Die Stadt Killarney
Wir befinden uns in Irlands Südwesten, in der Grafschaft Kerry. Der Killarney-Nationalpark sollte auf unserer Reise durch die grüne Insel ein Höhepunkt werden und er hielt, was er versprach. Doch er präsentierte sich anders, als wir es erwartet hätten. Ungewöhnlich ist bereits die Lage vor den Toren der Stadt Killarney. In keiner anderen irischen Ortschaft – ausgenommen Dublin – dürfte so viel buntes Treiben herrschen wie in Killarney mit seinen gerade mal knapp 15.000 Einwohnern. Die einen werden es lieben und die unzähligen Pubs der Stadt aufsuchen, die anderen schleunigst wieder in die irische Natur flüchten. Von den Touristen wird man sich in dieser Gegend Irlands zumindest in der Hochsaison ohnehin nicht ganz absetzen können.
Auch wenn der Vergleich etwas hinken mag, so hat die Straße, die aus Killarney Richtung Nationalpark führt, einen Charakter, der an einen Boulevard erinnert – zumindest für irische Verhältnisse! Die Muckross Road ist gesäumt von adretten Hotels, Pensionen und einem Campingplatz. Auch ein Golfplatz ist nicht weit entfernt. Ein breiter Fahrradweg und Steinmauern, hinter denen sich penibel gepflegte Rasenflächen mit ihrem satten Grün aneinanderreihen, begleiten uns auf unserem Weg aus der Stadt. Stetig wird die Bebauung lichter und die Natur gewinnt schließlich Überhand. Dieser Eindruck will nicht so recht in das Bild passen, das wir bisher von Irland gewinnen konnten.
Der Killarney-Nationalpark
Muckross House
Der Killarney-Nationalpark offenbart sich als eine Mischung aus Landschaftspark und Naturerlebnis, stellenweise exotisch, mit rauer, unberührter Natur, dann wieder aristokratisch bieder. Eine sehr reizvolle und unerwartete Mischung! Es empfiehlt sich, mit dem Auto nicht den großen Parkplatz vor dem Muckross House anzusteuern. Damit würde man sich der Impressionen berauben, die man beim Durchschreiten der Toranlagen an den Parkeingängen und des sich dahinter wie ein Gemälde ausbreitenden Landschaftsparks teilweise berauben.
Der zentrale Teil des Nationalparks wird dominiert vom Muckross House und seinen ausgedehnten Gärten mit Baumriesen und haushohen Rhododendren. Das schlossartige Herrenhaus wurde im 19. Jahrhundert in malerischer Lage mit Ausblick auf den Muckross Lake errichtet. Heute befindet sich in dem Gebäude ein Museum. Äußerst authentisch wirken die angebotenen Kutschfahrten über das weitläufige Gelände rund um Muckross House. Der den Landsitz umgebende Muckross Garden besticht durch seine fremdartige Fauna mit gewaltigen Rhododendronhecken.


Rundweg um den Muckross Lake
Folgt man dem Weg auf die Landzunge, die die beiden größten Seen des Nationalparks, Lough Leane und Muckross Lake, trennt, ändert sich allmählich das Gepräge der Landschaft. Unberührte Natur übernimmt die Vorherrschaft. Wir wählten den Rundweg rund um den Muckross Lake, der uns die ganz großen Anstiege auf die Hochebenen ersparte, aber prächtige Ausblicke auf das Blau des Wassers und die umgebende raue Berglandschaft bescherte. An der Brickeen Bridge treffen Lough Leane und Muckross Lake zusammen. Auf halber Strecke des Rundweges kommt man an einem Cottage vorbei, das in einem kleinen Café Stärkungen für Wanderer bereithält – Annehmlichkeiten der Zivilisation, die man hier, so weit abseits der großen Touristenrouten, nicht vermuten würde.


Geheimtipp und unser persönlicher Favorit ist allerdings eine alte doppelbogige Brücke (Old Weir Bridge), die sich unweit südlich des Cottages in den Wäldern versteckt hält. Wofür dieses stattliche, wahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert stammende Bauwerk an dieser Stelle diente, will sich uns nicht so recht erschließen. An beiden Ufern des Wasserlaufes, der den Upper Lake mit den beiden anderen Seen des Nationalparks verbindet (Meeting of the Waters), waren in dem recht unzugänglichen Gelände keine Spuren eines entsprechenden Karrenweges auszumachen, der für Warentransporte geeignet wäre.
Torc-Wasserfall und Muckross Abbey
Nicht verpassen sollte man kurz vor dem Ende des Rundweges auch den Torc-Wasserfall, an dem das Wasser rund 20 Meter Höhenunterschied überwindet. An seinem Fuß erreicht man wieder den Landschaftspark rund um Muckross House. Dass hier die N71 den Nationalpark durchzieht, ist nur ein kleiner Wermutstropfen bei diesem faszinierenden Naturerlebnis. Bevor man den Park verlässt, sollte man einen Abstecher zu Muckross Abbey vornehmen. Die 1340 von Franziskanern gegründete Abtei wurde nur wenige Jahrzehnte später wieder verlassen. Eine Entdeckungsreise in den Ruinen und auf dem umgebenden Friedhof entführte uns in eine mystische Welt des irischen Mittelalters. Bemerkenswert ist eine im Hof des Kreuzganges stehende Eibe mit markantem, knorrigem Stamm.


Ross Castle
Nicht minder gut gefallen hat uns der Abstecher zum Ross Castle im nördlichen Teil des Nationalparks. Die romantisch auf einer Halbinsel unmittelbar am Lough Leane gelegene Burganlage kann bequem zu Fuß vom Zentrum von Killarney aus erreicht werden. Unser Tipp: Die etwas längere Route entlang des River Deenagh bietet einen sehr schönen Mix aus Landschaftspark und Ausblicken auf die unberührte Natur rund um den See. Und mittendrin steht Ross Castle!
Endlose Abgeschiedenheit bekommt man hier allerdings nicht geboten. Immer wieder kommen Kutschengespanne an uns vorbei, die den Touristen den Weg verkürzen. An der Burg, die auch motorisiert erreichbar ist und zudem besichtigt werden kann, herrscht für irische Verhältnisse reges Treiben. Und auch ein Bootsanleger für Ausflugsboote ist unmittelbar vor den mächtigen Mauern des Gebäudes vorhanden. Die Sonnenuntergänge sind vor dieser Kulisse aber dennoch unvergleichlich.
Gap of Dunloe
Offiziell bereits außerhalb und westlich des Killarney-Nationalparks gelegen, ist die Gap of Dunloe, eine in Teilen spektakuläre Schlucht, gerade bei gutem Wetter ein Naturerlebnis. Nähert man sich dem Tal – wie die meisten Reisenden – von Norden, dann passiert man zunächst ein Cottage mit gastronomischem Angebot und ausgebautem Parkplatz. Vorgewarnt durch unseren Reiseführer mussten wir aber zunächst eine Erfahrung der weniger schönen Art über uns ergehen lassen: An der Einfahrt zur Schlucht verengten zwei quergestellte (!) Kutschen die Straße derart, dass wir nur mit Vorsicht passieren konnten. Das nutzte ein Kutscher dazu, auf unser Auto zuzustürzen, um uns unsanft zum Parken auf dem Parkplatz zu bewegen. Nach kurzem Wortgefecht setzen wir unsere Fahrt fort, den Kutscher wild gestikulierend im Rückspiegel. Besucher der Schlucht sollten sich nicht verunsichern lassen: Die Straße durch die Schlucht ist öffentlich und leicht mit dem Auto befahrbar. Das Verhalten der Kutscher dient dazu, Gäste auf ihre Gespanne zu locken.


Wir parkten schließlich in der Schlucht selbst und entschieden uns spontan, einen steilen Pfad nach oben zu nehmen, ohne zu wissen, wohin er uns in welcher Zeit führen würde. Wir sollten die Abenteuerlust nicht bereuen: Nach rund einer Stunde erreichten wir einen ersten Gipfel, der uns einen großartigen Blick in die Schlucht, auf die höchsten Berge Irlands und in die weite Ebene nördlich des Gap of Dunloe bescherte. Vernünftige Wanderschuhe sind angeraten, wenn man hier noch weiter aufsteigen möchte. Wir gaben uns aber mit diesen Eindrücken zufrieden und machten uns mit dem Auto auf den kurvenreichen und schmalen Weg gen Süden. Ein würdiger Abschluss unserer Tour durch Irland! Am nächsten Tag ging unser Flug zurück nach Deutschland.








Hallo Damian,
ich habe mal zwei Wochen in einer Ferienwohnung etwas außerhalb von Killarney verbracht. Wir waren im Mai da, wenn der Rhododendron blüht. Rund um das Muckross House ist er zu riesigen Hecken angewachsen. Wir sind viel spazierengegangen und haben die beschriebenen Plätze besucht. Im Muckross House gab es leckeren Kuchen, den wir auf einer Außenfläche verspeist haben. Wir mussten sie vor den frechen Vögeln schützen, die uns die Stücke vom Teller klauen wollten.
Liebe Grüße
Renate
Liebe Renate, danke für deinen kleinen Bericht. Die riesigen Rhododendren haben uns auch begeistert. Ich habe jetzt nur kein Foto davon in meinen Blogbeitrag integriert. Meist erahnt man die immensen Proportionen darauf nur.