern, Korrektur von Farbstichen, Schärfenoptimierung sowie die Entfernung von stürzenden Linien. Diese optimierten Fotografien liegen dann häufig nur in reduzierter Pixelgröße vor.

