Home / Alle Artikel / Geschichte des Bergbaus im Bergbau-Museum Bochum

Geschichte des Bergbaus im Bergbau-Museum Bochum

Posted on
Deutsches Bergbau-Museum
Das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum

Geschichte und thematische Schwerpunkte des Museums

Dass das größte Bergbaumuseum der Welt, das Deutsche Bergbau-Museum Bochum, in einer Ruhrmetropole steht, ist sicher kein Zufall, sondern dem Umstand geschuldet, dass das Ruhrgebiet über einen langen Zeitraum das größte zusammenhängende Steinkohlerevier Europas war. Die daraus resultierende Industrialisierung veränderte die ursprünglich ländlich geprägten Agrarlandschaften an Ruhr, Emscher und Rhein seit dem späten 18. Jahrhundert zunächst allmählich und seit dem späten 19. Jahrhundert zunehmend rasant und einschneidend, sodass sich die Siedlungs- und Sozialstrukturen zwischen Duisburg und Dortmund, zwischen Ruhr und Lippe für immer radikal veränderten.

Bereits 1868 gründete die Westfälische Berggewerkschaftskasse (WBK), ein Gemeinschaftsunternehmen des Ruhrbergbaus, eine Lehr- und Schausammlung in Bochum. Dieses war aber weniger für die Öffentlichkeit vorgesehen als vielmehr als Lehrinstitut für junge Bergleute. Der Startschuss für das heutige Museum erfolgte erst 1930, wobei von Anfang an der Bau eines Anschauungsbergwerks vorgesehen war. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges erfolgte ein Neuanfang. In den 1960er Jahren wurde das Bergbau-Museum zum Forschungsmuseum, somit zu einem außeruniversitären Forschungsinstitut mit einem montanhistorischen Dokumentationszentrum samt einem Bergbau-Archiv. 1973 erhielt es sein Wahrzeichen, das Doppelbock-Fördergerüst der stillgelegten Schachtanlage Germania aus dem Dortmunder Stadtteil Marten.

Die Besucher erwartet heute eine wahre Fülle an Informationen, Exponaten und Anschauungsmaterial – und sogar eine kleine Erlebnisreise, wenn es mit dem Fahrstuhl ins Besucherbergwerk oder zur Aussicht über Bochum auf das Fördergerüst geht. Neben dem Schaubergwerk existieren vier weitere Dauerausstellungen mit unterschiedlichen Fokussierungen und Blickwinkeln auf den Steinkohlebergbau. Es empfiehlt sich aufgrund der Größe des Hauses, selektiv vorzugehen oder sich durch die Museumsapp leiten zu lassen. Neben dem Anschauungsbergwerk existieren auf zwei Ebenen vier Rundgänge mit den thematischen Schwerpunkten Steinkohle, Bergbau, Bodenschätze und Kunst. Wir wollen uns zunächst dem Besuch unter Tage widmen und dann primär den Abteilungen Steinkohle und Bergbau zuwenden.

Rundgänge durch das Museum

Das Anschauungsbergwerk

Im Museum wird zunächst der Besuch des Anschauungsbergwerks empfohlen. Das soll wohl der atmosphärischen Einleitung in die Thematik Bergbau dienen. Dem wollen wir auch folgen. Bemerkenswert ist das endlose Labyrinth von Stollen, die man hier in 20 Meter Tiefe geschaffen hat, obwohl sich an dieser Stelle niemals eine Zeche befunden hat. Unten angekommen haben die Besucher die Wahl zwischen zwei Themenrundgängen: dem größeren zum Steinkohlenbergwerk und dem kleineren zum Eisenerzbergwerk. Wir wollen uns der Steinkohle zuwenden, die zum Ruhrgebiet einen engeren thematischen Bezug besitzt als Erz.

Es fällt schwer, unter den vielen Grätschfaten, die unter Tage eingesetzt wurden und nun hier im Bochumer Anschauungsbergwerk eingesetzt werden, einzelne hervorzuheben. Beeindruckend sind insbesondere der Tunnelfräser mit seinen gewaltigen Schneidköpfen, mit denen die Lagerstätten der Kohle erschlossen wurden. Auch ein Bohrwagen ist zu sehen, mit dessen Hilfe Löcher für Sprengstoff angelegt werden – ein ohrenbetäubendes Unterfangen! Zudem begegnen uns Grubenbahnen und eine Einschienenhängebahn, mit deren Hilfe der Transport der Bergleute, des Materials und der Kohle bewerkstelligt wurde. Mithilfe des Kohlenhobels und später unter Einsatz des effektiveren und leistungsstärkeren Walzenschrämladers – eines monströsen Geräts in dem schmalen Streb – wurde die Kohle aus dem Flöz gebrochen. Es folgt der Ripper, ein großes Raupenfahrzeug, das beim gleichzeitigen Streckenvortrieb mit dem Kohleabbau seit den 1970er Jahren eingesetzt wurde. Damit erreichen wir aber auch das Ende des technischen Fortschritts im Bergbau.

Und da ist noch Tobias, anhand dessen die Geschichte der Grubenpferde veranschaulicht wird. Tobias wurde nach 10 Jahren unter Tage 1966 in einer bachnachbarten Zeche ans Tageslicht entlassen. Ein kleiner Höhepunkt innerhalb des Rundganges ist der Seilfahrtsimulator, bei dem die Fahrt in die Tiefe von 1200 Metern mit Rütteln und Ventilatoren täuschend echt nachempfunden wird.

Unter Tage im Anschauungsbergwerk | Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Rundgang Steinkohle

Entstehung, Technik, Landschaft und Gesellschaft

Der Rundgang zur Rolle der Steinkohle beginnt gleich mit einem Hingucker, einem Riesenfossil. Es handelt sich dabei um einen 306 Millionen Jahre alten Wurzelstock eines Schuppenbaumes, den sogenannten Karbonbaum vom Osnabrücker Piesberg. Dieser karbonzeitliche Prolog ist bestens geeignet, um die historische Bedeutung von Kohle, dem Motor der Industrialisierung, zu veranschaulichen. Kohle wurde für den Betrieb von Dampfmaschinen wie derjenigen in der Saline Königborn in Unna, die in der Ausstellung zu sehen ist, benötigt. Überhaupt liegt der Fokus der Ausstellung naturgemäß auf dem Ruhrgebiet. Sehr anschaulich sind die zahlreichen liebevoll und detailreich gestalteten Modelle, die die Funktionsweise vieler baulicher Anlagen und Gerätschaften in ihrer landschaftlichen Gebundenheit veranschaulichen.

Deutsches Bergbau-Museum - Karbonbaum
Karbonbaum von Osnabrücker Piesberg als Einleitung in den Rundgang Steinkohle

Thematisiert werden die Arbeit unter Tage und das Transportwesen, das die Steinkohle aus den Zechen zu den Einsatzorten beförderte. Vor der Erfindung der Eisenbahn war dies vom späten 18. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein die Ruhrschifffahrt. Zahlreiche primitiv wirkende Arbeitsmaterialien erinnern daran, wie beschwerlich der Bergbau in der Region vor der Hochzeit der Industrialisierung war. Besonders archaisch wirkt eine als Holzkasten gefertigte Lore, die noch im frühen 19. Jahrhundert im Einsatz war. Ein wichtiger narrativer Faden der Ausstellung ist der technische Fortschritt, der es schließlich erlaubte, in größerer Tiefe nach Steinkohle zu suchen, wodurch die Zechenwanderung von Süd, von den Stollezechen an der Ruhr, nach Nord, zu den Tiefbauzechen in der Hwellwegzone, einsetzte. Zudem entwickelte sich um den Kohlebergbau eine Industrie, die Nebenprodukte der Kohle verwertete. Das Ruhrgebiet war geprägt vom Nebeneinander von Zechen, Kokereien und Stahlwerken.

Deutsches Bergbau-Museum - Rundgang Steinkohle
Rundgang Steinkohle: Arbeitsmaterialien, Technik und Transport

Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bilden die politischen Voraussetzungen, die sozialen Errungenschaften sowie die gesellschaftlichen Entwicklungen, die im Zusammenhang mit dem Steinkohlebergbau standen. Belichtet wird der Aufstieg des Unternehmertums, der zur Ausbildung einer großbürgerlichen Klasse führte, die manche Unternehmerfamilie zu Industrierbaronen machte. Am anderen Ende steht die Arbeitswelt des einfachen Grubenarbeiters. Mit ihm werden Themen wie Arbeitssicherheit, Gewerkschaften oder das Vereinswesen verbunden – Einblicke in die Wohnbedingungen und in einen typischen Bergmannshaushalt inklusive. Gastarbeiter und Zechensterben im Rahmen der Kohlekrise bilden den thematischen und chronologischen Abschluss des Rundganges durch 200 Jahre Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet.

Die Arbeitswelt der Bergleute

Über eine Rampe, vorbei an der Kaue, geht es nach unten zum zweiten Teil des Rundgangs. Hier dreht sich alles um die Arbeitswelt der Kumpel. Die Kaue war nicht nur die Umkleidehalle der Bergleute, sondern auch das Scharnier zwischen der Arbeitswelt unter Tage und der Lebenswelt über Tage. Die Ausstellung wird hier in einem einzigen großen Raum präsentiert. Auf dem Umgang werden Themen der Arbeitssicherheit wie Grubenlampen, Schutzkleidung und -ausrüstung, die hygienischen Umstände oder die Entwicklung der Grubenwehr im Detail dargestellt. Die Ausstellung veranschaulicht eindringlich die gefährlichen Bedingungen des Bergmannberufs, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich verbessert wurden. Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosionen, Grubeneinstürze, Wassereinbrüche und Berufserkrankungen wie die Staublunge (Silikose) gehörten lange Zeit zum Berufsriskiko des Bergmanns. Die Priorität der Arbeitssicherheit war stets auch eine Frage der sozialen Stellung der Arbeiterklasse.

In der Mitte des Raumes ist ein wahres Sammelsurium größerer Gerätschaften und Maschinen aufgebahrt, die im Bergbau zum Einsatz kamen. Hier geht es ausschließlich um Technik und ihren Einsatz seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Zu sehen sind unter anderem eine Einschienenhängebahn, hydraulische Ausbauschilde für das Abstützen des Kohlestrebs oder ein Doppelwalzenlader, der den Abbau der Kohle mechanisierte und infolgedessen den Abbau von Arbeitsplätzen im Bergbau vorantrieb. Videostationen erläutern Funktionsweisen und Einsatzgebiete einiger Exponate näher. Einige der Anlagen haben wir in ähnlicher Ausführung bereits im Schaubergwerk sehen dürfen.

Deutsches Bergbau-Museum - Maschinen in der Arbeitswelt
Rundgang Steinkohle: Maschinen in der Arbeitswelt

Rundgang Bergbau

Rohstoffgewinnung in der Frühzeit

In diesem Rundgang wird der Fokus sowohl chronologisch als auch geografisch weit gespannt geführt. Die Ausstellung führt uns durch die Geschichte des Montanwesens von der Steinzeit über die Antike und das Mittelalter bis zur Industrialisierung. Es berücksichtigt die Auswirkungen des Bergbaus auf die gesellschaftlichen Strukturen ebenso wie die Veränderung unserer Umwelt.

Erste Belege eines gezielten Rohstoffabbaus reichen 350.000 Jahre zurück. Rötel, eine eisenoxidhaltige Farberde, wurde benötigt, um den rötlichen Farbestoff für Höhlenzeichnungen, aber auch für die Bemalung des eigenen Körpers zu gewinnen. Dafür wurden einfach Werkzeuge aus Stein, Tierknochen oder Geweihen benutzt. Der universelle Rohstoff der Steinzeit war der Feuerstein, ein Kieselgestein mit den Bestandteilen Quarz und Opal. Mit ihm konnten diverse Werkzeuge wie Messer oder Pfeilspitzen hergestellt werden. Diamanten, Bernstein oder Obsidian (vulkanisch entstandenes Glas) wurden verwendet, um Schmuck – also Prestigeobjekte – herzustellen. Bereits in der Jungsteinzeit war der Tiefbergbau unter Tage bekannt. An den Produkten Werkzeug und Schmuck lassen sich erste Handelsbeziehungen nachweisen.

Die Anfänge der Metallverarbeitung liegen im Vorderen Orient, um dann ab dem 5. Jahrtausend v. Chr. allmählich auch in Europa Fuß zu fassen. Das war zunächst das Kupfer. Ihm folgte Bronze als besser zu bearbeitende und mit höherer Festigkeit versehene Legierung aus Kupfer und Zinn, nach der auch die Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.) benannt ist. In diesem Kontext entstanden auch die ersten Bergbauregionen zur Erzgewinnung. Um das Metall aus dem Erz zu lösen, entwickelte sich die Metallurgie vom einfachen Schmelzen am offenen Herd bis zu den ersten Schmelzöfen. Dadurch entstanden Abhängigkeiten von Brennstoffen wie Holz und Holzkohle. In der Ausstellung wird der Bergbau am Mitterberg in den Ostalpen thematisiert, dem tiefsten bronzezeitlichen Grubenbau der Welt mit 200 Metern Teufe. Der Metallhandel, vor allem über das Meer und die Flussläufe, florierte.

Deutsches Bergbau-Museum - Frühzeit im Rundgang Bergbau
Rundgang Bergbau: Geschichte des Bergbaus in der Frühzeit

Metall und Salz im Römischen Reich

In der Antike waren Metallrohstoffe wie Gold, Silber, Zinn, Kupfer, Blei oder Galmei bekannt und wurden auch in unterschiedlichen Regionen gefördert. Zur Zeit der Römer hatten die Gewinnung von Eisen, Gold und Silber, aber auch das lange bekannte Kupfer große Bedeutung für die Ausrüstung der Heere und für das Münzwesen. Eisen löste die Bronze als das wichtigste Metall des Alltags ab. Ihm folgte das – wie wir heute wissen – giftige Blei. Das Bergbauwesen mit seinen technischen Errungenschaften war im Römischen Reich und seinen Provinzen entsprechend hoch entwickelt.

Neben Metallen war das Salz ein wirtschaftlich bedeutender Rohstoff von der Eisenzeit bis ins Mittelalter und darüber hinaus. Salz wurde zur Konservierung von Lebensmitteln, zum Gerben von Häuten, aber auch als wichtiges Nahrungsergänzungsmittel für den menschlichen Körper benötigt. Man spricht nicht umsonst vom Weißen Gold, das ganze Städte und Regionen reich gemacht hat. Das oberösterreichische Hallstatt ist einer der bekanntesten und am längsten betriebenen Salzorte. Ein weiterer bedeutender eisenzeitlicher archäologischer Fundort für den Salzbergbau ist der hier in der Ausstellung vorgestellte Dürrnberg unweit von Salzburg, wo zeitgleich vier Bergwerke mit mehrgeschossigem Abbau in Betrieb waren. Im zentraleuropäischen Mittelgebirge gehörte Bad Nauheim zu den bedeutendsten Salineorten in keltischer und römischer Zeit. Das mittelalterliche Lüneburg kam durch Salzabbau seit dem 12. Jahrhundert ebenfalls zu bemerkenswertem Reichtum.

Bergbau im Mittelalter und in der frühen Neuzeit

Nach dem Untergang des Römischen Reiches ging das technische Wissen rund um das Montanwesen vielfach verloren. Der Bedarf an Metallen wurde über Handel, Raub und Recycling gedeckt. Erst im 10. Jahrhundert kam es wieder in Mitteleuropa zu nennenswerten Bergbauaktivitäten. Das Wissen darum stammte aus älteren arabischen Schriften. In der Folge entwickelte sich der Zugriff auf Bodenschätze zu einem wichtigen Machtfaktor in der mittelalterlichen Gesellschaft. Insbesondere die Landesherren trachteten danach, durch bergerechtliche Regelungen und später durch Landesbergordnungen vom Bergbau in ihrem Einflussbereich zu profitieren. Im Spätmittelalter entwickelten sich das Erzgebirge (Silberbergbau) und der Harz (Erzrevier) zu bedeutenden Montanregionen.

Deutsches Bergbau-Museum - Mittelalter im Rundgang Bergbau
Rundgang Bergbau: Geschichte des Bergbaus im Mittelalter

Eine Medienstation führt in die Risiken des Arbeitslebens eines frühneuzeitlichen Bergmanns ein: Unfall und Krankheit. Bruderschaften und später bergbehördliche Knappschaften bildeten sich erstmals, um die soziale Absicherung der Bergleute zu gewährleisten. Das Museum zeigt in seiner Ausstellung einige Kunstwerke, die wie die Kirchenbauten vom Reichtum und Selbstbewusstsein der Städte und Bergeleute im 15. und 16. Jahrhundert zeugen. Exponate wie die Rettungstonne, eine Schwengelpumpe zur Entwässerung der Gruben oder die primitiv wirkenden Schienen und Wagen – allesamt aus Holz gefertigt – ermöglichen einen anschaulichen Einblick in eine frühe Phase des Bergwerkswesens. Die technische Entwicklung und die Weitergabe des Wissens sind Gelehrten wie Georg Agricola, dem Begründer der modernen Geologie und Bergbaukunde, zu verdanken.

Deutsches Bergbau-Museum - Frühe Neuzeit im Rundgang Bergbau
Rundgang Bergbau: Geschichte des Bergbaus in der frühen Neuzeit

Zeit der Industrialisierung

Ausgehend von Großbritannien hielt Ende des 18. Jahrhunderts das Maschinenzeitalter Einzug in den Bergbau. Diese Erfindung der Dampfmaschine war ein entscheidender Motor für die Industrialisierung in ganz Europa. Auf dem Kontinent wurden Belgien und Deutschland führend. Steinkohle, das Schwarze Gold, wurde zum wichtigsten Brennstoff für die Industrie, speziell um die Maschinen der Eisen- und Stahlhütten anzutreiben. In Deutschland waren die wichtigsten Standorte der Montanindustrie das Ruhrgebiet und das oberschlesische Kohlerevier. Rohstoffe und Güter wurden über ein rasant wachsendes Transportnetz aus Kanälen und der Eisenbahn in die ganze Welt verfrachtet. Das Deutsche Reich exportierte hauptsächlich die bergbaulichen Rohstoffe Steinkohle und Kali. Die industrielle Revolution förderte auch den starken Anstieg der Bevölkerung.

Erdöl als weiterer Rohstoff wurde seit der Idee benötigt, Petroleum als Brennstoff für Lampen einzusetzen. Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts brach in den USA – genauer: in Pennsylvania – ein erster Ölboom mit seinen landschaftsverändernden Erdölbohrtürmen aus, gefolgt von Erdölfunden in Russland und am Schwarzen Meer. Mit der Massenmobilität seit Beginn des 20. Jahrhunderts und bei der Gewinnung von Wärmenergie war dieser Rohstoff für das gesamte Jahrhundert prägend. Die Absatzmärkte erweiterten sich weiter, seitdem Erdöl auch bei der Herstellung von Kunststoffen zum Einsatz kam.

Deutsches Bergbau-Museum - Indutriezeitalter im Rundgang Bergbau
Rundgang Bergbau: Geschichte des Bergbaus im Industriezeitalter

Zur Zeit des Kalten Krieges ermöglichten die weitreichenden Uranvorkommen in der DDR die sowjetische Atomwaffenproduktion. Braunkohle, die im Tagebau leichter zu fördern, aber weniger ergiebig war als die Steinkohle, beseitigte gewachsene Landschaften mit ihren Dörfern, Kirchen und Herrenhäusern in der Lausitz und im Rheinkland, die nun mühevoll renaturiert werden. Mit der Förderung von Erdgas seit den 1960er Jahren, zunächst in den Niederlanden, dann in Russland und in Norwegen, wurde das letzte bedeutende Kapitel des Bergbaus aufgeschlagen. Der Erdgasboom in der Energieversorgung flaute erst in den letzten Jahrzehnten ab, bedingt durch internationale Konflikte und den Einsatz regenerativer Energien.

Rundgänge Bodenschätze und Kunst

Die beiden kleineren Rundgänge des Bergbau-Museums sollen nicht ganz unerwähnt bleiben. Der Rundgang Bodenschätze vermittelt geowissenschaftliches Basiswissen zu den Ressourcen unserer Erde. Wie alt ist die Erde? Was sind Minerale und Gesteine? Wie und wo entstehen Lagerstätten? In Mitmachstationen ist dann die Möglichkeit gegeben, den spezifischen Rohstoffeinsatz näher kennenzulernen. Hier geht es inhaltlich weit über Stein- und Braunkohle hinaus – Erdöl, Erdgas, Erze, Metalle, Gesteine oder Salze werden ebenso thematisiert. Geologisch Interessierte werden bei diesem Rundgang auf ihre Kosten kommen.

Die Abteilung Kunst stellt den Gegensatz von Ideal und Wirklichkeit in der bildenden Kunst dar – in diversen Facetten. Es sind Werke renommierter Künstler, aber auch Laienkunst ausgestellt. Begrüßt werden wir von einer Skulptur eines erschöpften Bergmanns von Rudolf Belling. Seine expressionistische Kunst galt im NS-Staat als entartet. Natürlich dürfen auch Darstellungen der Heiligen Barbara als Schutzpatronin der Bergleute in der Ausstellung nicht fehlen. Besonders ausdrucksstark ist die bronzene Plastik eines Grubenpferdes des belgischen Künstlers Constatin Meunier, das mit seiner ausgemergelten Darstellung, bei der die Rippen zu sehen sind, an eine Pietà erinnert. Ein klassisches Werk des Naturalismus! Umfangreich ist insbesondere die Sammlung von Meißner Porzellan des 18. Jahrhunderts (Sammlung Middelschulte) mit unterschiedlichsten Darstellungen aus dem Kontext des Bergbaus. An den Wänden finden sich zahlreiche Gemälde. Viele von ihnen zeigen Industrielandschaften oder skizzieren die Arbeit unter Tage.

Finaler Eindruck

Das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum vermittelt einen erschöpfenden Überblick über die Geschichte des Bergbaus im Ruhrgebiet, Deutschlands und darüber hinaus. Die Fülle an Ausstellungen, Rundgängen und Exponaten ist so groß, dass ein einzelner Tag kaum ausreicht, um alles in der gebotenen Ausführlichkeit zu betrachten. Angesprochen werden nicht nur am Bergbau interessierte Laien, sondern auch Historiker, Geologen, Technikbegeisterte und sogar Kunsthistoriker. Exponate und Modelle, erläuternde Begleittexte und digitale Medien ergänzen sich in einem angenehmen Verhältnis zueinander. Für Kinder bietet die Museumsapp Audioguides speziell für dieses junge Publikum. Auch die Mitmachstation im Rundgang Bodenschätze dürfte alle Altersgruppen ansprechen. Überhaupt sind das labyrinthartige Anschauungsbergwerk mit der Simulation einer Untertagefahrt und der Ausflug auf den Förderturm Attraktionen der besonderen Art – nicht nur für die Kleinen.

Letztlich stellt das Museum die Kompilation des Wissens über technische, historische und geologische Zusammenhänge und Voraussetzungen des Bergbaus dar. Der multipolare Blick wird in den unterschiedlichen Schwerpunkten der Rundgänge deutlich herausgearbeitet. Vieles davon wird auch an anderen Orten der Industriekultur wie im Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund oder dem Ruhr-Museum in der Zeche Zollverein Essen thematisiert. Hier in Bochum wird dieses Wissen in einem Haus vereint. Das Einzige, was man dem Museum – es ist Jammern auf hohem Niveau – ankreiden kann, ist, dass wir es hier nicht mit einem Originalschauplatz des Bergbaus zu tun haben. Das Anschauungsbergwerk ist künstlich angelegt, der Förderturm stammt von einer anderen Zeche und auch sonst ist hier kein Zechengebäude in seiner originalen Substanz zu bewundern. Dafür eignet sich dann doch der Besuch der obigen Lokalitäten als Ergänzung des Eindrucks.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Top