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Industriekultur am Schiffshebewerk Henrichenburg

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Schiffshebewerk Henrichenburg
Schiffshebewerk Henrichenburg mit seinen markanten Doppeltürmen

Entdeckung am Dortmund-Ems-Kanal

Es war eine zufällige Entdeckung. Als ich im letzten Jahr im nördlichen Ruhrgebiet zu tun hatte, machte ich einen Spaziergang am Dortmund-Ems-Kanal und dem abzweigenden Rhein-Herne-Kanal, um etwas Zeit zu überbrücken. Ich war positiv überrascht, an dieser Stelle nicht nur viel Grün – ja, ich weiß, der Pott hat davon mehr zu bieten, als man ihm im Allgemeinen zuschreibt – zu entdecken, sondern auch vorzügliche Industriekultur aus der vorletzten Jahrhundertwende: das Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop.

Erst später habe ich in Erfahrung gebracht, dass das Schiffshebewerk zu besichtigen und Teil des LWL-Museumsverbundes ist. Das wir im Besitz des LWL-Museumscard sind, haben wir nun die Gelegenheit genutzt, uns genauer umzuschauen. Und wieder erwartete uns eine positive Überraschung. Hatten wir lediglich ein Industriedenkmal mit einigen Informationstafeln erwartet, so präsentierte es sich vor Ort als vollwertiges Museum mit umfangreichem Freigelände und Ausstellungen. Das Schiffshebewerk ist auf zahlreichen Ebenen begeh- und erkundbar. Es ist der Höhepunkt eines weitläufigen Areals voller Industriekultur.

Schiffshebewerk Henrichenburg
Schiffshebewerk Henrichenburg mit dem Schiffstrog

Das Museums-Areal

Das Schiffshebewerk

Das 1899 errichtete Schiffshebewerk Henrichenburg ermöglichte erstmals den durchgehenden Schiffsverkehr von der Nordsee bis zum Dortmunder Hafen. Es überwindet 14 Meter Höhenunterschied und ist das erste ausgeführte Mehrschwimmer-Hebewerk. Das Bauwerk wird an der Schauseite mit dem Staatswappen vom preußischen Adler geschmückt. Die beiden Türme tragen die Wappen der preußischen Provinzen Westfalen und Hannover, die der Kanal durchzieht. Am Schiffshebewerk Henrichenburg kommen Ingenieurskunst und Schauarchitektur in Vollkommenheit zusammen.

Die Konstruktion ist auf mehreren Ebenen für den Besucher begehbar. Von oben bietet sich ein großartiger Blick rund um die Anlage, den Hafen und entlang des Dortmund-Ems-Kanals. Des Weiteren ist der Schiffstrog zu betreten, in den die Schiffe einfuhren. Und zuletzt kann man unter den Trog herabsteigen, um die Technik der Schwimmer zu inspizieren.

Schiffshebewerk Henrichenburg
Schiffshebewerk Henrichenburg – Ausblick über die obere Konstruktion

Ausstellungen

Gleich neben dem Schiffshebewerk steht die Maschinenhalle. In ihr befindet sich die Dauerausstellung, die über die Geschichte und die Technik des Hebewerks bzw. des Kanals aufklärt. In der Tat braucht es ein wenig Hilfestellung, bis man das Prinzip eines Schwimmer-Hebewerks verinnerlicht hat. Zu diesem Zweck ist ein Modell vorhanden, an das der Besucher selber Hand anlegen darf. Die Dauerausstellung war zum Zeitpunkt unseres Besuches geschlossen, wird aber 2021 neu konzipiert wiedereröffnet.

Am Unterwasser – also an der niedriger liegenden Kanalseite – steht das Museums-Schiff MS Franz-Christian, das eine sehr anschauliche Ausstellung zum Leben einer Binnenschifferfamilie vor rund 50 Jahren beherbergt. Bedauerlicherweise ist das Klima unter Deck bei sommerlichen Temperaturen derart stickig, dass ein längerer Aufenthalt zur Qual wird.

Am Unterwasser startete auch das Fahrgastschiff „Henrichenburg“ zu seinen Rundfahrten. Zuletzt existiert noch im Hafen am Oberwasser eine Halle, die für Sonderausstellungen genutzt wird. Bei unserem Besuch fand dort eine Fotoausstellung zu Industrielandschaften in Europa statt.

Freigelände mit Hafen und Werft

Überhaupt kommt um das Oberwasser ein klein wenig maritimes Flair auf, das trotz der „rostigen“ Umgebung zum Flanieren einlädt. Ein Rundweg führt an zahlreichen historischen Schiffen wie dem Dampftankschiff „Phenol“ aus dem Jahr 1903 vorbei. Über eine Hubbrücke gelangt man zum Hafen und zur Werft. Ein großer Abenteuer-Wasserspielplatz und ein Kletterschiff machen deutlich, dass das Museum auch Familien als Zielgruppe auserkoren hat.

Gastronomie ist in Form eines Cafés und eines originellen Gastrobusses mit Biergarten vorhanden. Am Tag unseres Besuches fand ein Open-Air-Konzert mit Irish-Falk-Musik auf dem Gelände statt. Ich muss gestehen, dass ich hier an der Peripherie des Ruhrgebiets nicht mit einem so überzeugenden kulturellen Konzept gerechnet habe.

Schleusenpark Waltrop

Wer von Industriekultur nicht genug bekommen kann, dem empfehle ich einen Spaziergang rund um das Museumsgelände. Hier im Schleusenpark Waltrop ist vor allem die Alte Schlachtschleuse, durch die man heute zu Fuß schreiten kann, mit ihren Doppeltürmen nicht minder sehenswert. Sie löste das Schiffshebewerk Henrichenburg als Schiffspassage ab, um ihrerseits später wieder durch ein modernes Schiffshebewerk und schließlich eine neue Schleusenanlage ihres Zweckes beraubt zu werden.

Die Museums-App mit Audioguide

Hervorheben möchte ich auch die durchaus gelungene Museums-App des LWL-Museums, die sich intuitiv bedienen lässt. Das zentrale Element ist der Audioguide zu 35 Stationen des Museums-Geländes, der als deutsche und englische Version zur Verfügung steht. Auch existiert eine Kinderführung, ebenso ein Quiz für Kinder.

Die App ist sehr medienintensiv, sollte also nach Möglichkeit nicht über eine mobile Verbindung installiert werden. Negativ ist auch anzumerken, dass Sonderausstellungen und Veranstaltungskalender auf dem Stand von 2018 sind. Offensichtlich fehlt das Fachpersonal, um die Informationen aktuell zu halten. Das trübt den positiven Eindruck unseres Besuches doch etwas.

2 Kommentare zu “Industriekultur am Schiffshebewerk Henrichenburg

  1. Erst einmal Dankeschön für die ausführliche Information. Es wäre schön noch eine Information hinzuzufügen zum Beispiel der Hinweis auf eine entsprechende Homepage wo man näheres erfahren kann. Wie Öffnungszeiten und Eintrittspreise und ob das Museum mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist

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